Windkraftvorurteile im Landkreis Cham: Was ist wahr und was ist windig?

„Privilegierung heißt: Gegen eine Windkraftanlage im Wald mit einem Abstand von 1000 Metern zur Bebauung kann niemand Einspruch einlegen. Nicht die Bürger, nicht die Gemeinde.“ Für einige der rund 40 Zuhörer bei der Windkraft-Veranstaltung der ÖDP in der Klostermühle in Cham war das ein Schlüsselsatz. Gesagt hat ihn Josef Gold, Firmengründer der Gold SolarWind Firmengruppe in Kirchroth.
Josef Gold ist nicht nur Firmengründer, sondern auch ÖDP-Kreisrat und begeisterter E-Auto-Fahrer. Seine Firmengruppe betreut nach eigener Aussage 58 Windkraftanlagen (drei davon in Hof, der Rest in Thüringen und Brandenburg), an denen rund 4000 Bürger beteiligt sind. Von Anfang an bemühte sich Gold, Aussagen klarzustellen und Vorurteile auszuräumen. Hier ein paar davon:
■ Der Strompreis steigt ständig durch die erneuerbaren Energien. Der Strompreis liegt laut Gold wieder bei den 30 Cent pro Kilowattstunde. Da lag er auch schon vor der Umstellung. Dazwischen ist er durch die Gaskrise im Ukrainekrieg gestiegen. Frankreich muss laut Gold derzeit 60 Cent verlangen.
■ Erneuerbare Energien reichen nicht für den steigenden Bedarf aus. Gold rechnet damit, dass der Verbrauch von aktuell 525 bis 2045 auf 1400 Terawatt-Stunden pro Jahr steigen wird. „Das ist aber machbar“, sagt Gold. Voraussetzung seien ein besseres Netz und bessere Speicherung. Das gewährleiste bei steigenden Strompreisen eine lukrative Einspeisung. Die optimale Mischung seien ein Drittel Photovoltaik, zwei Drittel Windkraft.
■ Erneuerbare Energie ist weniger ökonomisch. Gold macht eine andere Rechnung auf. Aus einem Hektar Land mit Photovoltaik kann ein E-Auto sechs Millionen Kilometer weit fahren. Mit den E-Fuels sind es noch 850 000 und mit Silomais Biomethan 85 000 Kilometer. In einem Landkreis, der 70 000 Fahrzeuge zugelassen hat, können diese mit fünf Windkraft-Anlagen (mit je 6,5 Megawatt) betrieben werden. Wasserstoff bräuchte 45 Anlagen und E-Fuels bräuchten 105. In China, so Gold, werden aktuell 60 Prozent der Lkw elektrisch betrieben. Um den aktuellen jährlichen Zubau von Solar und Wind zu ersetzen bräuchte es 70 neue Atomkraftwerke, sagt Gold.
Manchmal verstehe ich das einfach nicht. Man müsste sich nur mal vor so ein Windkraftwerk hinstellen, oder in den Bayern-Atlas schauen. Dann wären viele von den Falschbehauptungen aus der Welt.Josef Gold, Gründer der Firmengruppe Gold Solar Wind (GSW) in Kirchroth
■ Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild. Stimmt, sagt Gold. Das gefällt nicht jedem. Aber 120 Hektar neues BMW-Werk auch nicht. Dazu hat die Republik auf 400 000 Hektar Braunkohle abgebaut. Für 30 000 Windkraftanlagen werde 3000 Hektar Land verbraucht. Für ein Atomkraftwerk könne man 400 Windkraftanlagen aufstellen, so Gold.
■ Ein Windrad braucht 25 Hektar Wald. „Schmarrn“, sagt Gold. Man könne das leicht im Bayern-Atlas prüfen. Selbst wenn man die verbreiterten Zufahrtswege mit einrechne, ergebe sich ein Landverbrauch von höchstens einem Hektar.
Lesen Sie dazu auch: Windkraft-Gutachten wirft in Rötz Fragen auf: Bauausschuss bemängelt Unterlagen
■ Das Fundament einer Windkraftanlage ist riesig und bleibt für immer im Boden. Falsch, sagt Gold. Das Fundament einer Sechs-Megawatt-Anlage sei 1300 Kubikmeter groß, der Sockel wiege bis zu 200 Tonnen bei einem Durchmesser von 25 Metern und einer inneren Höhe von 2,90 Metern. Bereits vor dem Aufstellen des Windrades müsse eine Rücklage gebildet werden, um den späteren Abbau zu gewährleisten. Für eine Anlage mit einer Leistung von sechs Megawatt liege die Rücklage bei 300 000 bis 350 000 Euro. Eine Wiederverwendung des Fundaments hält Gold aber für ausgeschlossen.
■ Windkraftanlagen können nicht recycelt werden. Stimmt so auch nicht, sagt Gold. Beton, Leitungen und Corpus seien kein Problem. Für die Flügel brauche es aber noch Lösungen. Die Carbonfasern können derzeit nur in Zementwerken verbrannt werden, weil dort die notwendigen Temperaturen von mehr als 1050 Grad erzielt werden.
■ Windkraftanlagen erwärmen die Luft. „Völliger Schmarrn“, sagt Gold. Diese Behauptung sei völlig abwegig.
■ Von den Flügeln löst sich der Decklack – Farbabrieb. Das ist richtig bestätigt der Referent. Bei einer Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Stunde an den Flügelspitzen löst sich Lack. Es geht dabei um 50 Gramm pro Blatt und Jahr. „Der Reifenabrieb eines Harvesters ist da eine ganz andere Liga“, so der Referent.
■ Windkraftanlagen sind eine Gefahr für Fledermäuse und Vögel. Richtig, sagt Gold. Falls beim Monitoring Fledermäuse festgestellt werden im Umfeld eines Windrades, muss zwischen den 1. März und dem 30. November der Betrieb angepasst werden. Dafür gibt es Auflagen. 30 000 Anlagen sind pro Jahr für den Tod von 100 000 Vögeln verantwortlich, bestätigt Gold. Das sei jedoch im Vergleich zu den Verlusten durch den Aufprall auf Fensterscheiben und Autos sowie durch jagende Katzen ein sehr geringer Anteil. Allerdings seien bereits Antikollisionssysteme im Einsatz, die bei Annäherung größerer Vögel die Geschwindigkeit drosseln.
■ Windkraftanlagen machen Lärm. „Das ist so eine Behauptung, die ich nicht verstehe“, sagt Gold. Jeder müsse sich nur einmal in 800 Metern Entfernung vor eine Anlage stellen. „Probieren sie es einfach“, so der Referent. Keine Windkraftanlage werde ohne Lärmschutz-Gutachten gebaut.
■ Windkraftanlagen schaden durch Infraschall der Gesundheit. Das ist auch eine Fehlinformation, sagt Gold. In jedem Innenraum eines Autos herrsche mehr Infraschall als rund um ein Windrad.
■ Windkraftanlagen gefährden durch Eisabwurf. Mit Flügelheizungen kann Eisbildung komplett vermieden werden, sagt Gold. Außerdem entstehe durch die Eisbildung eine Umwucht und die Anlage schalte ab. Allerdings sei es dann möglich, dass Eis abfalle. Es werde aber nicht in hohen Geschwindigkeiten weggeschleudert.
■ Windkraftanlagen führen zu Schattenwurf an der Bebauung. Das kann passieren, sagt Gold, weil die Anlagen sehr hoch sind. Allerdings sei ein Schattenwurf durch die Flügel nur in 30 Stunden pro Jahr und nur über 30 Minuten hinweg erlaubt, sonst müsse die Anlage abgeschaltet werden.
