Dank kreativer Suche: Künstler finden Atelier in Regensburger Prachtlage

Von Benedikt Baumgartner · 11. August 2025 um 09:00

Wer nicht fragt, bleibt dumm – so viel weiß man. Für Christiane Settele, Barbara Muhr und Lucas Cabarth galt eher: Wer nicht fragt, bleibt ohne ein Atelier. Die drei Regensburger Künstler haben per Aushängen an leerstehenden Gebäuden versucht, Eigentümer anzusprechen und sich als malende Mieter anzubieten. Und siehe da: Ihre Initiative wurde belohnt – wenn auch auf anderem Wege als gedacht.

Vom Umzug erschöpft, aber glücklich führen Settele, Muhr und Cabarth durch ihre neuen Räumlichkeiten in der Oberen Bachgasse 18. Jeder der drei hat ein Zimmer zum Arbeiten, etwas Abstellfläche gibt es zudem – und einen Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert. „Wir testen gerade mit Pappe, wie feucht es hier ist“, sagt Cabarth.

Miete unter Marktpreis

Als Lager für Leinwände eignet sich das historische Gewölbe wohl nicht, für ungezwungene, kurzzeitige Ausstellungen möglicherweise schon. Umzug, Einrichten und Malen laufen gerade noch parallel. „Jetzt sind schon die ersten Arbeiten hier entstanden, das ist schon ein tolles Gefühl“, sagt Cabarth und blickt sich um. „Das hier ist unser Ding.“ Dass die Ladenräume ihr Ding wurden, haben sie ihrer proaktiven Ateliersuche zu verdanken – und dem Bericht darüber in der MZ.

Ihre Bewerbungsschreiben als Mieter haben die drei Künstler zunächst vor allem im Altstadt-Osten angebracht. Noch am selben Tag, als die MZ darüber berichtete, meldete sich Erhard Starzinger bei ihnen und machte sie auf seine Räume in der Oberen Bachgasse aufmerksam. „Die Story mit den Zetteln an den Leerständen fand er irgendwie gut“, erzählt Cabarth. Vier, fünf ganz nette Zuschriften hätten sie nach dem Artikel bekommen, erzählt Settele: „Was total schön war: Es haben sich die Leute gemeldet, die Bock hatten.“ „Wir mussten nicht immer erklären, was wir vorhaben“, fügt Muhr an.

Er hätte es auf jeden Fall sehr viel teurer machen können. Dann hätten wir es uns halt nicht leisten können.

Christiane Settele, Künstlerin

Einige Monate sei das Erdgeschoss des Eckhauses leer gestanden. Dann hat Starzinger seine neuen Mieter in der Zeitung gefunden. „Er hätte es auf jeden Fall sehr viel teurer machen können“, berichtet Settele vom Entgegenkommen des Vermieters. „Dann hätten wir es uns halt nicht leisten können.“ Aber Starzinger findet es laut seiner neuen Mieterin „schon cool, dass er an ein kreatives Projekt vermietet“.

Mit ordentlich Bedenkzeit und mehreren Besichtigungen sei er ihnen entgegengekommen, habe bei der Anmeldung der Gewerbefläche mit Rat und Tat geholfen. Auch im neuen Viertel zwischen Bagelstore und Vinothek, Unverpackt-Laden und gleich mehreren Antiquitätenhändlern sind Settele, Muhr und Cabarth bereits mit offenen Armen aufgenommen worden.

Fließender Übergang

Settele und Cabarth arbeiteten bislang in Räumen im Andreasstadel. Das Mietverhältnis dort lief ursprünglich noch bis Ende des Jahres, doch aus dem seien sie „unkompliziert rausgekommen“, sagt Settele. „Da ist uns die KJF sehr entgegengekommen.“ In ihrer neuen, langfristigen Kreativheimat kommen sie gerade an.

Drei, vier Wochen brauchen sie noch, bis alles so eingerichtet ist, wie es ihrem Bedarf entspricht, schätzt Muhr, die parallel auch noch privat umgezogen ist. Dann gebe es bestimmt mal einen Tag des offenen Ateliers, verspricht sie. „Das wird schön“ – die eigenen, dauerhaften Räume und der Start darin. Cabarth ist der Tatendrang anzumerken: „Man fühlt sich eine Spur freier, den Raum so richtig für die eigenen Bedürfnisse herzurichten.“