Pro und Contra: Sind die Deutschen zu oft krank gemeldet und was muss dagegen getan werden?

Von Antonia Herzinger, Christian Eckl · 25. Januar 2026 um 11:59

Deutsche Arbeitnehmer waren 2025 im Schnitt 19,5 Tage krankgemeldet. Die einen fordern einen Karenztag – also Lohnausfall am ersten Krankheitstag – , Union und Arbeitgeber wollen die telefonische Krankmeldung abschaffen. In der Redaktion der MZ sorgt das für Diskussionen zum Thema Fehlzeiten und Gesundheitsmanagement in der Oberpfalz.

Pro: Krankheitstage sollen von den Kassen und nicht von Arbeitgebern bezahlt werden

Der Kanzler hat Recht: 19,5 Arbeitstage, das sind rechnerisch fast vier Wochen zusätzlicher Absenz zu den ohnehin meist sechs Wochen Urlaubsanspruch. Das kann nicht zusammen gehen damit, dass Deutschland einen der ausgeprägtesten Wohlfahrtsstaaten der Welt betreibt.

Es kann auch nicht sein, dass ständig nur der Arbeitgeber das Risiko bezahlen soll. Der Deal ist einfach: Wer seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt, bekommt dafür Geld, um seine Rechnungen zu bezahlen.

Klar ist aber: Wer krank ist, kann nicht arbeiten. Ein Karenztag mit Lohnausfall würde wohl die Fleißigen dazu bringen, trotz Fiebers anzutreten und andere anzustecken. Gerechter wäre, wenn Krankheitstage von Anfang an von der Allgemeinheit über die Kassen bezahlt werden müssten. Dann hätte auch der Staat eine Motivation, genau hinzuschauen. (Christian Eckl)

Contra: Debatte um telefonische Krankmeldung ist eine Scheindiskussion

Die telefonische Krankmeldung ist nicht das Problem. Verfolgt man die Diskussion um ihre Abschaffung, könnte man meinen, ein beachtlicher Teil der Arbeitnehmenden in Deutschland wacht regelmäßig auf, hat keine Lust zu arbeiten, ruft schnell beim Arzt an, täuscht ein Hüsteln vor, lässt sich krankschreiben und macht dann nochmal die Äuglein zu.

Dabei hat eine Erhebung des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung ergeben, dass nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen telefonisch erfolgen. 0,8 bis 1,2 Prozent. Und deshalb diskutiert die Republik darüber?

Das ist eine Scheindiskussion, die Arbeitnehmer unter Generalverdacht stellt, die Wirtschaft kein Stück weiterbringt und mit Ursachenbekämpfung nichts zu tun hat. Wer gesund ist und weiß, dass sich sein Einsatz lohnt, kommt in aller Regel zur Arbeit. Das zu ermöglichen, muss das Ziel sein. (Antonia Herzinger)