Aus für Secondhand-Laden: Das Peacehand in der Regensburger Altstadt sperrt zu

Die Kleiderstangen sind noch voll, doch die Entscheidung steht fest: Ende März wird Inhaberin Nicole Heiß das Peacehand in der Regensburger Altstadt schließen. Leicht gefallen ist ihr dieser Schritt nach fast neun Jahren nicht.
Kleider, Jacken, Shirts, Pullover und jede Menge Hosen: Noch ist das Sortiment im Laden von Nicole Heiß groß. Von der bevorstehenden Schließung ist bis auf ein kleines Schild an der Eingangstür wenig zu spüren. „Wir haben noch so viele Schmuckstücke“, sagt die 35-Jährige. „Vor allem das Sortiment an Jeans ist riesig. Gefühlt könnten wir noch ganz Regensburg mit Hosen versorgen.“
No-Name-Jeans für fünf Euro, Markenhosen für zehn Euro: Mit diesem Angebot will die Inhaberin noch möglichst viele Stücke an die Kunden bringen. Denn Ende März ist nach fast neun Jahren Schluss für das Geschäft Unter den Schwibbögen. „Die letzten Jahre waren ein wilder Ritt. Wirtschaftlich und emotional“, sagt Heiß.
Letztendlich „kein gutes Bauchgefühl mehr“
Gründe, warum es für sie nun nicht weitergeht, gebe es mehrere. Einer davon ist die Mietsituation. „Vor drei Jahren hat der Vermieter gewechselt. Es hieß dann, dass grundsaniert werden soll – aber drei Jahre durften wir noch bleiben.“ Zum Jahresende standen erneut Gespräche über die Zukunft der Räumlichkeiten an. Zwar erhielt Heiß das Angebot, noch einmal drei weitere Jahre zu mieten. Die Konditionen waren für sie jedoch nicht flexibel genug. „Letztendlich sind wir nicht zusammengekommen.“
Denn ob sie das Peacehand wirklich noch über längere Zeit führen will, habe sie nicht mit Sicherheit sagen können, so Heiß. „Ich habe eine kleine Tochter. Elternschaft und Selbstständigkeit zu vereinbaren, ist schwer.“ Kann sie nicht selbst im Laden stehen, brauche sie mehr Personal – und damit gingen höhere Kosten einher. „Für mich persönlich hat sich das Gesamtkonzept leider nicht mehr getragen. Obwohl ich im Sommer nochmal überlegt habe, hatte ich letztendlich einfach kein gutes Bauchgefühl mehr.“
Schöne Erinnerungen bleiben
Leicht fällt der Inhaberin dieser Schritt aber keineswegs. „Ich habe sehr viel Zeit und Herzblut hineingesteckt – und ich glaube weiterhin, dass Secondhand-Mode einen ganz wichtigen Beitrag leistet, um Ressourcen zu schonen.“ Gut erinnert sie sich daran, dass der Begriff „Secondhand“ zu Beginn der Peacehand-Zeiten noch ein verstaubtes Image hatte. „Wir wollten das Wort zuerst gar nicht benutzen.“ Im Laufe der Jahre habe sich das jedoch geändert. Gerade mit dem Beginn der Fridays-for-Future-Bewegung habe es einen großen Aufschwung gegeben. „Es ist eine stark wachsende Branche. Die Nachfrage ist definitiv da, das sehe ich auch immer noch so.“
Ich bin sehr jung gestartet und habe wirklich tolle Erfahrungen gemacht.Nicole Heiß, Inhaberin
Neben dem Verkauf vor Ort in der Altstadt gründete Heiß 2022 mit ihrem Team außerdem das Unternehmen Ekodise: eine Online-Plattform, über die sich lokale Händler aus ganz Deutschland vernetzen und ihr Angebot auch online zugänglich machen konnten. Im Nachhinein sei das ein sehr großes Vorhaben gewesen, sagt sie. „Leider haben uns ein wenig die Kapazitäten gefehlt – und die Konkurrenz durch Online-Riesen wie Vinted ist riesig.“ Große Projekte, aber auch lokale Veranstaltungen im Peacehand wie eine Kunstausstellung oder ein „Punk-und-Peace-Konzert“ in der Mälze: An all das denkt Heiß gerne zurück. „Ich bin sehr jung gestartet und habe wirklich tolle Erfahrungen gemacht.“ Wohin es die Unternehmerin nun führen soll, steht noch nicht ganz fest. „Ursprünglich bin ich Pädagogin. Vermutlich geht es für mich zurück in den sozialen Bereich.“
Schnäppchen bis zur Schließung Ende März
Bis sich die Türen des Peacehands schließen, hat Heiß aber noch einiges vor. „Schon jetzt gibt es viele Schnäppchen. Ab Februar startet dann ein großer Sale mit 20 Prozent auf alles.“ Über wechselnde Angebote können sich Kunden auf dem Instagram-Account des Secondhand-Ladens informieren – oder, sagt Heiß, „am besten einfach vorbeikommen“.
Wichtig ist ihr zudem, einer Reihe treuer Regensburgerinnen Danke zu sagen, die im Laufe der Jahre nicht mehr getragene Kleidung ins Peacehand gebracht haben, um ihr ein zweites Leben zu schenken. „Genauso wie den tollen Kunden, die das Konzept immer sehr gefeiert haben.“ Obwohl sie persönlich einen Schlussstrich zieht, glaubt sie weiterhin fest daran, dass Secondhand-Shops in der Domstadt großes Potenzial haben. „Falls jemand mit der Idee spielt, einen Laden zu eröffnen, teile ich meine Erfahrungen gerne“, sagt sie. „Vielleicht gäbe es ja sogar Ware und Inventar, das übernommen werden könnte.“