Schwandorfer Polizei stellte Sicherheitsbericht vor: Tatverdächtige werden immer jünger

„Aus polizeilicher Sicht ist Schwandorf eine sichere Stadt“, erklärte Erster Polizeihauptkommissar Reiner Wiedenbauer kürzlich bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts der Großen Kreisstadt für das Jahr 2024 im Rathaus. Die Gesamtstraftaten bleiben auf einem ähnlichen Niveau wie 2023 , laut dem Leiter der Polizeiinspektion Schwandorf stiegen sie leicht um 1,12 Prozent. Dennoch gibt es laut Bericht mehr Fälle von Straßenkriminalität.
Und auch andere bundesweite Trends machen vor der Großen Kreisstadt nicht Halt: Eine negative Entwicklung betrifft die Altersstruktur der Tatverdächtigen: Heute werden mehr Kinder als früher auffällig. Gute Nachrichten gibt es zur Verkehrssicherheit: Die Zahl der Unfälle ist dem Bericht zufolge gesunken.
1611 Straftaten hat die Polizei Schwandorf im Jahr 2024 insgesamt verzeichnet. Mit 18 Fällen mehr als im Vorjahr bedeutet das eine Zunahme von 1,12 Prozent. „In rund drei Viertel der Fälle konnte ein Täter ermittelt werden“, erklärte Wiedenbauer. Die Aufklärungsquote im Stadtgebiet liege somit bei 76,7 Prozent und damit über dem Durchschnitt in der Oberpfalz.
In Schwandorf ist kein Brennpunkt erkennbar
Negativ sticht unter den Straftaten die Straßenkriminalität hervor. 226 Mal schlugen Täter im Jahr 2024 auf Straßen, Wegen oder Plätzen zu, das sind 38 Fälle mehr als 2023. Unter diesem Punkt sind im Bericht, der unserer Zeitung vorliegt, Taten wie zum Beispiel sexuelle Belästigung, exhibitionistische Handlungen, Raub, Handtaschenraub, Diebstahl oder Körperverletzung zusammengefasst. Einen Kriminalitätsschwerpunkt oder gar Brennpunkt will Wiedenbauer dabei aber nicht ausmachen: „Das zieht sich quer durch das ganze Stadtgebiet.“
70 Gewalttaten hat die Polizei Schwandorf im Jahr 2024 erfasst, 2023 waren es 71. Die Zahl der Körperverletzungen liegt laut Sicherheitsbericht bei 202 und damit nicht wesentlich höher als im vergangenem Jahr. Was aber auffällt: Es gab darunter mehr gefährliche und schwere Fälle. Von gefährlicher Körperverletzung spricht die Polizei unter anderem, wenn die Tat von mehreren Tätern verübt wurde oder wenn eine Waffe im Spiel war. 79 Fälle schwerer und gefährlicher Körperverletzung wurden der Polizei im Jahr 2024 bekannt, 2023 waren es noch 53. Damit folgt die Große Kreisstadt einem unerfreulichen bundesweiten Trend. Auch im Hinblick auf mitgeführte Waffen oder gefährliche Gegenstände sei man sensibler geworden, erklärte Wiedenbauer.
Weniger Fahrräder werden gestohlen
Die Zahl der Betäubungsmitteldelikte ging, wie der Polizeichef ausführte, stark zurück und sank auf 106 Fälle (2023: 167). Dieser Umstand sei aber auch auf die Teillegalisierung von Cannabis zurückzuführen, die im April 2024 umgesetzt wurde. 78 Fälle von häuslicher Gewalt verzeichneten die Beamten im Jahr 2024, im Jahr zuvor lag diese Zahl bei 106. Diebe schlugen in Schwandorf 297 Mal zu, in 119 Fällen handelte es sich dabei um schweren Diebstahl. 148 Fälle von Ladendiebstahl nahmen die Beamten der PI auf. Fahrräder werden laut Polizei inzwischen weniger häufig gestohlen als früher. 43 Fälle in 2024 sind der PI bekannt, 2023 waren es 48. Wiedenbauer sieht den Grund dafür darin, dass hochwertige Räder inzwischen besser gesichert sind.
Ein weiterer Trend, der derzeit bundesweit diskutiert wird, zeigt sich auch in Schwandorf: Unter den insgesamt 1007 Tatverdächtigen sind 54 Kinder, 99 Jugendliche und 80 Heranwachsende. Wiedenbauer sprach in diesem Zusammenhang einen aktuellen Fall an. Vergangene Woche gerieten Kinder in Schwandorf in Streit über eine Wasserspritzpistole. Die Situation eskalierte, am Ende holte ein Sechsjähriger ein Küchenmesser und bedrohte damit seine vier Spielkameraden. „Solche Fälle häufen sich“, stellte der Polizeichef fest.
Prävention an Schulen ist wichtig
Aber auch in Bezug auf die Kinder- und Jugendkriminalität lasse sich, so Wiedenbauer, kein Brennpunkt benennen. Die Polizei begegnet der Entwicklung mit Aktionen zur Gewaltprävention in den Schulen. Zuwanderer würden in der Gruppe der Tatverdächtigen eine unauffällige Rolle spielen, so der Leiter der PI.
OB Andreas Feller (CSU) und Stefan Schamberger, Leiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit, Ordnung und Personal, freuten sich über eine „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, die seit vielen Jahren mit der Polizeiinspektion Schwandorf bestehe. Beispielsweise schaue man sich Unfallschwerpunkte gemeinsam an und suche nach Lösungen, erklärte Schamberger. In Puncto Sicherheit würden mehrere Zahnräder – Polizei, Ordnungsamt und Sicherheitswacht – gut ineinandergreifen, so Wiedenbauer abschließend.
Die Lage zur Verkehrssicherheit in der Großen Kreisstadt im Jahr 2024
Verkehrsunfälle gesamt: Einen Blick auf die Sicherheit auf Schwandorfs Straßen warf PHK Deniz Birol. 980 Verkehrsunfälle haben sich 2024 ereignet, so der Sachbearbeiter Verkehr in der PI Schwandorf. Im Jahr 2023 waren es noch 1113.
Verkehrstote: „Leider endeten zwei Unfälle im Stadtgebiet tödlich“, erklärte Birol. Beide Unglücke haben sich auf der SAD22 ereignet. Im Landkreis Schwandorf starben 2024 insgesamt sieben Menschen bei einem Verkehrsunfall.
Alkoholeinfluss: Bei 13 Unfällen im Stadtgebiet war 2024 laut Bericht Alkohol im Spiel, was in etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegt.
Unfallflucht: 190 Menschen haben sich im Jahr 2024 nach einem Unfall aus dem Staub gemacht. Wie Birol erklärte, handelte es dabei meist um den typischen „Parkrempler“, vorwiegend auf Großparkplätzen wie vor dem Globus oder dem Rewe-Markt. Nach den Einschätzungen Birols steigen Achtsamkeit und Mitteilungsbereitschaft von unbeteiligten Zeugen. Mit dem Handy könne heute eine Beobachtung schnell festgehalten und an die PI übermittelt werden.
Fahrrad/Pedelec: 27 Unfälle mit dem Fahrrad oder Pedelec hat die PI 2024 im Stadtgebiet verzeichnet (Fahrrad: 20, Pedelec sieben). Das seien im Gegensatz zum Trend rückläufige Zahlen, so die Beamten. Der Prävention komme dabei große Bedeutung zu. 2024 habe die Polizei daher ein Fahrradtraining organisiert. Diese Aktion soll künftig noch ausgebaut werden. Dabei sollen alle Generationen angesprochen werden.
E-Scooter: Laut Polizei wissen viele Nutzer nicht um die Versicherungspflicht des Gefährts.