Nach mehr als 50 Jahren: Brüderpaar findet sich dank „Regensburger damals“ wieder

Von Rainer Wendl · 14. Januar 2026 um 09:00

Eine Familienzusammenführung der besonderen Art wurde jetzt dank der Facebook-Gruppe „Regensburger damals“ möglich. Ein Mitglied wurde von den USA aus kontaktiert – und schon kam die Sache ins Rollen.

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Hass, Dummheit und Lügen sind längst zu zentralen Zutaten des Austauschs auf Facebook geworden. Doch es gibt auch positive Beispiele, die dem Grundgedanken eines sozialen Netzwerks im besten Sinn gerecht werden: So macht es eine erfolgreiche Suche über die Facebook-Gruppe „Regensburger damals“ jetzt möglich, dass sich zwei Halbbrüder nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder treffen können.

Eine zentrale Rolle bei dieser spektakulären Familienzusammenführung spielt Anita Maier aus Rötz im Landkreis Cham. Sie ist Mitglied bei „Regensburger damals“ und wurde im vergangenen Sommer von einer Mitarbeiterin des US-amerikanischen Ahnenforschungsprogramms „Ancestry“ angeschrieben.

Der Kontakt ging verloren

„Sie teilte mir mit, dass sie eine Freundin des gebürtigen Regensburgers Pat Turner ist. Er wurde adoptiert und lebt in Amerika. Einmal, 1973, hat er seine biologische Mutter und seinen Halbbruder Rainer besucht. Leider hielt er diesen Kontakt nicht und so verlor er die Verbindung“, schildet Maier die Ausgangssituation.

Was sie damit zu tun hat: Jener Pat Turner wurde Mitte der 50er Jahre als Ekkehard Johann Josef G. geboren, Anita Maier wurde von der Ahnenforscherin als entfernte Angehörige der Familie G. ausgemacht. Nun half sie tatkräftig mit, nach und nach das Verwandtschaftspuzzle zusammenzusetzen.

So brachte sie zum Beispiel in Erfahrung, dass Pats alias Ekkehards 1938 geborene Mutter Elfriede G. 2015 in einem Regensburger Krankenhaus gestorben ist. Auch die Vorgeschichte eruierte sie. „Pat wurde zur Adoption freigegeben, da Elfriede damals noch nicht volljährig war. Es waren schwierige Zeiten.“

Ich habe einem mir völlig Fremden geholfen, seinen Bruder wiederzufinden. Das kommt mir vor wie ein kleines Wunder.Anita Maier, Mitglied bei „Regensburger damals“

Doch wie sollte sie an Pats Halbbruder Rainer herankommen? Die Nachfragen bei noch lebenden Mitgliedern der Familie G. führten zu nichts, niemand wusste etwas. Der Hauptgrund dafür: Weil Elfriede geheiratet hatte, wuchs der 1960 geborene Rainer mit einem anderen Nachnamen auf.

Pat kannte diesen zwar ebenso wie die Adresse in Großprüfening, wo leibliche Mutter und Halbbruder bei seinem Besuch 1973 wohnten. Doch die weiteren Nachforschungen, die er in engem Austausch mit Anita Maier über das städtische Einwohneramt und auch die zuständige Pfarrei anstrengte, liefen ins Leere.

Erfolg nach nur neun Tagen

Aufgeben war in diesem fortgeschrittenen Stadium der Suche allerdings keine Option. „Pat Turner war es weiterhin wichtig, seinen Bruder zu finden“, sagt Maier, der daraufhin die entscheidende Idee kam. Sie bat Bernd Edtmaier, den Administrator von „Regensburger damals“, einen Beitrag in der Facebook-Gruppe zu veröffentlichen – mit dem Namen des Halbbruders, einem 1973 von Turner aufgenommenen Foto von Rainer und seiner Mutter vor der Altstadtkulisse und der zusätzlichen Info, wo er Wohnsitz, Erstkommunion und Firmung hatte.

„Ich war skeptisch“, räumt Edtmaier ein. Er fragte sich, warum so ein Aufruf mehr bringen sollte als die Recherche über Behörden. Doch einen Versuch sei es wert, befand er. „In unserer aktiven Gruppe habe ich nämlich gelernt, dass nichts unmöglich ist.“ Und tatsächlich: Nach gerade einmal neun Tagen war das Rätsel gelöst. Ein Nachbar hat Rainer in dem Facebook-Eintrag erkannt und kontaktiert.

Somit sind alle zufrieden. „Ich bin unglaublich stolz auf unsere Gruppe, in der sich immer wieder solche interessanten Geschichten zutragen“, freut sich Administrator Edtmaier. Anita Maier ist glücklich über den Erfolg ihrer detektivischen Arbeit: „Ich habe einem mir völlig Fremden geholfen, seinen Bruder wiederzufinden. Das kommt mir vor wie ein kleines Wunder. Pat und Rainer haben sich bei mir bedankt für meine Hilfe. Ein Treffen ist in naher Zukunft geplant.“