Aus für Bayerwald-Klinik in Cham: Das sagen Gesellschafter, Patienten und Politiker

Von Martin Hennings, Christoph Klöckner · 23. Januar 2026 um 20:00

Seit Jahren wurde die Bayerwald-Klinik in Cham-Windischbergerdorf immer wieder vom Gerücht verfolgt, dass sie schließen muss. Nun ist es offiziell und kein Gerücht mehr: Am 30. April 2026 wird die Reha-Einrichtung die Türen für immer zumachen. Das sagen Gesellschafter, Patienten und die Politik.

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Das Aus für das Haus hat am Freitagnachmittag die Maternus-Kliniken-Aktiengesellschaft per Pressemitteilung bekannt gegeben. Die Mitarbeiter waren am Vormittag bei einer Betriebsversammlung informiert worden.

In der Mitteilung der Maternus-Kliniken werden wirtschaftliche Gründe als Ursache für die Betriebsschließung angeführt. „Mit großem Bedauern müssen wir leider mitteilen, dass die Bayerwald-Klinik in Cham ihren Betrieb zum 30. April 2026 vollständig einstellen wird. Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen“, heißt es.

„Anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage der Klinik“

Trotz „umfassender Anstrengungen und der sorgfältigen Prüfung aller realistischen Handlungsoptionen“ habe sich für den Klinikstandort keine dauerhafte tragfähige Perspektive mehr entwickeln lassen, so Maternus. „Ausschlaggebend für diesen Schritt ist die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage der Klinik.“

Bis zum 30. April soll der Betrieb noch vollständig aufrecht erhalten werden. Man werde sich mit Mitbewerbern und Partnern abstimmen, um Behandlungsmöglichkeiten und Kapazitäten in anderen Häusern zu gewährleisten. Es gelte, von Seiten des Managements „sozialverträgliche und verantwortungsvolle Lösungen“ für die Mitarbeiter zu finden. Um wie viele Beschäftigte es geht, wurde nicht gesagt.

Maternus AG will mit Stadt und regionalen Interessenten sprechen

Vor wenigen Jahren hatte die Klinik noch etwa 100 Mitarbeiter – Ärzte, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Küchen- und Reinigungspersonal sowie Verwaltungsmitarbeiter. Zur Weiternutzung der Immobilie, die ganz früher für die Chamer auch Geburtsklinik war, bevor sie in eine Reha-Klinik umgewandelt wurde, will Maternus zeitnah Gespräche mit regionalen Interessenten und der Stadt Cham aufnehmen. Die Klinik, die aus mehreren Häusern besteht, von denen einige seit Jahren leer stehen, hatte augenfällig Sanierungsbedarf. Die Sanierung war auch immer wieder versprochen, aber nur zum Teil umgesetzt worden.

Grünes Tuch mit Herz vor der provisorischen Fluchttreppe: Der Sanierungsbedarf der Klinik ist augenfällig. - Foto: Christoph Klöckner

Seit einiger Zeit waren provisorische Fluchttreppen aus Gerüsten am Haus montiert, um Auflagen der Behörden zu gewährleisten. Laut Patienten war die Küche im Haus nicht mehr im Betrieb, da hier Behördenauflagen nicht erfüllt worden sein sollen. „Die hätte laut Verwaltung komplett erneuert werden müssen“, so erzählt ein Patient – das sei so bei der Begrüßung erläutert worden.

Auch die Patienten selbst wurden von der Schließungsankündigung überrascht, die sich wie ein Lauffeuer im Haus verbreitete. Beschäftigte seien nach Bekanntgabe in Tränen ausgebrochen, berichteten Klinikpatienten vor Ort. Verstehen könne man die Schließung nicht, so die Patienten-Stimmen, denn die medizinische und pflegerische Versorgung in der Klinik sei top. Es herrsche eine familiäre Atmosphäre, jeder Mitarbeiter habe ein offenes Ohr. Auch die Zimmer, von denen ein Teil saniert worden sei, seien in bestem Zustand. Die Zahl der Kranken, die aktuell im Haus zur Rehabilitation sind, schätzten die Patienten, die am Freitag im Raucherbereich anzutreffen waren, auf deutlich unter 100.

Landrat Franz Löffler bricht eine Lanze für die Beschäftigten

Die Politik reagiert betroffen auf die Schließung der Klinik. Seit dem Beginn seiner Amtszeit vor knapp 16 Jahren war die Zukunft des Hauses immer wieder ein Thema, sagt Landrat Franz Löffler (CSU). Träger und Geschäftsführer hätten gewechselt, die Region und vor allem die Beschäftigten der Bayerwald-Klinik seien aber stets „Garanten für beste Behandlungserfolge“ gewesen. Über die Gründe für das Aus der Reha-Einrichtung könne man nur spekulieren: das Alter der Immobilie, möglicherweise ausgebliebene Sanierungen, die Kostenstruktur im Reha-Bereich.

Der Landkreis habe immer wieder versucht, zu unterstützen, berichtet Löffler, unter anderem baurechtlich, etwa beim zweiten Fluchtweg via Gerüst. Natürlich werde man das Gespräch mit dem Gesellschafter suchen, sagt der Landrat. Ob man damit den Schließungsplan abwenden könne, sei zumindest fraglich. „Das hört sich alles schon ziemlich ultimativ an“, so Löffler.

„Schlag für die Stadt, den Landkreis und die Gesundheitsregion“

Chams Bürgermeister Martin Stoiber (CSU) nennt die Nachricht vom Ende der Bayerwald-Klinik „schockierend“ und einen „Schlag für die Stadt, den Landkreis und die Gesundheitsregion“. Er sei mit seinen Gedanken bei den Mitarbeitern. „Da hängen ja ganze Existenzen dran“, so Stoiber.

Auch er werde das Gespräch mit der Maternus AG suchen. Es sei natürlich zu früh, über die Zukunft der Immobilie und des Grundstücks zu spekulieren. Sicher aber sei, dass „wir eine Lösung finden müssen, die zu Windischbergerdorf passt“.

Konzern spart auch an anderer Stelle

Laut einer Ad-hoc-Meldung der Maternus-Kliniken-AG vom Freitagabend schließt der Konzern auch Senioren-WGs und einen Hausnotrufdienst in Köln sowie einen ambulante Pflegedienst in der Eifel und zieht sich aus einem Seniorenzentrum in Stadtoldendorf zurück. Der Vorstand will demnach durch die Schließungen rund vier Millionen Euro pro Jahr einsparen.