Gibt es noch Hoffnung für eine Nachnutzung der Bayerwald-Klinik in Cham?

Gibt es noch eine Chance für die Bayerwald-Klinik in Windischbergerdorf in Cham? Die Chancen dafür gehen Richtung Null. Dafür ist aber eine Nachnutzung der Reha-Einrichtung im Gespräch. Dazu hat es bereits ein erstes Treffen zwischen Konzern und Politik gegeben. Ansonsten hätte die Stadt Cham noch die Möglichkeit, Grundstück und Gebäude selbst zu nutzen. Wir haben die Hintergründe abgefragt.
Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Kommentar zur Nachnutzung der Bayerwald-Klinik in Cham: Die Stadt und ihre Zwangslage
Die Maternus-Kliniken-Aktiengesellschaft hatte am Freitag den rund 100 Mitarbeitern offiziell mitgeteilt, dass ihre Klinik zum 30. April schließt (wir berichteten). Daraufhin hatte die lokale Politik eine Charme-Offensive angekündigt, um dem Schicksal vielleicht doch noch ins Rad zu greifen. Gibt es für die Reha-Einrichtung tatsächlich noch eine Chance auf Fortbestand?
Die Politik ist dran, weckt aber keine falschen Hoffnungen
Die Antwort der Konzernsprecherin Aline Nieland ist da zwar sehr freundlich, aber letztlich eindeutig: „Wir nehmen das Engagement der regionalen Politik sehr ernst und schätzen einen konstruktiven Austausch. Gleichzeitig müssen wir betonen, dass die Entscheidung auf Basis einer sorgfältigen wirtschaftlichen und strukturellen Prüfung getroffen wurde. Über die Zukunft des Grundstücks sowie die weitere Nutzung des Gebäudes werden wir Gespräche mit der Stadt führen.“
Bürgermeister Martin Stoiber bestätigt das Gespräch mit einem Konzernvertreter. Derzeit würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, wie man die Klinik nachnutzen könne. „Wir sind dran. Wir wecken aber keine falschen Hoffnungen“, so Stoiber.
Landrat Franz Löffler schließt sich dem an: „Es wird derzeit geprüft, ob es eine Nachnutzung innerhalb des Konzerns geben kann, aber außerhalb der aktuellen Reha-Klinik.“ Die bestehende Sondernutzungsgenehmigung für den Betrieb der Klinik sei da nicht das große Hindernis. „Eine Sondernutzung kann weiter erteilt werden, wenn die nächste Nutzung die Anlieger nicht mehr belastet, als die bestehende“, so Löffler.
Hier gehe es um Bauleitplanung. „Die Stadt Cham hat hier signalisiert, dass sie da durchaus flexibel ist“, sagt der Landrat. Er selbst habe angeboten, den Maternus-Konzern im Bereich der Heimleitung des Landratsamtes jederzeit zu unterstützen.
Pflege oder Wohnungen?
Deutlicher will dazu derzeit niemand werden. Nachdem aber die Maternus-Kliniken AG zur „Cura-Gruppe gehört“, die Pflegedienstleitungen anbietet, läge es nahe, dass die Überlegungen auf diesem Sektor angestellt werden. Der Landkreis hat derzeit ein Defizit in der Kurzzeitpflege zum Beispiel nach der Entlassung aus der Klinik nach einer OP. „Am Ende muss es halt immer einen Träger geben“, sagt der Landrat. „Wenn wir darüber nicht diskutieren würden, würden wir eine Chance verspielen.“
Sollten auch diese Überlegungen am Ende scheitern, dann müsste die Stadt sich das Filetgrundstück samt Gebäude sichern und dort eigene Überlegungen anstellen. Die könnten sich dann zum Beispiel mit Wohnnutzung beschäftigen. Soldaten und Studenten suchen derzeit in Cham oft vergeblich nach Wohnraum. Die idyllische Lage seiner Klinik preist der Konzern selbst auf seiner Homepage an: „Idyllisch gelegen im malerischen Bayerischen Wald in Cham Windischbergerdorf...“
„Schade, aber absehbar!“
Kaum 500 Meter davon entfernt wohnt Stadtrat Oliver Schulz und ist wenig überrascht von den Entwicklungen. „Meine Frau hat dort zehn Jahre lang gearbeitet. Das war ein toller Arbeitsplatz und es wurde viel geleistet von der Belegschaft. Die Patienten waren dort gut aufgehoben. Aber im Grunde ist dort alles veraltet und es wurde nicht mehr viel investiert. Schade, aber absehbar.“
Im Grunde räumt Konzernsprecherin Alina Nieland das ein: In den letzten zehn Jahren seien am Standort Windischbergerdorf regelmäßig Mittel in den laufenden Betrieb, Instandhaltung und punktuelle Modernisierungen investiert worden – unter anderem in medizinische Ausstattung, technische Infrastruktur sowie notwendige bauliche Maßnahmen. „Gleichzeitig ist richtig, dass größere strukturelle Investitionen, etwa in umfassende bauliche Sanierungen oder einen vollständigen Umbau, angesichts der negativen Betriebsergebnisse nicht umgesetzt werden konnte“, schreibt Nieland. Diese hätten einen sehr hohen finanziellen Aufwand bedeutet und wären nur unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen realisierbar gewesen.
Die Probleme des Betriebsrats-Vorsitzenden
Vor einer schwierigen Aufgabe steht Thomas Oswald. Der Betriebsratsvorsitzende der Bayerwald-Klinik formuliert vorsichtig: „So eine Betriebsversammlung ist nicht das, was man sich am Ende wünscht.“ Auch Oswald bedauert, dass die hervorragende Arbeit und der gute Ruf der Klinik nun zu so einer Konzern-Entscheidung geführt haben. „Nun geht es für uns darum, das Ergebnis der derzeitigen Prüfungen abzuwarten und notfalls eine möglichst sozialverträgliche Lösung zu finden.“ Rund 100 Köpfe zahlen die Mitarbeiter – quer durch alle Arbeitszeitmodelle. „Es ist schade. Wir haben hier unser Bestes gegeben“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Er sieht vor allem das Schicksal von Leuten, die schon 35 Jahre in der Klinik arbeiten. Er selbst ist Betriebsleiter in der Küche und kann sich gut vorstellen, dass manche Pflegekraft schon ein Angebot für einen neuen Job bekommen hat. Schwerer seien die Verhandlungen, was die Mitarbeiter der Verwaltung, die Reinigungs- und Küchenkräfte betreffe. „Jetzt muss sachlich diskutiert werden, um das Beste für alle Beteiligten zu erreichen“, sagt Oswald.