Für Sammelkarten- und Tabletop-Zocker: Spielhöhle öffnet im Herzen der Regensburger Altstadt

Eine Spielhölle mitten in der Regensburger Altstadt? Falsch gelesen. Mit seiner Spielhöhle will Sigurd Roscher das glatte Gegenteil in der Oberen Bachgasse etablieren: einen Ort des Zusammenkommens, des Austauschs, des gemeinsamen im Spiel Versinkens. „Kein Kaufzwang“ lautet sein Credo, sondern „spielen, bauen, sammeln – in dieser Reihenfolge, das Spielen steht ganz vorne“.
Entspannt sollen Zocker in seinem Laden ihr Zubehör für Tabletop-Spiele bemalen oder sich spannende Gefechte bei Freebooter’s Fate liefern. Bleiben nur zwei Fragen: Wie kommt man auf die Idee eines solchen Ladens? Und was zur Hölle sind Tabletop-Spiele und Freebooter’s Fate?
Aus einer Pokémon-Runde entsteht die Spielhöhle
Der Laden ist das Zwischenergebnis einer nicht mal zweijährigen Reise. Begonnen hat die mit ein paar Pokémon-Karten, die Roschers Töchter in ihrer Grundschulklasse sammelten und tauschten. Damit kann man ja eigentlich auch spielen, überlegte er. „Das wollte ich dann rausfinden, weil ich so gerne zocke“, sagt Roscher. Es stellt sich heraus: Nicht nur er zockt gerne. Zu den monatlichen Pokémon-Spielrunden kommen immer mehr Kinder und Eltern – zu viele bald, um bei Roscher daheim zu spielen.
Sonntags wird im Walhalla-Sportheim gezockt
Erst ziehen sie in den Schachraum des TSV Kareth-Lappersdorf, doch auch der platzt schnell aus allen Nähten. Mittlerweile treffen sich an die 40 Spieler nicht mehr monatlich, sondern wöchentlich, Sonntag von 13 bis 18 Uhr, in einem Raum über der Sportgaststätte der SG Walhalla. „Da kann jeder kommen, das kostet auch nichts“, sagt Roscher. Die WhatsApp-Gruppe, in der die Gemeinschaft kommuniziert, hat rund 300 Mitglieder. Wer Spielideen hat, darf die mitbringen und vorstellen, es gibt Spieleinführungen, längst wird nicht mehr nur Pokémon gezockt.
Roscher stürzt sich kopfüber in die Gemeinschaft von Sammelkarten- und Strategiespiel-Fans. „Ich selber komme vom Tabletop-Zocken“, sagt er, also von strategischen Miniaturspielen, eins gegen eins, in denen über erfüllte Aufgaben Punkte gesammelt und der Gegenüber besiegt wird. Roschers Lieblingsspiel ist die Piratenwelt Freebooter’s Fate.
Heiße Ware dank Ladenlokal
Das Ladenlokal, erläutert Roscher, sei nötig gewesen, um als Veranstalter Turniere der verschiedenen Spiele anmelden zu können, bei denen es exklusive Karten oder Ware der Hersteller auch schon vor offizieller Veröffentlichung gibt. Leidenschaftliche Spieler seien da Feuer und Flamme, aus halb Bayern kämen da Fahrgemeinschaften zusammen. Diesen Hype nimmt Roscher gerne mit.
Bei dem Glücksritter-Trip, der gerade läuft, machen wir nicht mit.Sigurd Roscher, Spielhöhle-Chef, zur Geldmacherei mit Sammelkarten
Eine andere Entwicklung bei Sammelkarten oder Spiel-Zubehör ist, dass bei Neuveröffentlichungen ganze Läden an originalverpackter Ware leergekauft werden. Wenn sie überall ausverkauft ist, wird sie für das Doppelte und Dreifache wieder angeboten. „Das ist so asozial“, sagt Roscher. „Bei dem Glücksritter-Trip, der gerade läuft, machen wir nicht mit.“
Genau das Gegenteil, das Soziale, steht bei ihm im Fokus. Konkurrenz zu vergleichbaren Läden – Traumwerk oder Warhammer – sieht er nicht. Jeder bediene seine Nische, man ergänze sich gut, nehme sich nichts weg. Bei Roscher findet man Pokémon- und Magic-Karten-Sets für Spieler und Sammler, Baumaterial für Tabletop-Gelände oder von ihm gebaute Spielelemente.
Das „Graffiti-Kind“ bemalt nun Spielwelten
Im Laden kann man Spiele ausprobieren. „Wenn es einem taugt, kann man ja auch was kaufen.“ Er will seine Leidenschaft am Bauen von Miniaturwelten und Geländen zum Spielen weitergeben. „Wir machen hier einen Pinselabend ab und zu“, sagt er zum gemeinsamen Bemalen von Spielfiguren oder Elementen.
Das soll eine Community sein und kein Laden.Sigurd Roscher, Spielhöhle-Chef
„Ich bin ein altes Graffiti-Kind“, erklärt Roscher sein künstlerisches Geschick. Noch heute arbeitet er Montag bis Mittwoch als selbstständiger Designer und Maler. Von Donnerstag bis Samstag steht er nun in seiner Spielhöhle. Die soll sich zwar finanziell tragen, der Verkauf soll aber nicht alles überdecken. „Ich begrüße neue Gäste mit meinem Namen und Handschlag“, sagt Roscher. „Das soll eine Community sein und kein Laden.“
