Oberpfälzer Experte zu Trends an den Finanzmärkten: „Jede Situation bietet Chancen“

Steigende Kurse, Künstliche Intelligenz und wachsende Staatsverschuldung prägen die Märkte. Der Oberpfälzer Finanzexperte Matthias Herold erklärt im Interview mit der Mediengruppe Bayern, wie es 2026 weitergehen könnte, warum Anlegerinnen und Anleger trotz Risiken investiert bleiben sollten und welche Möglichkeiten wann sinnvoll sind.
Herr Herold, 2025 war kein schlechtes Börsenjahr. Wie wird 2026?
Matthias Herold: Es gibt die Börsenweisheit „The trend is your friend“. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass die Trends, die im vergangenen Jahr sehr gut gelaufen sind, auch die kommenden Monate prägen werden. Bei den Zinsen erwarte ich eher eine Pause – die EZB hat ihren Impuls gesetzt, die Inflation ist wieder da, wo sie hin soll.
Was bedeutet das für Sparerinnen und Sparer?
Herold: Für kurzfristige Anleger, also für diejenigen, die das Geld in ein, zwei oder drei Jahren sicher brauchen, kann man mit den aktuellen Zinsen mit Tages- und Festgeld weiterhin in etwa die Inflation ausgleichen. Wer mehr Zeit und keine konkreten Pläne hat, für den sind andere Anlageklassen attraktiver. Wir erleben weltweit einen enormen Anstieg der Staatsverschuldung. Das bedeutet, dass sehr viel Geld im Umlauf ist und es deshalb an Wert verliert.
Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Es ist eine Beimischung, kein Allheilmittel.Matthias Herold, Finanzexperte aus Parkstein
Stark im Wert gestiegen, ist im vergangenen Jahr Gold. Der Preis erreichte Rekordhöhen. Wie wäre es damit?
Herold: Gold ist ein Krisenmetall und ein Werterhalt über Generationen hinweg. Einen Teil des Vermögens in Gold zu halten, bis etwa zehn Prozent, ist sinnvoll. Aber man darf nicht vergessen: Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Es ist eine Beimischung, kein Allheilmittel.
Also doch lieber Unternehmensanteile: Künstliche Intelligenz treibt viele Märkte. Sehen Sie Risiken?
Herold: Natürlich wird einem da manchmal schwindelig. Die Geschwindigkeit ist enorm und die Summen, die investiert werden, sind gigantisch. Die Frage ist schon, ob sich diese Investitionen langfristig in Umsätzen und Gewinnen widerspiegeln. Auf der anderen Seite ist klar: Künstliche Intelligenz wird bleiben. Sie wird in vielen Bereichen des Lebens eine Rolle spielen. Nicht investiert zu sein, ist keine Alternative. Wichtig ist aber, nicht nur dort investiert zu sein.
Sehr gut gelaufen sind europäische Bankaktien und Infrastrukturtitel.Matthias Herold, Finanzexperte aus Parkstein
Abseits dieser Tech-Werte: Welche Branchen haben im vergangenen Jahr überzeugt?
Herold: Sehr gut gelaufen sind europäische Bankaktien und Infrastrukturtitel. Banken sind trotz der Kursanstiege weiterhin vergleichsweise günstig bewertet. Infrastruktur profitiert davon, dass viele dieser Unternehmen regional tätig sind. Zement wird nicht exportiert, das ist ein regionales Gut. Mit den großen Infrastrukturprogrammen sind die Aussichten hier gut.
Immer mehr Menschen investierten statt in Einzelaktien in sogenannte ETFs. Ganz vorne dabei ist hier der MSCI World. Sinnvoll?
Herold: Wenige US-Technologiewerte machen darin einen sehr großen Teil aus. Solange diese Aktien steigen, ist alles gut. Wenn sie fallen, wird es problematisch. Eine breite Streuung sieht anders aus. Deswegen halte ich es für wichtig, nicht nur auf einen Index oder eine Region zu setzen. Gerade im vergangenen Jahr haben europäische Aktien auf Euro-Basis deutlich besser abgeschnitten als US-Aktien.
Gibt es eine Faustregel für Diversifikation?
Herold: Nein, das ist individuell. Alter, Risikobereitschaft und Lebenssituation sind entscheidend. Wichtig ist, nicht nur auf Hype-Themen zu setzen.
Crashs sieht man meistens nicht kommen.Matthias Herold, Finanzexperte aus Parkstein
In letzter Zeit scheinen sich sogenannte Crash-Propheten wieder häufiger zu Wort zu melden, die den nächsten Mega-Einbruch bevorstehen sehen. Teilen Sie diese Sorge?
Herold: Crashs sieht man meistens nicht kommen. Es gibt viele Faktoren, die zu Verunsicherung führen können – geopolitisch, wirtschaftlich oder finanziell. Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Staatsverschuldung. Wenn das Vertrauen in die Bonität von Staaten kippt, dann leidet auch das Vertrauen in Geldwerte. Das könnte einen neuen Inflationsschub auslösen. Trotzdem sage ich: Das größte Risiko ist aktuell, Chancen nicht zu nutzen. Angst war noch nie ein guter Ratgeber.
Das klingt danach, als würde Ihnen als Finanzberater aktuell nicht langweilig, oder?
Herold: Es ist eine sehr spannende Phase. Künstliche Intelligenz, Krypto, neue Technologien – vieles verändert sich schnell. Gleichzeitig hat sich eines nicht geändert: Langfristig liefern große Standardaktien rund acht bis neun Prozent Rendite pro Jahr.
Man muss investiert sein. Nicht versuchen, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen.Matthias Herold, Finanzexperte aus Parkstein
Krisen machen aber doch auch hier nicht halt...
Herold: Die gab es schon immer. Ölkrisen, Finanzkrise, Dotcom-Blase, Kriege. Und trotzdem gibt es den US-Aktienindex Dow Jones seit 1896, es gibt Unternehmen wie Siemens oder Daimler bis heute – in veränderter Form. Unternehmen passen sich an oder verschwinden. Das gehört dazu.
Welches Fazit lässt sich daraus für Anlegerinnen und Anleger ableiten?
Herold: Man muss investiert sein. Nicht versuchen, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen. Historisch wäre man immer am besten gefahren, wenn man einfach investiert geblieben wäre. Gerade für die eigenen Kinder und Enkelkinder lohnt es sich deshalb, früh über einen breit gestreuten Aktien-Sparplan nachzudenken. Über Jahrzehnte kann das sehr viel bewirken. Jede Situation bietet Chancen. Man muss sie nur nutzen.