Erneuter Einsatz in Bruck: SEK kam mit Panzerwagen und sprengte Tür auf

Von wegen beschauliches Landleben: Nur zwei Wochen nach dem aufsehenerregenden SEK-Einsatz in der Bahnhofstraße waren die Spezialkräfte erneut in Bruck (Landkreis Schwandorf) gefordert. Dieses Mal rückten sie mit einem gepanzerten Wagen an und sprengten eine Tür auf. Im Fokus des Einsatzes stand ein mutmaßliches Mitglied der Rockerszene.
Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Anfrage der Mittelbayerischen bestätigte, erfolgte am frühen Mittwochmorgen, 11. Dezember, der Zugriff in einem Wohnhaus in Bruck. Dieses befindet sich nach Informationen unserer Zeitung im Osten des Marktes.
Die Spezialkräfte sollen mit einem gepanzerten Fahrzeug auf das Grundstück gefahren sein und dort gegen 6 Uhr eine Tür aufgesprengt haben. Im Gebäude trafen sie auf den Tatverdächtigen, einen 66-Jährigen, und eine weitere Person aus dessen Umfeld, wussten Insider.
Tatverdächtiger soll zweimal in die Luft geschossen haben
Der 66-Jährige steht laut Oberstaatsanwalt Rauscher im Verdacht, im Mai 2023 zusammen mit weiteren Mitgliedern eines Motorradclubs einen Mann im Gemeindegebiet von Reichenbach (Landkreis Cham) bedroht zu haben. Dieser soll ebenfalls der Rockerszene angehören. Bei dem Konflikt soll der Beschuldigte auch zweimal mit einer scharfen Waffe in die Luft geschossen haben, teilte der Oberstaatsanwalt mit. Nach eben jener Waffe suchten die Polizisten am Mittwochmorgen.
Weil der Tatverdächtige laut Staatsanwaltschaft szenebekannt und vorbestraft ist sowie als gewaltbereit gilt, gingen die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung mit größter Vorsicht vor. „Bei Gefahr durch Schusswaffen ist der Einsatz eines Sondereinsatzkommandos zur Eigensicherung die Regel“, erklärte Rauscher.
Keine Waffe gefunden, keine Festnahme
Eine Festnahme gab es bei dem Einsatz allerdings nicht. Auch die gesuchte Waffe konnte laut Staatsanwaltschaft nicht aufgefunden werden. Zeitgleich zu dem Einsatz in Bruck durchsuchte die Polizei mit schwer bewaffneten Kräften zwei weitere Anwesen in Haslbach bei Regensburg sowie in Neukirchen-Balbini im Landkreis Schwandorf. Bei den beiden Objekten soll es sich um Clubhäuser handeln, die ebenfalls der Rockerszene zugerechnet werden, so Rauscher.
Auch Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) ist der Einsatz in ihrer Marktgemeinde nicht verborgen geblieben: „Es muss schon ein besonderer Fall gewesen sein. Normalerweise klingelt man und sprengt keine Tür auf.“ Durch den Einsatz habe für kurze Zeit wieder einmal Ausnahmezustand im Ort geherrscht. „Wenn alle 14 Tage das SEK anrückt, kann man sich nicht freuen“, sagte Faltermeier.
Erst am 29. November war das SEK in Bruck gefordert
Tatsächlich war es nicht der erste Einsatz für die Spezialkräfte in Bruck. Erst am 29. November musste das SEK abends anrücken, weil sich ein 42-Jähriger in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben soll.
Das SEK konnte den Mann, der auch mit einer Waffe hantiert haben soll, widerstandslos festnehmen. Er wurde in eine Fachklinik eingewiesen. Der Einsatz hatte damals für spektakuläre Szenen gesorgt. Das SEK hatte sich am Marktplatz einsatzbereit gemacht und so die Blicke auf sich gezogen. Bruck war teilweise abgeriegelt.
Nach dem Zugriff zu später Stunde stellte sich heraus, dass der 42-Jährige tatsächlich Zugang zu mehreren Waffen hatte. Dabei soll es sich laut Polizeisprecherin Corinna Wild in jedem Fall um ein Luftgewehr oder eine Schreckschusswaffe gehandelt haben.
Trotz der beiden SEK-Einsätze fühlt sich Bürgermeisterin Heike Faltermeier indes weiter sicher im Ort, wie sie der MZ auf Anfrage sagte.