Schwandorfs neuer Polizeichef verspricht Präsenz: „Bahnhof bleibt in unserem Fokus“

Von Martin Kellermeier · 28. Januar 2026 um 05:00

Schön langsam aber sicher ist Stefan Amann (47) in seiner neuen Rolle als Schwandorfer Polizeichef angekommen. Seit 1. Januar leitet er die örtliche Inspektion. Im MZ-Interview gibt der Polizeihauptkommissar Einblicke: Wo liegen die Schwerpunkte der Schwandorfer Polizei? Wo sind Brennpunkte in der Stadt? Er sagt aber auch, wie sicher er sich mit seinen Kindern am örtlichen Bahnhof fühlt.

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Herr Amann, nun sind Sie schon fast einen Monat im Amt und konnten erste Eindrücke sammeln. Geben Sie uns doch bitte einen Einblick in die Arbeit Ihrer Dienststelle: Wo sind Ihre Kollegen derzeit in Schwandorf und Umgebung besonders gefordert? Wo sehen Sie Gefahren?

Stefan Amann: Der Wachbetrieb fordert uns aktuell sehr. Vor allem Betrugsfälle werden immer öfter zur Anzeige gebracht. Aus diesem Grund ist es nicht schlecht, dass es in unserer Nachbarschaft nun eine weitere Dienststelle gibt. Sie heißt Digitale Anzeigen- und Servicestelle, kurz DAS. Sie wird gerade aufgebaut, und ich denke, dass sie künftig eine große Entlastung für uns sein wird. Das Ziel ist, dass Betrugsvorgänge, die wir in der Wache aufgenommen haben, dort weiterbearbeitet werden. Ein anderes Phänomen, das im ganzen Land verbreitet ist, sind die sogenannten Callcenter-Betrüge. Typische Beispiele sind Enkeltricks und Anrufe falscher Polizeibeamter. Fast täglich werden uns hier neue Fälle bekannt. Viele Betroffene reagieren richtig und legen gleich auf. Andere übergeben leider hohe Geldsummen an die Betrüger. Jeder Euro ist hier zu viel.

Welche Ecken in der Stadt würden Sie als Brennpunkte bezeichnen?

Amann: Einen wirklichen Brennpunkt gibt es in Schwandorf eigentlich nicht. Eine Örtlichkeit, die freilich immer im Fokus steht, ist der Bahnhof. Im Sommer kommt dann noch die bekannte Parksituation an den Badeseen im Oberpfälzer Seenland dazu.

Viel wird in Schwandorf derzeit über die Innenstadt gesprochen. Wie bewerten Sie die Sicherheitslage im Zentrum?

Amann: Ich würde hier die Schulnote gut vergeben. Ab und zu gibt es immer wieder aufsehenerregende Fälle. Das ist dann immer ein kurzer Peak, und dann ist wieder für längere Zeit Ruhe. Derzeit haben wir eher den Eindruck, dass die Zahl der Vorfälle dort rückläufig ist.

So sicher fühlt sich der Polizeichef am Bahnhof in Schwandorf

Sie haben den Bahnhof bereits angesprochen. Es gibt Reisende, die äußern, dass sie sich dort unwohl, gar unsicher fühlen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie dort mit Ihrer Familie auf einen Zug warten?

Amann: Ich muss tatsächlich gestehen, dass wir sehr wenig mit dem Zug unterwegs sind. Nichtsdestotrotz hätte ich dennoch keine Angst, mit meiner Familie am Schwandorfer Bahnhof auf den Zug zu warten. Ich kann Ihnen versichern: Wir werden auch künftig einen Schwerpunkt bei unseren Kontrolltätigkeiten auf den Bahnhof legen und dort auch mit Zivilkräften im Einsatz sein.

Auch Zivilstreifen sind am Bahnhof unterwegs. - Foto: Martin Kellermeier

Bei Ihrer Amtseinführung haben Sie in Ihrer Rede den Teamgeist beschworen und sich selbst als einen Mann beschrieben, der das Gespräch sucht und gemeinsam Lösungen finden will. Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Dienststelle?

Amann: Es ist tatsächlich so, dass der Teamgeist hier sehr ausgeprägt ist. Jeder hilft gerne dem anderen und springt im Notfall in der Schicht ein. Insbesondere in den Dienstgruppen haben wir viele junge und dynamische Beamte.

Sie haben bestimmt auch Ziele für Ihre Zeit in Schwandorf.

Amann: Das erste Ziel habe ich bei meiner Amtseinführung ja schon verraten: Die grün-silbernen Polizeifahrzeuge sollen endlich ausgemustert werden und durch moderne Autos ersetzt werden. Ansonsten möchte ich dafür sorgen, dass die Schwandorfer Polizei weiter bürgernah und für jedermann ansprechbar agiert.

Stefan Amann wollte nach der Schule ein Uniformträger werden

Lassen Sie uns ein wenig über Ihre Person sprechen. Wie sind Sie eigentlich 1998 zur Polizei gekommen? Gab es „familiäre Vorbelastungen“? Und: War Polizist schon immer Ihr Traumberuf?

Amann: Da hatten Sie jetzt den richtigen Riecher: Mein Onkel war tatsächlich auch bei der Polizei. Für mich stand nach der Schule fest, dass ich Uniformträger werden will. Folglich gab es zwei mögliche Arbeitgeber: die Polizei und die Bundeswehr. Nachdem es bei der Polizei sehr schnell mit der Bewerbung geklappt hat, bin ich den Weg weitergegangen. Rückblickend bin ich sehr glücklich darüber, wie alles gekommen ist.

Was zeichnet in Ihren Augen einen guten Polizisten im Jahr 2026 aus?

Amann: Er ist kommunikativ, um den Bürgerinnen und Bürgern als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. So können die Maßnahmen der Polizei einfach erklärt und ein mögliches Konfliktpotenzial entschärft werden. Ferner sollte er ein dickes Fell haben. Leider sind massive Beleidigungen und tätliche Angriffe auf Polizeibeamte keine Seltenheit mehr. Ein Polizist sollte auch authentisch wirken. Das heißt: Ansichten, die im Dienst vertreten werden, gelten auch im Privatbereich. Ich möchte dazu ein Beispiel liefern: Wer im Dienst Handyverstöße am Steuer ahndet, sollte auch selbst nicht privat sein Mobiltelefon missbräuchlich während der Fahrt benutzen.

Wenn Sie gerade nicht in Uniform sind: Wo kann man den neuen Polizeichef privat in Schwandorf treffen?

Amann: Am Wochenende bin ich tatsächlich regelmäßig privat in Schwandorf, meistens in der Oberpfalzhalle. Dort feuere ich meine Söhne – alle drei sind begeisterte Handballspieler – bei Auswärtsspielen oder Turnieren an. Ab und an kann man mich auch noch nach dem Dienst beim Einkaufen treffen. Dann freilich in Zivil.

Ganz ohne Blaulicht halten Sie es aber offenbar auch in Ihrer Freizeit nicht aus. Bei der Feuerwehr Leonberg sind Sie Aktiver und stellvertretender Vereinsvorsitzender. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr im Landkreis Schwandorf?

Amann: Ich würde sagen, sehr gut, wenn nicht sogar hervorragend. Denken wir nur an den Brand der Asylunterkunft vor ein paar Tagen. Alle Hilfsorganisationen haben hier Hand in Hand zusammengearbeitet.

Zahlen und Fakten zur Polizeiinspektion Schwandorf

• Dienstgebiet: Die Polizeiinspektion Schwandorf ist für die Sicherheit in der Großen Kreisstadt sowie in den Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See zuständig. Auch mehrere Badeseen im Oberpfälzer Seenland hat sie im Blick. Im Zuständigkeitsbereich, der insgesamt eine Fläche von rund 177 Quadratkilometern hat, leben aktuell etwa 36 000 Menschen.

• Mitarbeiter: Die Polizei Schwandorf zählt rund 50 Mitarbeiter, der Großteil sind Beamte. Zum Personal zählen aber auch ein Hausmeister und ein hauseigener Wagenpfleger.

• Straftaten: Rund 1800 Straftaten registriert die PI Schwandorf jährlich. Die Aufklärungsquote ist enorm: 2024 lag sie bei 76 Prozent.