Verdi-Warnstreik an Uniklinik, Uni und Regierung – Donnerstag wird wieder verhandelt

Trillerpfeifen, Verdi-Fahnen und deutliche Worte: Am Mittwochvormittag hat ein Warnstreik in Regensburg auf die aktuell laufenden Tarifverhandlungen für die Länderbeschäftigten im öffentlichen Dienst aufmerksam gemacht. Ein deutliches Gehaltsplus ist das Ziel.
Ab 8.45 Uhr versammelten sich bei frostigen Temperaturen und Nebel die ersten Demonstranten vor dem Haupteingang des Regensburger Uniklinikums – mit wärmenden Kaffeebechern in der Hand. „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag“, lautete die mantrahaft wiederholte Parole, mit der die Gewerkschaft den Teilnehmenden einheizte. Beschäftigte des Uniklinikums bildeten nach Auskunft von Verdi-Vertreterin Kathrin Birner den Großteil der Streikenden. Die Gewerkschaft sprach von insgesamt rund 300 Teilnehmern, die Polizei zählte etwa 200. Auch Beschäftigte der Universität, Mitarbeiter der Verwaltung und von Behörden wie dem Landesamt für Denkmalschutz, dem Wasserwirtschaftsamt oder der Regierung der Oberpfalz waren laut Verdi dabei.
„Von allein passiert nichts“
Martin Libera arbeitet als Krankenpfleger am Uniklinikum, wo er sich unter anderem um Krebs- und Schlaganfallpatienten kümmert, wie der 34-Jährige erzählt. „Von allein passiert nichts“, ist er überzeugt. Daher beteilige er sich am Streik. „Wir können nur gemeinsam etwas bewegen. Jeder, der teilnimmt, zählt.“ Die Lebenshaltungskosten seien hoch. „Regensburg wird immer teurer“, findet er. Die Forderung nach mehr Gehalt hält er für angebracht. Als Pflegekraft habe er die Belastung, im Drei-Schicht-System zu arbeiten. Die Arbeit nah am Menschen bedeute emotionalen Stress. Den Vorwurf, dass durch den Streik Patienten gefährdet würden, weist er zurück. Es gebe einen Notdienst, die Menschen würden gut versorgt. „Wir haben auch das Recht zu streiken.“

Janine Wohlrab, Intensiv-Fachkrankenschwester am UKR, wünscht sich „mehr Anerkennung vom Arbeitgeber und der Politik“. Auch für flexiblere Arbeitszeiten streike sie. Und: „Wir wollen eine bessere Bezahlung an Feiertagen und in der Nachtschicht.“ Sie arbeite gern, der Beruf sei „toll“, betont die 50-Jährige. „Aber pflegerisches Personal fehlt. Der Beruf muss attraktiver werden.“
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Vom Uniklinikum zog der Protestzug gegen 10 Uhr in Richtung Universität, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Danach ging es weiter zum Gewerkschaftshaus. Dort endete die Veranstaltung gegen Mittag. Bei der Streikdemo ergriff auch Sinan Öztürk, stellvertretender Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, das Wort. Er ist bei den Tarifverhandlungen, die heute in Potsdam in die zweite Runde gehen, dabei. Öztürk kritisierte, dass die Arbeitgeber bisher kein Angebot vorgelegt hätten. „Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, machen wir weiter“, kündigte er an. „Wir holen uns das, was uns zusteht“, rief er den Streikenden unter lautem Beifall zu. „Wir machen Druck.“ Energie sei teurer geworden, die Sozialversicherungsbeiträge würden steigen, ebenso die Kosten für tägliche Lebensgüter oder Miete, daher seien die Forderungen „mehr als berechtigt“.

Mindestens 300 Euro fordert Verdi bei den laufenden Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder sieben Prozent mehr Gehalt im Monat – mindestens aber 300 Euro „zur Stärkung der unteren Lohngruppen“. Darüber hinaus sollen nach dem Willen der Gewerkschaft im Schichtdienst die Zuschläge erhöht werden und Nachwuchskräfte mehr Geld bekommen. Der neue Tarifvertrag soll überdies eine Laufzeit von zwölf Monaten haben, so Verdi. Die Tarifauseinandersetzung liefert auch die Vorlage für die künftige Entlohnung der Beamten, auf die die Ergebnisse übertragen werden. Bayerns Ministerpräsident hat allerdings schon angekündigt, dies mit sechsmonatiger Verspätung zu tun.
Am Uniklinikum gab es wegen des Warnstreiks am Mittwoch eine Notversorgung: „Dringliche und nicht aufschiebbare Eingriffe, Transplantationen sowie Notfälle konnten weiterhin operativ versorgt werden“, teilte das Klinikum mit. Es hätten aber Behandlungstermine verschoben werden müssen. „Die Entscheidungen fallen auf anderer Ebene, während ihre Auswirkungen vor allem vor Ort spürbar werden“, hieß es weiter.