Neue Broschüre: Die Faszination fürs Regensburger Bürgerfest eint Generationen

Beim Regensburger Bürgerfest ging es seit jeher um mehr als nur Feiern. Doch bleibt dieser tiefere Sinn erhalten? Zwei Autoren sind dieser Frage vor der nächsten Auflage des Fests auf den Grund gegangen.
Eigentlich war doch schon alles gesagt. Dachte sich zumindest Bernd Edtmaier. Zum Jubiläum „50 Jahre Bürgerfest“ hatte der Hobby-Stadthistoriker 2023 unter dem Titel „Altstadt macht Spaß" (so lautete auch das Motto der Premiere 1973) eine ebenso umfangreiche wie informative Broschüre zu dieser ganz besonderen Regensburger Veranstaltung veröffentlicht. Daher war er überrascht, als ihn Kulturreferent Wolfgang Dersch mit Blick auf das Bürgerfest 2025 ansprach: „Herr Edtmaier, wie schaut's aus? Machen Sie wieder was?“
Dieses Interesse von höchster Stelle wollte der Gefragte nicht ins Leere laufen lassen. Also machte er sich Gedanken darüber, ob vielleicht doch noch nicht alles gesagt war. Prompt fand er etwas: Bei seiner neuen Publikation, das stand für Edtmaier schnell fest, müssen die aktuellen und künftigen Perspektiven des Bürgerfests im Vordergrund stehen. Denn das Feiern war hier niemals Selbstzweck, sondern hatte einen tieferen Sinn. Aber gibt es diesen noch? Und wird er von der jüngeren Generation gesehen?
Eine Zufallsbekanntschaft ebnete den Weg zum neuen Konzept
Bei der Beantwortung dieser Fragen half ihm eine Zufallsbekanntschaft, die ausgerechnet einen Bezug zum städtischen Kulturamt hat. Dort arbeitete Teresa Zeller Anfang des Jahres als Praktikantin und stieß bei Recherchen zum Thema „Bürgerfest“ auf Edtmaiers Werk von 2023. Um ein Exemplar davon zu bekommen, läutete die Studentin der allgemeinen Kulturwissenschaft im Februar an seiner Wohnungstür – und schon wenig später stand fest, wie das Herzstück der neuen Broschüre aussehen sollte.
Es sind zwei erdachte Spaziergänge über das erste und das kommende Bürgerfest.
Bernd Edtmaier, Autor
„Es sind zwei erdachte Spaziergänge über das erste und das kommende Bürgerfest“, beschreibt Edtmaier die Grundidee. Bei der Premiere 1973 war er zwar gerade einmal ein Jahr alt, doch als geübter Zeitreisender ins Regensburg vergangener Jahrzehnte kann er sich in diese Epoche auch gut als Erwachsener hineinfühlen. Also setzt er sich an diesem Samstagnachmittag im Juli '73 eher skeptisch in den Bus in Richtung Zentrum und fragt sich angesichts des Festmottos, was in diesem Ratzenloch von Altstadt denn bitteschön Spaß machen soll.
Schnell stellt er fest, dass der Haidplatz ohne Autos ein wunderbarer Ort ist. Er interessiert sich fürs Gastarbeitertheater in der Wahlenstraße, isst am Rathausplatz die ersten Cevapcici seines Lebens und fragt sich währenddessen, wie es wohl sein muss, in den überwiegend noch nicht sanierten Wohnungen hausen zu müssen.
Teresa Zeller braucht für ihren Rundgang naturgemäß weniger Fantasie, sie kann sich ja an 2023 orientieren. Auch sie stellt anhand der kulinarischen Vielfalt den internationalen Charakter fest, kostet vegane Wurst, trinkt Kaffee aus dem wiederverwendbaren Becher und findet zahlreiche gesellschaftliche Themen in einem Wort gebündelt, das 1973 noch nicht gebräuchlich war: Nachhaltigkeit. Die gleichnamige Meile wird auch heuer wieder ein Bestandteil des Bürgerfests sein, inklusive Bezügen zur Verkehrsberuhigung oder bezahlbarem Wohnen.
Erhältlich ab 12. Juni
Im wahrsten Sinne des Wortes im Vorbeigehen zeigt das Autorenduo damit auf, dass das Bürgerfest ein Ort des soziokulturellen Austauschs war und ist. Auch der Broschürentitel „Brezen, Bier und Bayerwaldbrücke“ passt dazu – über dieses Verkehrsprojekt diskutierte man 1973 beim Essen, Trinken und Feiern, 2025 kann man die Bayerwaldbrücke zum Beispiel durch die Sallerner Regenbrücke ersetzen. Brezen und Bier haben die Jahrzehnte dazwischen als Konstanten überdauert.
Wolfgang Dersch dürfte jedenfalls zufrieden darüber sein, welches Resultat seine kleine Nachfrage an Edtmaier ergeben hat. Der Kulturreferent ist in der neuen Broschüre ebenso mit einem Grußwort vertreten wie Oberbürgermeisterin Gertrud Malt-Schwarzfischer. Erhältlich ist das Werk ab 12. Juni für 15 Euro bei allen Pustet-Filialen, bei Hugendubel und Thalia sowie beim Verfasser selbst unter bernd.edtmaier@gmx.de oder an seinem Bürgerfest-Stand bei der Alten Wache am Neupfarrplatz.