Auch die Landwirte im Kreis Schwandorf stehen vor großen Herausforderungen

Aktuell treibt die deutschen Bauern das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und fünf südamerikanischen Staaten um. Doch es gibt weitere Themen, die auch die Landwirte in der Region beschäftigen. Das wurde bei der Gebietsversammlung der Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Bayern im Gasthaus Sporrer in Neunburg deutlich.
Von den knapp 400 Mitglieder der VVG im Landkreis Schwandorf waren nicht einmal zwei Dutzend zur Versammlung gekommen. Die Mitgliederzahlen der VVG sind in der Oberpfalz auch deutlich niedriger als in Oberbayern.
Die Viehhalter haben es vor allem mit einem sinkenden Fleischverbrauch zu tun. In den vergangenen zehn Jahren ging der Verzehr von Schweinefleisch um mehr als 24 Prozent, der von Rindfleisch um zehn Prozent zurück, wie Franz Mitterberger, VVG-Geschäftsführer und Bereichsleiter Schweinevermarktung, deutlich machte.
Hierzulande liege der Pro-Kopf-Fleischverzehr bei 53 Kilogramm – deutlich weniger als der EU-Schnitt von 66 Kilogramm pro Kopf. Nur Slowenien, die Slowakei und Bulgarien haben laut Mitterberger noch einen geringeren Pro-Kopf-Fleischverzehr.
Mehr junge Schweine, aber weniger Masttiere
Das wirke sich auch auf die Viehhaltung aus. Die Zahl Schweine haltender Betriebe sank, so Mitterberger, in den vergangenen zehn Jahren um 41 Prozent, die Bestände gingen um etwas mehr als 22 Prozent zurück.
Beim Schweinebestand ging es von November 2024 bis November 2025 um 0,2 Prozent nach oben, wobei das Plus auf einer größeren Anzahl an Ferkeln und Jungschweinen beruht.
Aktuell liege der Ferkelpreis bei 53 Euro. Das sei nicht mehr wirtschaftlich, meinte Mitterberger. Der Preis werde sich aber wieder erholen, zeigte sich der VVG-Bereichsleiter überzeugt.
Auch für die Fleischerzeugung hat das Folgen. Beim Schwein sei sie seit 2015 um 8,6 Prozent, beim Rind sogar um 17,7 Prozent zurückgegangen. Einzig beim Geflügel konnte der Anteil an der Fleischerzeugung deutlich von 16,8 (2005) auf 24,1 Prozent (2025) gesteigert werden. Denn auch der Verzehr von Geflügelfleisch hat stark zugenommen.
In Deutschland sinkt die Schweinefleischerzeugung, in Spanien steigt sie
Mitterberger verdeutlichte die Entwicklung an einem bilateralen Beispiel: Während in Deutschland die Schweinefleischerzeugung seit 2010 von gut 5,5 Millionen Tonnen auf etwa 4,3 Millionen Tonnen (2024) gesunken ist, stieg sie in Spanien im gleichen Zeitraum von 3,4 auf 4,9 Millionen Tonnen. Das meiste deutsche Schweinefleisch werde, so der VVG-Bereichsleiter, nach Italien und in die Niederlande exportiert.
2025 wurde uns ein politischer Neuanfang versprochen. Das ist noch nicht so gelungen. Da gibt es noch einiges zu tun.Marinus Spann, Vorstandsvorsitzender der VVG Bayern
Im Vorjahr sei zwar der Preis fürs Hackfleisch angestiegen, doch aktuell würde der Einzelhandel ihn wieder senken – trotz zuvor hoher Kosten. Aufgrund der Verteuerung von Rindfleisch, so erläuterte Sebastian Brandmaier, VVG-Fachmann für den Rindfleischmarkt, sei die private Nachfrage zwischen Januar und September 2025 um fast elf Prozent eingebrochen.
Bauern sollten davon leben können, was sie produzieren
Wichtig sei, fand sein Kollege Mitterberger, dass die Konzentration bei den Lebensmittelhändlern nicht weiter fortschreite. 2024 hätten die vier größten Händler bereits 76,8 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht.
Wie Vorstandsvorsitzender Marinus Spann meinte, sei der politische Neuanfang, der 2025 den Landwirten versprochen worden sei, „noch nicht so gelungen“. Es gebe „noch einiges zu tun“.
Spann ging auch auf ein Thema ein, das die Bauern ebenfalls beschäftigt: die Schlachthofstruktur. Nachdem der Vion-Verkauf an Tönnies vom Kartellamt untersagt wurde, sei wieder alles offen, da es nun mehrere Interessenten für die Schlachthöfe gebe. „Ende Januar oder Anfang Februar werden wir mehr wissen“, war sich Spann sicher.
In Bezug auf das Mercosur-Abkommen meinte er, dass die Landwirte „die Zeche für alle zahlen“ müssten. Man sei an einem Punkt, wo jedem klar sei, „wie wichtig Essen für die Landessicherheit ist“, so Spann. Es müsse in der Mitte einen Weg geben, der für alle gangbar sei.
Schwandorfs Vize-Landrat Richard Tischler (FW), der als Ehrengast an der VVG-Versammlung teilnahm, ermunterte die Landwirte, trotz der großen Herausforderungen, vor denen sie stünden, nicht aufzugeben. „Bleiben Sie bei Ihrem Beruf“, sagte Tischler. Die Landwirte seien aus seiner Sicht systemrelevant. Sie würden sicherstellen, dass es genügend zu essen gebe. Von dem, was sie produzierten, sollten sie aber auch selbst leben können.
Zahlen und Fakten zum Schweine- und Rinderfleischmarkt
• Mitglieder der VVG Bayern (Stand Ende 2025): Landkreis Schwandorf 395 Mitglieder, Amberg-Sulzbach 253 und Stadt Amberg zehn. Im Vergleich dazu sind es im Nachbarlandkreis Cham 301 Mitglieder. In der gesamten Oberpfalz waren es 1822 Mitglieder (Oberbayern: 9068, Schwaben: 2909).
• Schweinebestand: Im November 2025 gab es in Bayern 3170 Schweinehalter (November 2024: 3260). Die Anzahl der Schweine stieg um 0,2 Prozent auf rund 2,434 Millionen Tiere. Davon waren 686.900 Ferkel, 463.600 Jungschweine unter 50 Kilogramm sowie 1,125 Millionen Mastschweine.
• Rinderbestand: Im November 2025 gab es in Bayern 37.400 Rinderhaltungen und insgesamt 2,713 Millionen Rinder. Genau ein Jahr zuvor waren es noch 38.100 Haltungen und 2,733 Millionen Rindern. In der EU steht Frankreich an der Spitze mit 16,4 Millionen Rindern.
• EU-Rindfleischmarkt: Der Pro-Kopf-Verzehr von Rindfleisch ging in der EU von 10,3 Kilogramm (2020) auf 9,5 Kilogramm (2026) zurück. Die Top-Exporteure 2024 waren Irland (307.700 Tonnen), Polen (123.400 Tonnen) und Spanien (102.900 Tonnen). Die meisten Exporte gingen auf die britische Insel (298.000 Tonnen).
• Deutscher Rindfleischmarkt: In Deutschland sank der Pro-Kopf-Verzehr von Rindfleisch von 10,7 Kilogramm (2020) auf 9,2 Kilogramm (2026). Deutsches Rindfleisch wurde vor allem in die Niederlanden (94.100 Tonnen), Italien (48.200 Tonnen) und Frankreich (36.000 Tonnen). Importiert nach Deutschland wurde Rindfleisch vor allem aus den Niederlanden (105.000 Tonnen) und Polen (62.000 Tonnen).
• Pro-Kopf-Fleischverzehr: In Deutschland liegt er bei 53 Kilogramm im Jahr. Der EU-Durchschnitt beträgt 66 Kilogramm pro Kopf. Nur in Bulgarien (41 kg/Kopf), Slowenien (50 kg/Kopf) und Slowakei (51 kg/Kopf) ist er noch niedriger als in Deutschland. Die Niederlanden und Estland haben ebenfalls einen Pro-Kopf-Verzehr von 53 Kilogramm im Jahr. Weltweite Spitzenreiter im Fleischverzehr sind Tonga (148 kg/Kopf) und die Mongolei (132 kg/Kopf). Beim Rindfleisch liegt Argentinien mit 46 Kilogramm pro Kopf vorn, beim Schweinefleisch Kroatien mit 57,4 Kilogramm pro Kopf, beim Hühnerfleisch ist es die Karibikinsel St. Vincent und die Grenadinen mit 94,1 Kilogramm pro Kopf und beim Ziegen- bzw. Lammfleisch ist es die Mongolei mit 68,5 Kilogramm pro Kopf.