65 von 200: Index zeigt prekäre Lage der Bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft

Von Antonia Herzinger · 29. Januar 2026 um 05:00

Der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern geht es schlecht, und das schon seit einigen Jahren. Um die Situation der Branche messbar zu machen, wird seit zwei Jahren der Kreativindex errechnet. Mit 65 von 200 Punkten für 2025 liegt er nur knapp über dem Wert des Vorjahres. Branchenmitglieder hoffen auf eine Wirtschaftswende aus Berlin.

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Alle Aufmerksamkeit gilt aktuell großen Branchen wie der Automobilindustrie. Die Kultur- und Kreativwirtschaft (KuK) wiederum hat nicht jeder sofort auf dem Schirm, wenn es um den Wirtschaftsstandort Bayern geht.

Und doch spielt sie mit 3,5 Prozent der Beschäftigten und rund 45 Milliarden Umsatz eine wichtige Rolle. Deshalb geht auch an ihr die insgesamt schwierige Lage der deutsche Wirtschaft nicht spurlos vorüber.

Index legt nur um vier Punkte zu

Das dritte Jahr infolge hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) jetzt den sogenannten Kreativindex errechnet, der der Mediengruppe Bayern exklusiv vorliegt. Der Index soll die Entwicklung dieser sehr vielfältigen Branche messbar machen, zu der neben Film, Presse und Kunst genauso Architektur und Videospiele sowie sechs weitere Teilbereiche gehören. Dazu werden Daten zu Beschäftigung, Expertenmeinungen und die mediale Wahrnehmung der KuK zusammengetragen.

65 von theoretisch 200 möglichen Punkten erhält die Branche für 2025 und damit nur dezente vier Punkte mehr als noch vor einem Jahr. 200 Punkte sind zwar eine Idealvorstellung, die in der Realität kaum erreicht werden kann. Der Index wäre aber laut Schätzung der Präsidentin des Bayerischen Landesverbandes der Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK), Carola Kupfer, vor der Corona-Pandemie deutlich höher gelegen, wenn er schon existiert hätte.

Die Branche bleibt in ihrer Entwicklung hinter der bayerischen Gesamtwirtschaft zurück.Bertram Brossardt, vbw-Hauptgeschäftsführer

Die leichte Steigerung von 61 auf 65 ist kein eindeutiges Anzeichen von Besserung. „Die Lage ist trotzdem weiter angespannt. Die Branche bleibt in ihrer Entwicklung hinter der bayerischen Gesamtwirtschaft zurück und steht weiterhin vor der Herausforderung, sich zu stabilisieren“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Trotzdem beschreibt Kupfer die Stimmung der Branche in Teilen positiv. Beispielsweise werde wieder mehr neu gegründet. „Wir haben zwar keine genauen Zahlen für die Studie, aber ich sehe im Verband, dass sich überall in Bayern wieder was bewegt, dass wieder Menschen auf uns zukommen, die gründen wollen.

Neue Bundesregierung hat Hoffnungen in der Branche geweckt

Aber woher kommt dieser Gründergeist trotz der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Lage, dem schlechten Indexwert? „Das hat definitiv mit dem Regierungswechsel zu tun“, sagt Kupfer. Unabhängig vom Wahlverhalten der Branchenmitglieder, das die BLVKK-Präsidentin als breit gefächert einschätzt, habe die schwarz-rote Koalition Hoffnung bei den Kreativen und Kulturschaffenden geweckt. „Das hat für eine positive Grundstimmung gesorgt.“

Von einer positiven Grundstimmung in Sachen Wirtschaftslage sprechen dieser Tage die Wenigsten. In Ostbayern werden reihenweise Stellen abgebaut oder Standorte geschlossen. „Das merken wir auch, es betrifft uns alle“, sagt Kupfer. Man denke an Werbeabteilungen oder Werbeagenturen, die Schließungen und Kürzungen zum Opfer fallen. „Deswegen ist es so wichtig, dass Kommunen investieren können und dass Standorte weiterentwickelt werden.“

Kreative und Kulturschaffende bewerten Sondervermögen positiv

Dieses Thema wurde bei der Erhebung des Kreativindex auch in einer der beiden sogenannten Sonderfragen abgefangen. Neben den Standardfragen in den drei Kategorien Beschäftigung, Expertenmeinung und Medienecho, werden jedes Jahr auch aktuelle Themen abgefragt. Diesmal ging es um Bildung und um das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.

In letzteres haben die Branchenmitglieder zumindest etwas Hoffnung. Der Großteil schätzt es positiv ein und erwartet zumindest indirekte mittelfristige Auswirkungen auf die KuK. Die wichtigsten Impulse sehen die befragten Experten im Ausbau grundlegender Standortfaktoren. Spezifisch kulturbezogene Maßnahmen werden nicht erwartet. Auch eine kurzfristige Verbesserung der konjunkturellen Lage versprechen sie sich nicht.

Kulturelle Bildung als wichtiger Teil der Branche

Die Kultur- und Kreativbranche versteht sich nicht nur als Wirtschaftszweig, sondern auch als Branche mit Bildungsauftrag. Als solche spielt sie laut Indexbericht auch eine wichtige Rolle in den derzeitigen „tiefgreifenden Transformationsprozessen“. Gemeint sind Herausforderungen wie die Digitalisierung und der demografische Wandel.

Ich glaube, kulturelle Bildung ist für unsere Demokratie unglaublich wichtig.Carola Kupfer, BLVKK-Präsidentin und Autorin

„Ich glaube, kulturelle Bildung ist für unsere Demokratie unglaublich wichtig. Da geht es jetzt nicht direkt um messbare Wirtschaftsdaten“, sagt Kupfer. „Wobei letztendlich eine funktionierende Demokratie auch der Nährboden für eine gute Wirtschaft ist – und umgekehrt.“ Es sei der ureigenste Daseinszweck von Sparten wie Theater, Literatur, Musik, bildende Kunst auch gesellschaftspolitisch zu wirken.