Wie junge Gründer Fußballweltmeister Manuel Neuer von ihrer App-Idee überzeugt haben

Von Franziska Mahler · 20. Januar 2026 um 13:38

Australien hat es vorgemacht: Für unter 16-Jährige gilt ein Social-Media-Verbot. Auch in Deutschland wird derzeit darüber debattiert. Zwei Brüder halten davon aber wenig. Kinder müssen auf die digitale Welt vorbereitet werden, finden sie. Dafür haben die beiden ihre eigene Jugendschutz-App entwickelt und sogar Fußballweltmeister Manuel Neuer überzeugt.

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Moritz Hutzler (22) und sein größerer Bruder Jannis (24) sind bei München aufgewachsen. Sie können sich noch gut an eine Zeit ohne Smartphone erinnern. In der Schule bekamen sie dann ihr erstes – und haben als Teil der Generation Z schnell gelernt, wie Social Media funktioniert. „Wir sind die Generation, die beides kennt. Deshalb haben wir eine gute Perspektive darauf“, sagt Moritz. Die Brüder halten es für „extrem wichtig“, dass sich junge Menschen wie sie dem Thema Jugendschutz im Netz widmen.

Das bewegt auch Fußballprofi Manuel Neuer. Der FC Bayern Torwart setzt sich selbst mit seiner Stiftung für junge Menschen ein und ist vergangenes Jahr Vater geworden. Der Kontakt zu ihm kam über den Bankberater der Hutzlers zustande. „Er fand unsere Mission, unsere Vision cool, fand den Prototypen gut und hat sich dann daran beteiligt“, sagt Moritz. Der 39-Jährige ist nun Investor und Botschafter. Aber Jugendschutz-Apps gibt es viele. Was hat Manuel Neuer überzeugt?

Soziale Medien können für Kinder und Jugendliche gefährlich sein

Das Grundproblem ist folgendes: „Kinder werden mit Sozialen Medien extrem überstimuliert“, sagt Moritz. Und das kann gefährlich werden. Studien zeigen, dass Social Media süchtig machen kann und der Konsum mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, Angstzuständen sowie Schlaf- oder Essstörungen einhergeht. Deshalb fordern einige Experten und Politiker auch hierzulande ein Social-Media-Verbot nach australischem Vorbild. Zuletzt zeigte sich auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) offen für eine Altersbeschränkung. Doch Moritz und Jannis halten davon nichts. „Man muss lernen, mit dem Handy richtig umzugehen. Dafür wollen wir einen schützenden Rahmen bieten.“

Genau daran arbeiten die Brüder seit 2020. Zeitweise haben die zwei in Regensburg während ihres Studiums zusammengewohnt – Moritz lebt nach wie vor hier und macht seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der OTH. Nebenbei haben sie an ihrer App Kidgonet getüftelt.

Ein Alleinstellungsmerkmal, das auch Neuer besonders überzeugt hat: der sensible Umgang mit dem Thema Privatsphäre. Denn die Konkurrenz im Bereich Kinderschutz-Apps ist laut Moritz groß, aber viele davon dienten eher der Kontrolle als dem Schutz, kritisiert der 22-Jährige. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Einordnung von „Act on!“ – ein medienpädagogisches Forschungs- und Praxisprojekt, das die Online-Aktivitäten von Heranwachsenden in den Fokus rückt. Beim genaueren Betrachten mehrerer Jugendschutzapps kamen die Beteiligten zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit in einem „Kontrollnarrativ“ verharre. Als am vielversprechendsten stellt das Projekt Kidgonet heraus.

Die Privatsphäre der Kinder ist den Gründern wichtig

Moritz betont: „Wir speichern nur das Notwendigste und leiten nur das Allernotwendigste an die Eltern weiter, nicht an Dritte.“ Neben dem Privatsphäre-Aspekt wollen die Gründer außerdem technischen Schutz mit Medienpädagogik verbinden. Bevor Eltern überhaupt die App auf ihrem und dem Smartphone ihres Kindes installieren, sollen sie gemeinsam einen Medienführerschein absolvieren.

Im Elternportal können die Erziehungsberechtigten dann die Bildschirmzeit einstellen, den Standort freigeben und entscheiden, welche Apps wann freigeschaltet sein sollen. Zum Beispiel könne man während der Schulzeit nur Lern-Apps zugänglich machen und Zuhause dann für ein paar Stunden auch Social-Media-Apps, erklärt Moritz. Ein Internetfilter, der Websites nach bestimmten Altersgruppen sperrt, ist immer eingestellt.

KI-System gegen Cybergrooming wird entwickelt

Noch ist Kidgonet nur als Android-Version verfügbar, die Kosten für ein Abo liegen bei 4,99 Euro pro Monat – 2,99 Euro als Jahresabo. Für iOS wird die App wohl ab März oder im zweiten Jahresquartal verfügbar sein. Außerdem entwickeln die Gründer aktuell ein KI-System zur Erkennung von Cybergrooming. Der Begriff beschreibt den gezielten Kontaktaufbau mit Kindern im Netz. Das Ziel dabei: sexueller Missbrauch. Das KI-Modell soll laut Moritz „Alarm schlagen, wenn gefährliche Chat-Nachrichten ausgetauscht werden“. Wiederum wichtig dabei: die Privatsphäre des Kindes zu berücksichtigen. Alle Daten bleiben auf dem Handy.

Die Entwicklung von Kidgonet läuft aktuell noch parallel zum Unistress – Jannis macht derzeit seinen Master an der TUM in München. Für die Brüder ist jedoch klar, dass sie sich nach ihren Abschlüssen voll auf ihr Start-up konzentrieren und „schwarze Zahlen“ schreiben wollen. „Wenn man da so viel Arbeit reinsteckt, will man es auch weiter voranbringen.“

Australien: Social-Media-Aus für Kinder zeigt Wirkung

• Konten: Kinder unter 16 Jahren dürfen in Australien keine eigenen Social-Media-Konten mehr haben. Nach Angaben der Regierung wurden seit Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes am 10. Dezember bereits mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt.

• Zugang: Nach vorläufigen Auswertungen der Online-Sicherheitsbehörde eSafety unternehmen betroffene Plattformen demnach „ernsthafte Anstrengungen“, um Minderjährigen den Zugang zu verwehren. Veränderungen passierten nicht über Nacht, erklärte Premierminister Anthony Albanese. „Doch diese ersten Ergebnisse zeigen, wie wichtig es war, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Wir wollen, dass unsere Kinder eine Kindheit haben – und dass Eltern wissen, dass wir hinter ihnen stehen.“ Betroffen sind unter anderem Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch. Ausgenommen sind Messenger- und Spiele-Dienste wie Roblox, WhatsApp und Facebook Messenger.

• Schulferien: „Junge Menschen haben diese Schulferien nicht an ihren Geräten verbracht, sondern sind Fahrrad gefahren, haben Bücher gelesen und Zeit mit Freunden und Familie verbracht“, sagte Albanese. dpa