SEK sprengte Wohnungstür von Rockerboss Duff Kong weg – Nun ist Verfahren eingestellt

„Duff Kong“ aus Bruck (Landkreis Schwandorf), der als Süddeutschlands bekanntester Rockerboss gilt, kann aufatmen. Nachdem ihm Spezialkräfte im vergangenen Dezember seine Haustür weggesprengt hatten, ist nicht nur der Schaden am Wohnhaus wieder repariert. Auch das Ermittlungsverfahren gegen ihn, das den SEK-Einsatz erst ausgelöst hatte, wurde eingestellt.
Mit schwer bewaffneten Polizisten hatte der Brucker, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen will, schon öfter zu tun. Mehr als zehn Jahre saß der Präsident des inzwischen verbotenen Motorradclubs MC Falkenstein im Gefängnis – wegen Drogenhandels, Körperverletzung und versuchten Mordes. Doch die eigene Haustür wurde dem heute 66-Jährigen, der während seiner Inhaftierung zum Buchautor wurde, in all den Jahren dann auch noch nicht in die Luft gesprengt.
In den frühen Morgenstunden des 11. Dezember 2024 sollte sich das ändern. Mit einem gepanzerten Wagen rückten Spezialkräfte an und sprengten sich den Weg frei, um anschließend das Wohnhaus zu durchsuchen. Im Inneren hatten sie eine scharfe Waffe vermutet. Mit dieser sollte Duff Kong im Mai 2023 zusammen mit weiteren Mitgliedern eines Motorradclubs einen Mann in Reichenbach im Kreis Cham bedroht habe.
Duff Kong ist vorbestraft und szenebekannt
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg hatte damals nach dem Polizeieinsatz auf MZ-Anfrage erklärt, dass man bei der Durchsuchung lieber mit größter Vorsicht vorgegangen sei. Schließlich sei der Beschuldigte szenebekannt, vorbestraft und gelte als gewaltbereit. Und bei Gefahr durch Schusswaffen sei der Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos zur Eigensicherung die Regel, hieß es.
Ich muss keinen Ärger mit der Polizei haben und bin jederzeit zu einem Gespräch bereit, bevor die Fetzen fliegen.
Duff Kong
Doch die scharfe Schusswaffe fanden die Beamten im Dezember nicht. Lediglich eine Schreckschusswaffe, deren Besitz erlaubnisfrei ist, konnte bei der Hausdurchsuchung sichergestellt werden, berichtete Moritz Büchele, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg nun auf Nachfrage der MZ. „Dies reichte für sich allein nicht als Tatnachweis“, erklärte er weiter. Auch weitere Anhaltspunkte für eine Täterschaft des Rockerbosses seien den Beamten nicht begegnet. Das Verfahren gegen Duff Kong, das nach einem anonymen Hinweisschreiben eingeleitet worden war, wurde daher bereits im März 2025 eingestellt, berichtete der Pressesprecher.
Duff Kong hatte nach dem SEK-Einsatz schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. „Ich wurde mit dem nackten Oberkörper durch die Glasscherben nach draußen geschleift und gefesselt“, sagte er im vergangenen Januar.
Nach SEK-Einsatz sprach der Rockerboss von einem Mordanschlag
Durch den SEK-Zugriff seien ihm Schnittwunden am Körper und am Kopf zugefügt worden. In seinem Haus hätte nach dem Zugriff das blanke Chaos geherrscht. „Das war ein Mordanschlag auf Duff Kong und seine Familie“, resümierte der Brucker damals. Er wolle sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er, seine Frau oder der Hund zum Zeitpunkt der Sprengung zufällig hinter der Türe gestanden wären.

Der 66-Jährige wollte eigentlich Strafanzeige gegen die eingesetzten Beamten stellen. Diesen Gedanken hat er aber inzwischen verworfen, wie er nun der MZ berichtet. Dennoch bleibt er dabei, dass der SEK-Einsatz „total überzogen“ war. „Sie wollten offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich bin mir sicher, dass sie schon davor wussten, dass man bei mir nichts finden wird“, glaubt Duff Kong.
Vor drei Wochen haben Handwerker nun eine neue Haustür montiert. Monate nach dem Schrecken können der Rocker und seine Familie also wieder ganz normal ihr Wohnhaus in Bruck betreten. Und auch die anderen Schäden am Gebäude, wie ein zerbrochenes Küchenfenster, sind inzwischen behoben. Insgesamt sei durch den Polizeizugriff ein Schaden von bis zu 30 000 Euro entstanden, schätzt Duff Kong. Bezahlt habe seine Gebäudeversicherung, durch die glücklicherweise auch Explosionsschäden mit abgedeckt seien.
Duff Kong ist weiter in der Rockerszene aktiv
Am Ende seines zweiten Buchbandes „Rauchende Colts!“ hatte der bekannte Rockerboss angekündigt, dass er es nach seiner Zeit im Gefängnis ruhiger angehen lassen will. An dieser Absicht hat sich nichts geändert, bekräftigt der Brucker. Zwar sei er beim mehr als ein Dutzend Mitglieder zählenden Motorradclub Devil Hogs noch als Ehrenpräsident in der Szene aktiv, seine besten Jahre seien dennoch vorbei. „Ich muss keinen Ärger mit der Polizei haben und bin jederzeit zu einem Gespräch bereit, bevor die Fetzen fliegen“, sagt Duff Kong.
Sollte das SEK wieder einmal bei ihm nach dem Rechten sehen wollen, dann hat er nur eine Bitte: „Das nächste Mal sollen sie gefälligst wie jeder andere auch die Klingel benutzen. Mit fast 67 werde ich ihnen keinen Schaden mehr zufügen.“
Im Gefängnis zum Buchautor geworden
• Bücher: Während seiner Zeit im Gefängnis wurde Rockerboss Duff Kong zum Buchautor. Unter dem Titel „Tanz der Rocker“ sind zwei Bände im Habichtsstein Verlag erschienen: „Feuer frei!“ im Jahr 2019 und „Rauchende Colts!“ im Jahr 2022. Die Bücher sind im Handel und auf Onlineplattformen zum Preis von je 15,95 Euro erhältlich.
• Inhalt: Sex, Drugs, wilde Partys und heiße Maschinen – was sich nach dem Inhalt eines waschechten Hollywoodfilms anhört, füllt die Bücher von Duff Kong aus der Marktgemeinde Bruck. In seiner Lebensbeichte lässt er nichts aus. Das Wilde, wird deutlich, war ihm quasi in die Wiege gelegt. Und es wird klar: Nicht umsonst hat Duff Kong 13 Jahre seines Lebens im Gefängnis zugebracht.