Mehr Lohn für „Riesenverantwortung“: Verdi-Warnstreik in Regensburg legt Busverkehr lahm

Von Marion Neumann · 2. Februar 2026 um 14:34

Die neue Woche begann in Regensburg ungewöhnlich: Nach dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr standen am Montag, 2. Februar, die Busse im Stadtverkehr still. Das Stadtwerk im Bereich Mobilität hatte die massiven Einschränkungen im Busverkehr bereits am Freitag angekündigt. Zeitgleich zu den Busfahrern traten die Länderbeschäftigten – darunter Mitarbeitende des Uniklinikums – erneut in den Warnstreik. Ein Überblick:

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■ 8 Uhr: Elterntaxi statt Bus? Das große Chaos bleibt aus

Fahrrad, E-Scooter, Cityroller oder Elterntaxi: Um zur Schule zu kommen, mussten sich viele Regensburger Schüler Alternativen überlegen. Der Großteil der Stadtbusse fiel aus, lediglich Regionalbuslinien und einzelne Subunternehmer fuhren. Sowohl an der Kreuzschule im Alten Stadion als auch am Goethe-Gymnasium im Westen der Stadt klappte das verhältnismäßig gut. Zwar häuften sich zwischen 7.30 und 8 Uhr die Autos, die auf Haltestreifen und am Straßenrand hielten. Dennoch verlief das Bringen der Kinder größtenteils geordnet und effizient – Blinker setzen, Autotür auf, Schulranzen raus, weiterfahren. Aus vielen Fahrzeugen stiegen gleich drei oder mehr Schüler aus. Fahrgemeinschaften zu bilden, hatte wohl funktioniert.

■ 8.30 Uhr: Leere am Busbahnhof – und eine einzelne Fahrt

Ein ungewohntes Bild bot der Busbahnhof am Hauptbahnhof: Gegen 8.30 Uhr warteten hier nur vereinzelt Fahrgäste. Lediglich an den Haltestellen in Richtung Galgenbergbrücke – zur Universität, zur OTH und zum Uniklinikum – sammelten sich Wartende. „Wir müssen zum Klinikum“, erklärten etwa die Medizinstudentinnen Lorena Fröhlich und Sarah Lackner. Eigentlich hatten sie sich darauf eingestellt, mit dem Fahrrad fahren zu müssen. „Aber es ist schon ein weiter und steiler Weg.“ Umso erleichterter waren die beiden, als die RVV-App anzeigte, dass Busse der Linie 6 verkehren. Als der gelbe Bus pünktlich wie auf der Anzeigetafel angekündigt eintraf, stiegen sie gemeinsam mit vielen weiteren Fahrgästen ein.

■ 9 Uhr: 250 Demonstranten an der Uni-Haltestelle

Statt wie sonst Busse und Fahrgäste sammelten sich an der Haltestelle Universität im Süden der Stadt gegen 9 Uhr zahlreiche Länderbeschäftigte des öffentlichen Dienstes zum Warnstreik. Mit Trillerpfeifen und neongelben Warnwesten waren unter anderem Mitarbeitende der Regierung, der Universität, der OTH und des Studierendenwerks gekommen. Auch die Gewerkschaft der Polizei beteiligte sich an dem Warnstreik.

Im Warnstreik für die Pflege: Magdalena Brinkert (li.), Maximilian Gröger und Nicky Langbein arbeiten am Universitätsklinikum. - Foto: Marion Neumann

Sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 300 Euro – das sei eine der zentralen Forderungen der Länderbeschäftigten, erklärte Kathrin Birner, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für den Bezirk Oberpfalz. Insgesamt rund 250 Beschäftigte waren laut ihr vor Ort. Darunter auch Beschäftigte am Universitätsklinikum, die den Warnstreik noch bis Freitag fortsetzen. Die Notfallversorgung sei dabei sichergestellt. „Die Bedingungen müssen sich ändern“, sagte Pflegehelfer Maximilian Gröger. „Wir müssen Zeit für die Patienten haben – und nicht am Ende der Schicht denken: Gott sei Dank haben alle überlebt.“ Der Streik der Busfahrer hänge lediglich zeitlich mit dem Warnstreik der Länderbeschäftigten zusammen, erklärte Birner noch. „Es sind zwei getrennte Tarifrunden, die derzeit parallel laufen“, sagte sie. Nichtsdestrotrotz brachen die Streikenden nach der Auftaktkundgebung in einem großen Demonstrationszug in Richtung Bajuwarenstraße zum Busbetriebshof auf. „Wir überbringen den Busfahrern solidarische Grüße.“

■ 10 Uhr: Solidarische Grüße für 160 Busfahrer

Während die Länderbeschäftigten in Richtung Bajuwarenstraße aufbrachen, hatten sich am Betriebsgelände an der Markomannenstraße um 10 Uhr rund 160 Busfahrer versammelt. „Die ersten Kollegen sind seit 4 Uhr morgens hier“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Gotthardt. Neben einer 35-Stunden-Woche fordern die Beschäftigten 668,75 Euro mehr Gehalt. „Die hohe Forderung ist dadurch begründet, dass wir hier am Betriebshof zwei Tarifverträge haben: Die Beschäftigten im anderen Vertrag verdienen im Durchschnitt 670 Euro mehr als die Busfahrer-Kollegen. Das finden wir ungerecht“, erklärte Gotthardt.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Gotthardt ist mit den Busfahrern am Betriebsgelände vor Ort. - Foto: Marion Neumann

Unter den Streikenden war auch Eugen Hauk, der seit drei Jahren als Busfahrer arbeitet. Auch ihm geht es um Gerechtigkeit – und um bessere Arbeitsbedingungen. „Bei dem Verkehr hier tragen wir eine Riesenverantwortung. Wir sorgen dafür, dass alle Fahrgäste sicher ans Ziel kommen – darunter auch Kinder und ältere Menschen mit Rollator.“ Als der Demonstrationszug schließlich um 10.15 Uhr auf dem Betriebsgelände eintraf, machte Hauk sich auf den Weg zur gemeinsamen Kundgebung. Dass dieser erste Tag bereits der letzte Warnstreik gewesen sein wird, glaubte er nicht.