Regensburger Schauspieler schlüpft für ZDF-Zweiteiler in den Arztkittel

Marcus Mittermeier ist im März in „Einfach Elli“ zu sehen. Er hätte nichts dagegen, wenn sich aus den Pilotfilmen eine neue Donnerstagabend-Reihe entwickeln würde, erzählt der Regensburger im Interview.
Pistolenhalfter runter und weißer Kittel an: Schauspieler Marcus Mittermeier wechselt – zumindest vorübergehend – das Genre. Statt als Kommissar Neuhauser in der Erfolgsserie „München Mord“ zeigt ihn das ZDF im März von einer neuen Seite. Mittermeier spielt einen Chefarzt im Zweiteiler „Einfach Elli“. Die Frage, ob er zum Konkurrenten für den „Bergdoktor“ wird, kommentiert der Regensburger mit niederbayerischen Wurzeln im Interview mit einem Lächeln. Den Wilden Kaiser hatte er beim Dreh tatsächlich im Blick, seine Rolle sei aber nicht an die Kultfigur von Hans Sigl angelehnt. „Aber ein ebenso charmanter Charakter mit dramatischem Hintergrund“, urteilt Mittermeier über Dr. Mark Sorell.
Der Donnerstagabend-Platz im ZDF ist für Filme mit Bergkulisse reserviert. Bergdoktor, Bergretter oder Hebamme Lena Lorenz. Jetzt erweitert Rettungssanitäterin Elli (gespielt von Clara Deutschmann) das Portfolio. Gedreht wurde in Garmisch-Patenkirchen, die Innenaufnahmen fanden in St. Johann in Tirol statt. In jenem Krankenhaus, in dem auch die Figur Dr. Martin Gruber oft mit Spezi Dr. Kahnweiler über schwierige Fälle fachsimpelt. Beim Lesen der Drehbücher war er positiv überrascht, sagt Mittermeier, der als Chefarzt der Chirurgie eine der Hauptrollen in den vorerst zwei Filmen der Reihe übernimmt. Er wolle nicht spoilern, sagt Mittermeier. Aber Elli und Dr. Sorell hätten nicht nur berufliche, sondern auch familiäre Dinge zu klären – mit der entsprechenden Dynamik.
Viele tolle Kollegen am Set inspirierten Mittermeier
Die Dreharbeiten machten großen Spaß, da vor der Alpenkulisse auch ein tolles Team zusammengefunden habe, sagt Mittermeier. Neben ihm und Deutschmann schlüpfen Clelia Sarto (Ellis Mutter), Rainer Bock (Ziehvater), Sebastian Griegel (Sohn von Dr. Sorell) und Sophie von Kessel als seine Frau in tragende Rollen. „Es war sehr inspirierend, mit so tollen Kollegen zu arbeiten“, sagt Mittermeier, der nichts dagegen hätte, wenn sich aus den Pilotfilmen eine neue Donnerstagsreihe entwickeln würde. In dem Stoff sieht er durchaus Potenzial für weitere gute Geschichten. Erste Reaktionen beim Publikum fielen sehr positiv aus, ergänzt er. Das ZDF kündigte bereits an, dass die beiden Filme noch vor der TV-Ausstrahlung im März in der Mediathek zu finden sein werden. Der Starttermin wurde noch nicht offiziell genannt.
Mittermeier sieht den Arztkittel als Erweiterung seines schauspielerischen Portfolios. Wie ein Bildhauer habe er sich Schicht für Schicht seiner neuen Figur angenähert. „Beim Bügeln, beim Betten beziehen, beim Spazierengehen“, zählt er auf. Körperliche Entspannung helfe ihm, sich in die Rollen hineinzudenken. Dr. Sorell sei ein eher autoritärer Charakter, der mit Fachwissen glänze, während Kommissar Neuhauser, den Mittermeier seit mittlerweile 13 Jahren verkörpert, als sympathischer Chaot angelegt ist. „Der löst seine Fälle ja eher aus Versehen.“ Mittermeier bricht im Interview eine Lanze für das komödiantische Fach: „Diese Stoffe zwischen Witz und Spannung sind mit am Schwierigsten darzustellen“, sagt er. „Für uns Schauspieler ist es durchaus anspruchsvoll, die Rolle so zu verkörpern, dass sie die Zuschauer unterhält und berührt.“
In Wien steht er für „Blind ermittelt“ vor der Kamera
Dass der Arztkittel ihn für andere Rollen unbrauchbar machen könnte, glaubt er nicht. Es sei schließlich Grundvoraussetzung für Schauspieler, dass sie wandelbar seien. Wenngleich sich die Rollen bei ihm in den vergangenen Jahren schon etwas verändert hätten, wie er bestätigt. „Heute spielen meine Kollegen in den 40ern die Liebhaber“, sagt er und lacht. Um dann zu ergänzen: „Ich bin der Meinung, dass man das Alter durchaus gewinnbringend in Filmstoffen einsetzen könnte.“ Jede Lebensphase habe ihren Reiz, das sollte noch mehr in den Drehbüchern zum Tragen kommen.
Demnächst dreht Mittermeier in Wien einen Krimi für die Reihe „Blind ermittelt“. Und am 31. Januar steht ein neuer Fall von „München Mord“ im TV-Programm. „Ein besonderer Fall“, verspricht der Schauspieler. Inspiriert sei die Geschichte von einer wahren Begebenheit – dem sogenannten Badewannen-Mord, für den ein Unschuldiger eine lebenslange Freiheitsstrafe abgesessen hatte; er wurde erst in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Gedreht wurde unter anderem im Münchner Restaurant „Tantris“. Dort ermittelt Harald Neuhauser mit seinen Kollegen Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Ludwig Schaller (Alexander Held) vor der Kulisse des echten Küchenteams des Sternelokals, verrät Mittermeier. – Und wie geht es im Sommer weiter? Vielleicht ja mit weiteren Folgen von „Einfach, Elli“, sagt Mittermeier. Und man hört heraus, dass er gern Pistolenhalfter und Arztkittel tragen möchte.
„Einfach Elli“
Klara Deutschmann spielt Rettungssanitäterin Elli Kempfer, die für eine Unfallklinik in den Bergen arbeitet. Sie wohnt auf dem Hof ihrer Mutter Luise (Clelia Sarto), die ihre Tochter allein großgezogen hat. Leo (Rainer Bock), der beste Freund ihrer Mutter, ist ein Ersatzvater für sie. Elli lebt mit ADHS und hat eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen. Sie folgt ihrer Berufung und beeindruckt Dr. Mark Sorell und dessen Sohn, Rettungssanitäter Felix Sorell. Zu Notarzt Jasper (Lucas Reiber) hat Elli ein besonderes Verhältnis. Das ZDF zeigt im März die beiden Folgen der Serie, die vorab im ZDF-Streaming-Portal laufen.