Die RVV-Ticketbremse für Zugfahrer im Kreis Kelheim bleibt vorerst angezogen

Der Ausstieg des Landkreises aus dem RVV-Tarif bei Zugverbindungen sorgt weiter für Debatten in der Kreispolitik – und darüber ärgert sich die ÖPNV-Abteilung im Landratsamt. Neu entschieden wird erst nach der Kommunalwahl – wenn überhaupt.
Seit Jahresbeginn gelten, wie berichtet, Tickets des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) nicht mehr auf Zugstrecken im Kreis Kelheim. Für deren Gültigkeit hatte der RVV vom Landkreis ca. 160.000 Euro pro Jahr Ausgleich verlangt. Mit Blick auf den klammen Kelheimer Kreishaushalt hatte der Mobilitätsausschuss im Oktober 2024 beschlossen, die Bahn-Vereinbarung mit dem RVV zu kündigen. Wirksam wurde das jetzt zu Jahresbeginn (für Studierende ab dem Sommersemester); daher protestieren verstärkt Betroffene; unter anderem mit zwei Online-Petitionen. Sie fordern, den Beschluss zu revidieren. Dies zumindest zu prüfen, hatten daraufhin sowohl Grüne als auch ÖDP beantragt. Im Mobilitätsausschuss gingen am Montag die Meinungen dazu auseinander.
Landrat Martin Neumeyer sagte schon eingangs, dass über jegliche Anträge erst in der nächsten Sitzung, am 24. März, entschieden werde; aktuell habe man das Thema nur kurzfristig als Information auf die Tagesordnung genommen. Für die Proteste etwa von Studierenden habe er zwar Verständnis, so Neumeyer. Aber das Sparpotenzial für den Kreishaushalt „ist schon auch eine Nummer“.
Er und Stabsstellenleiter Stefan Grüttner bezifferten es auf insgesamt 320.000 Euro. Denn es dürften auch Kelheims Ausgleichs-Zahlungspflichten an den RVV für dessen 365-Euro-Ticket sinken, rechnet man im Landratsamt: Ohne Gültigkeit im Zug dürfte es für weit weniger Kelheimer Schüler und Azubis überhaupt attraktiv sein, also weit weniger gekauft werden.
„Wir sind ein bisschen sauer“
ÖPNV-Leiter Stefan Grüttner verteidigte den Ausstieg aus dem RVV-Schienentarif und bekannte, die jetzige Debatte mache ihn und sein Team „ein bisschen sauer“: Die Forderung, im ÖPNV-Etat zu sparen, „kam von der Kämmerei und von Ihnen als Kreisräte“. Er habe daraufhin versucht, nicht bei Linien oder Fahrten zu streichen; also habe er sich auf die Tarifvergünstigungen beschränkt. Das habe er 2024 so erklärt und dafür Zustimmung bekommen. „Was Sie und ich damals nicht überrissen haben: dass die Änderung genau jetzt im Wahlkampf in Kraft tritt…“, fügte er süffisant an, was einige im Ausschuss grummeln ließ.
Für Studierende bringt der Beschluss laut Stabsstellenleiter eine Mehrbelastung von rund 17 Euro monatlich; das sei bezahlbar, befand er. Betroffen seien ferner rund 40 Schüler aus dem Landkreis. Die bzw. deren Eltern hätten sich bewusst entschieden, eine Schule in Regensburg zu besuchen und nicht die nächstgelegene im Kreis Kelheim – für die sie Anspruch auf ein Deutschland-Ticket hätten. Die einzige Gruppe, die sich nicht nennenswert beschwert habe, aber durchaus betroffen sei, seien Ältere, die nur gelegentlich Bahn fahren, ergänzte Grüttner.
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Man sitze eben zwischen den Stühlen, sagte Richard Zieglmeier, auf dessen Antrag hin Grüttner Stellung genommen hatte: Sparen müsse man; andererseits sei Kelheim nun „wohl der einzige Landkreis weit und breit“, bei dem sich ein Tarifgebiet verkleinere. Der Grünen-Politiker regte an, mit dem Freistaat nochmal über Fördermittel zu verhandeln. Annette Setzensack (ÖDP) empfahl Nachverhandlungen mit dem RVV; Dr. Heinz Kroiss regte „Verbesserungen“ für ältere Bahnreisende an; und Christian Schweiger (CSU) riet zum Kontakt mit den Regensburger Hochschulen: Diese könnten mit einer entsprechenden Erhöhung des Semesterbeitrags (den alle Studis zahlen müssen und der alle zur RVV-Nutzung berechtigt) die Gültigkeit der Bahntickets wieder bis nach Kelheim finanzieren.

Er werde all das gerne versuchen, versprach Landrat Neumeyer – er habe aber wenig Hoffnung. Dr. Andreas Fischer (SLU) nahm die Verwaltung in Schutz: „Wir waren es, die die Spar-Entscheidung getroffen haben.“ Wer sie revidieren wolle, müsse Alternativen nennen, mahnte er. In der nächsten Sitzung, am 24. März, wird das Thema erneut beraten. Der Wahlkampf ist bis dahin vorbei – Kommunalwahlen sind am 8. März.
Landkreis insgesamt zu RVV?
Auf die nächste Sitzung verschoben wurde auch die Debatte darüber, ob sich der Landkreis als Ganzes dem RVV-Tarifgebiet anschließt. Eine „Verbundraum-Studie“ hat das für mehrere Landkreise untersucht; Schwandorf sowie Stadt und Kreis Straubing haben bereits für den Beitritt gestimmt, Cham und Neustadt/Waldnaab dagegen.
Der Kreis Kelheim müsste laut Stefan Grüttner im Beitrittsjahr, quasi als „Mitgift“, rund eine Million Euro aufwenden – unter anderem für Infrastruktur; danach koste es rund 322.000 Euro jährlich. Der ÖPNV-Experte des Landratsamts riet vom Beitritt ab. Auf Antrag von Christian Schweiger wurde die Entscheidung aber verschoben – die Ausschussmitglieder wollen das Für und Wider erst genauer prüfen.