TV-Kommissar Mittermeier über Hass in den Sozialen Medien und Til Schweiger

Von Isolde Stöcker-Gietl · 26. April 2024 um 19:57

Als verpeilter Ermittler in der Krimi-Serie „München Mord“ ist der Regensburger Schauspieler ein Quotengarant. Im Regensburger Presseclub spricht er über Til Schweiger, den Druck am Set und seine private Mission in den Sozialen Medien.

Die Nichte, der Haudrauf und der Irre – so betitelte 2014 die Frankfurter Allgemeine Zeitung den ersten Krimi der Reihe „München Mord“. Das Lob des Autors ist damals überschwänglich. Die Rede ist von Qualitäten, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen lange vermissen ließ. Für Marcus Mittermeier ist die Rolle des Hallodri-Oberkommisars Harald Neuhauser eine prägende geworden. Die erste Szene, in der er pudelnackt aus dem Fenster hüpft, ist bei den Zuschauern hängen geblieben. Inzwischen ist der 20. Krimi abgedreht. Für die Jubiläumsfolge „Die indische Methode“ hat der in Regensburg lebende Schauspieler das Drehbuch geschrieben, wie er am Donnerstagabend beim Besuch im Regensburger Presseclub erzählt. Die Lust an neuen Geschichten für das schräge Ermittlertrio lenkt ihn gedanklich bisweilen sogar von der wenig geliebten Gartenarbeit ab, verrät er.

Auf den Punkt liefern

Während Iris Berben und Heiner Lauterbach gerade in den Gassen der Regensburger Altstadt einen Kinofilm drehen, plaudert Mittermeier über das Schauspielgeschäft. Die Zeiten seien schwieriger geworden. „Die Öffentlich-Rechtlichen treten bei den Produktionen auf die Bremse, was sicher auch daran liegt, dass viel über die Rundfunkgebühren diskutiert wird.“ Am Set sei der Druck hoch. Es sei eine Art von „Hochkonzentrationsleistungssport“. Die Schauspieler müssten auf den Punkt liefern. Früher sei ausgiebig geprobt worden. Jetzt gebe es drei, vier Aufnahmen, dann müsse die Szene im Kasten sein.

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Deshalb ordnet Mittermeier auch die Vorwürfe gegenüber seinem Kollegen Til Schweiger zurückhaltend ein, dem vorgeworfen wurde, am Set alkoholisiert ein Klima von Angst und Gewalt verbreitet zu haben. „Alkohol oder körperliche Gewalt am Set geht gar nicht! Dennoch muss man bei den Vorwürfen differenzieren!“ Aufgrund der hohen Anforderungen könne es durchaus zu Missverständnissen kommen, auf die unwirsch reagiert werde. „Solche Missverständnisse kommen auch immer wieder vor! Übrigens auch in anderen Berufen, in denen hoher Arbeitsdruck herrscht!“ Schweiger selbst habe sich zu den Vorwürfen dezidiert geäußert, verweist er auf den Podcast „Hotel Matze“.

„Solidarität ist mir wichtig“

Kritik an seiner Person erlebt auch Mittermeier – allerdings nicht als Schauspieler, sondern als politisch denkender Mensch. Auf „X“, ehemals Twitter, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Begonnen habe er während der Corona-Zeit. Damals machte er seine Solidarität mit Experten wie dem Virologen Christian Drosten öffentlich und unterstützte die Impf-Kampagnen. So habe er sich einen soliden Stamm an Hatern zugelegt, gibt er offen zu. „Solidarität zu zeigen ist mir wichtig“, sagt er. In die Politik werde es ihn aber nicht ziehen.

Stattdessen geht es bald zurück ans Set. Harald Neuhauser ermittelt wieder. Die Rolle ist Mittermeier ans Herz gewachsen. „Früher habe ich mich auf Prügel und Verfolgungsjagden gefreut, mittlerweile bin ich froh, dass es bei München Mord nicht mal eine Waffe gibt, die man abdrücken muss.“ Und vielleicht springt Mittermeier zum Jubiläum auch mal wieder nackt aus dem Fenster?