SEK sprengte Tür bei Brucker Rockerboss auf: Duff Kong spricht von „Mordanschlag“

Von Philipp Breu, Martin Kellermeier · 26. Januar 2025 um 05:00

Dieser Einsatz sorgte für Schlagzeilen: Mitte Dezember hatte das SEK eine Haustür in Bruck (Landkreis Schwandorf) aufgesprengt, weil die Spezialkräfte im Inneren eine scharfe Waffe vermuteten. Der Betroffene ist kein Geringerer als der berühmt berüchtigte Rockerboss „Duff Kong“. Er erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Polizei und spricht gar von einem Mordversuch.

Das Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte in den frühen Morgenstunden des 11. Dezember 2024 zugeschlagen. Wie berichtet, waren mehrere Beamte mit einem gepanzerten Wagen angerückt und hatten eine Tür aufgesprengt. Der Grund für den Einsatz: Im Inneren hatten die Polizisten eine scharfe Waffe vermutet. Mit dieser soll der Verdächtige im Mai 2023 zusammen mit weiteren Mitgliedern eines Motorradclubs einen Mann in Reichenbach (Landkreis Cham) bedroht haben. Der Beschuldigte soll ein mutmaßliches Mitglied der Rockerszene sein, hieß es damals.

Und das trifft auf den Hauseigentümer wahrlich zu. Er hat sich nun bereiterklärt, mit der Mittelbayerischen über den Vorfall vom 11. Dezember 2024 zu sprechen. Seinen echten Namen will der 66-Jährige nicht in der Zeitung lesen. Beim Termin in Bruck stellt er sich als „Duff Kong“ vor. Unter diesem Namen sei er in der Rockerszene bestens bekannt. Er gilt als „Süddeutschlands bekanntester Rockerboss“, Buchautor und war Präsident des inzwischen verbotenen Motorradclubs MC Falkenstein.

Rockerboss Duff Kong ist einschlägig vorbestraft

Duff Kong war in der Vergangenheit, wie er bestätigt, immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten – und hatte deswegen hin und wieder auch schon Besuch vom SEK. Mehr als zehn Jahre saß er im Gefängnis – wegen Drogenhandels, Körperverletzung und versuchten Mordes. Während seiner Inhaftierung hat er zwei Bücher unter dem Titel „Tanz der Rocker“ geschrieben. Band eins trägt den Namen „Feuer frei“, Band zwei heißt „Rauchende Colts“.

Eigentlich, so hatte er es auch am Ende des zweiten Bands angekündigt, wollte es der berüchtigte Rocker nach seiner Zeit im Gefängnis ruhiger angehen lassen. Doch kürzlich regierte in seinem Wohnhaus wieder das Chaos.

Duff Kong kann sich noch gut an den 11. Dezember vergangenen Jahres erinnern. Gegen 6 Uhr habe der Brucker aus dem Fenster geschaut und dabei mehrere schwer bewaffnete Polizeibeamte mit Sturmhauben gesehen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung schildert. Diese hätten sich seinem Haus genähert. Auch ein gepanzerter Wagen sei vorgefahren. Plötzlich hätte es einen lauten Knall gegeben. Und als er nur in Boxershorts bekleidet zur Haustür ging, seien von dieser nur noch Trümmer übrig gewesen.

Dann blickte er auch schon in die Gesichter von mehreren vermummten Beamten des Spezialeinsatzkommandos, ihre Waffen sollen sie im Anschlag gehalten haben. Nach einem kurzen Wortgefecht sei der Rockerboss dann auf dem Boden gelegen. „Ich wurde mit dem nackten Oberkörper durch die Glasscherben nach draußen geschleift und gefesselt“, sagt er. Zuvor sollen die Polizisten ihn immer wieder mit den Worten „Komm raus, Du Drecksau“ beschimpft haben.

Schnittwunden am Körper und am Kopf

Durch den vehementen Zugriff seien ihm Schnittwunden am Körper und am Kopf zugefügt worden. In seinem Haus hätte nach dem Zugriff das blanke Chaos geherrscht. Durch die Wucht der Sprengung sollen mehrere Splitter in den Wänden gesteckt sein. Ein Fenster sei zu Bruch gegangen, und auch die Möbel im Flur seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Fotos, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen das Ausmaß der Verwüstung. Der Rockerboss resümiert daher: „Das war ein Mordanschlag auf Duff Kong und seine Familie!“

Er wolle sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er, seine Frau oder der Hund zum Zeitpunkt der Sprengung zufällig hinter der Türe gestanden wären. „Meine Frau ist nur wenige Minuten vorher zur Arbeit gefahren.“

Warum das SEK derart rabiat zu Werke ging, bleibt im Detail offen. „Eine Aussage zum Vorgehen der Spezialkräfte kann nicht getroffen werden, da die Einsatztaktiken grundsätzlich der Geheimhaltung unterliegen“, erklärt Polizeisprecherin Corinna Wild auf Anfrage der MZ. Dies geschehe zum Schutz der eingesetzten Kräfte, „da ein Offenlegen der speziellen Einsatztaktik zu einem entscheidenden Nachteil in den Einsatzszenarien führen kann“, so die Polizeihauptkommissarin weiter.

Ähnlich hatte sich bereits kurz nach dem Zugriff Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher geäußert. Der Beschuldigte sei szenebekannt, vorbestraft und gelte als gewaltbereit. Deshalb seien die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung mit größter Vorsicht vorgegangen. „Bei Gefahr durch Schusswaffen ist der Einsatz eines Sondereinsatzkommandos zur Eigensicherung die Regel“, so Rauscher. Eine Waffe fanden die Spezialkräfte trotz aufwendiger Suche aber nicht.

Sind die Anschuldigungen haltlos?

Für Duff Kong ist das Vorgehen des SEK ein Skandal. Und was die Sache für ihn noch schlimmer macht: Der Grund für den Zugriff soll lediglich ein anonymer Hinweis gewesen sein, wie auf dem Durchsuchungsbeschluss steht. Angesprochen auf die Vorwürfe der Behörden gegen seine Person sagt er: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Ferner betont er, dass er keine scharfe Waffe zuhause habe.

Duff Kong hat sich nach dem Polizeieinsatz entschlossen, Strafanzeige zu stellen – wegen versuchten Mordes. In den kommenden Tagen will er dazu auf einer Polizeidienststelle vorstellig werden. „Sofern der Beschuldigte davon ausgeht, dass es beim Einsatz zu strafbarem Verhalten gekommen ist, kann dieser jederzeit Strafanzeige erstatten“, kommentiert dazu Polizeisprecherin Wild. Es würden dann entsprechende Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft eingeleitet werden.

Unterdessen ist noch unklar, wer für den Schaden aufkommt, der bei dem Zugriff entstanden ist. Laut dem Rockerboss summiere sich dieser auf etwa 20 000 Euro. Fenster und Fassade wurden mittlerweile repariert, für die zerstörte Haustüre diene aber noch heute eine Pressspanplatte als Provisorium.

Zwei Bücher erzählen von einer turbulenten Vergangenheit

Autor: Während seiner Zeit im Gefängnis wurde Rockerboss Duff Kong zum Buchautor. Unter dem Titel „Tanz der Rocker“ sind zwei Bände im Habichtsstein Verlag erschienen: „Feuer frei!“ im Jahr 2019 und „Rauchende Colts!“ im Jahr 2022. Die Bücher sind im Handel und auf den gängigen Onlineplattformen zum Preis von je 15,95 Euro erhältlich.

Inhalt: Sex, Drugs, wilde Partys und heiße Maschinen – was sich nach dem Inhalt eines Hollywoodfilms anhört, füllt die Bücher von Duff Kong. In seiner Lebensbeichte lässt er nichts aus. Das Wilde, wird deutlich, war ihm quasi in die Wiege gelegt. Und es wird klar: Nicht umsonst hat Duff Kong 13 Jahre seines Lebens im Gefängnis zugebracht.

Er gilt als „Süddeutschlands bekanntester Rockerboss“, Buchautor und war Präsident des inzwischen verbotenen Motorradclubs MC Falkenstein: Duff Kong. Foto: Duff Kong