Deutsche sind im Schnitt 19,5 Tage krank – Wie es in der Oberpfalz um Krankmeldungen steht

Von Antonia Herzinger · 25. Januar 2026 um 12:00

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet, Beschäftigte in Deutschland melden sich zu oft krank. Tatsächlich sind die Fehlzeiten seit einigen Jahren hoch. Laut einer Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit waren Arbeitnehmende 2025 im Schnitt 19,5 Tage krankgemeldet.

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Die einen fordern deshalb einen Karenztag – das heißt, der erste Tag einer Krankmeldung würde vom Lohn abgezogen –, andere wollen die telefonisch Krankmeldung wieder abschaffen. Aus Arbeitnehmersicht sind beide Maßnahmen wenig erstrebenswert. Gewerkschaften fordern deshalb vor allem besseres betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Arbeitgeber gehen unterschiedlich mit dem Thema um.

Lesen Sie dazu das Pro und Contra von Chefreporter Christian Eckl und Antonia Herzinger

Thomas Wagenpfeil leitet das Arbeitsmedizinische Zentrum des TÜV Rheinland in Regensburg. Als Dienstleister unterstützt das Zentrum Betriebe bei der Umsetzung ihres BGM. Laut Wagenpfeil gibt es in der Region sowohl Unternehmen, die nur das Minimum – also gesetzlich verpflichtende Sicherheitsmaßnahmen – erledigen, als auch Betriebe, die Wert auf BGM legen. „Manche machen das direkt zu ihrer Kernphilosophie, auch um attraktiv für Fachkräfte zu sein.“

Betriebspsychologie gewinnt an Bedeutung

Ein Bereich, der laut dem Experten immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (ABO-Psychologie). „Wir haben überproportional viele Psychologen im Team. Das hat natürlich damit zu tun, dass die psychischen Belastungen und auch die Fehlzeiten wegen psychischen Belastungen immer weiter zunehmen.“

Grundlage für Arbeit am BGM eines Betriebs sind für das Arbeitsmedizinische Zentrum meist Mitarbeiterbefragungen, die erörtern sollen, woran es hakt oder in welchen Punkten ein Unternehmen noch besser werden kann. Aus den Ergebnissen werden dann Maßnahmen abgeleitet, gemeinsam mit dem Management geplant und dann zum Beispiel in Teamworkshops umgesetzt.

Regensburger Gewerkschafter kritisiert Karenztag scharf

Der DGB-Regensburg-Vorsitzende, Rico Irmischer, sagt: „In der Region Regensburg sehen wir sehr unterschiedliche Niveaus betrieblichen Gesundheitsmanagements“, sagt er. Dort wo Betriebs- und Personalräte mitbestimmen, sehe es deutlich besser aus als in anderen Unternehmen. Von den Arbeitnehmern bekomme er zunehmend Rückmeldungen zu hoher Arbeitsverdichtung, steigendem Zeitdruck und wachsender psychischer Belastung.

Zu der Idee, einen Karenztag einzuführen, hat Irmischer eine klare Meinung: „Ein Karenztag ist nichts anderes als eine Strafe für kranke Beschäftigte. Er kürzt den Lohn, ohne ein einziges Problem zu lösen.“ Wer einen Karenztag fordere, lenke vom eigenen Versagen in der Arbeits- und Gesundheitspolitik ab.

Wer plump die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung fordert, verliert sich in populistischen Plattitüden, statt sich konstruktiv in die Debatte einzubringen.Rico Irmischer, DGB-Regensburg-Vorsitzender

„Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, keine neuen Belastungen für Menschen, die ohnehin am Limit arbeiten.“ Auch die Idee, die telefonische Krankmeldung abzuschaffen, hält er für nicht zielführend. „Wer plump die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung fordert, verliert sich in populistischen Plattitüden, statt sich konstruktiv in die Debatte einzubringen.“

Aus Gewerkschaftssicht gehe es vor allem darum mit „betrieblichen Maßnahmen“ die Krankheitsfälle zu reduzieren. Darunter versteht Irmischer ausreichend Personal, konsequente Gefährdungsbeurteilung, Präventionsprogramme und betriebliches Gesundheitsmanagement, wertschätzende Führungskultur sowie die Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalräte.

Kreishandwerksmeister berichtet von weiter steigenden Fehlzeiten

Kreishandwerksmeister Andreas Träg ist Arbeitgeber und sieht sowohl bei der Einführung eines Karenztages als auch bei der Abschaffung der telefonischen Krankmeldung Vor- und Nachteile. Klar fordern will er deshalb keine der beiden Maßnahmen. Wie schon zuvor hat er auch in diesem Jahr wieder einen Anstieg der Krankheitstage unter den Mitarbeitern in seiner Schreinerei festgestellt. Von Kollegen bekomme er ähnliche Rückmeldung.

Ideen: Belohnungssystem und flexible Wochenarbeitszeiten

Was die richtige Lösung des Problems ist, weiß er selbst noch nicht. „Ich denke eher in Richtung Belohnungssysteme für Mitarbeiter mit wenigen Fehltagen“, sagt Träg. Wobei er auch das kritisch sieht, weil er niemanden, der wirklich krank ist, benachteiligen will.

Die Regionalgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Andrea Kramer, hält die Einführung der flexiblen Wochenarbeitszeit für eine geeignete Lösung, um „Mitarbeiter psychisch zu entlasten und die Möglichkeit zu schaffen, die persönliche Lebenssituation besser mit der Berufstätigkeit zu vereinbaren“.

Dehoga-Regionalgeschäftsführerin sieht berechtigte Gründe für Karenztag

Zur Idee, einen Karenztag einzuführen, sagt sie: „Aus unserer Sicht gibt es berechtigte Gründe, die dafür sprechen.“ Die Möglichkeit der telefonischen Krankmeldung sieht Kramer kritisch. „Da durch diese Regelung die Krankheitstage offensichtlich gestiegen sind, begrüßen wir es, dass diese Regelung überprüft und die Abschaffung gegebenenfalls auch ernsthaft in Betracht gezogen wird.“