Mutter kritisiert Schulweg im Regensburger Osten: „Mache mir täglich Sorgen“

Von Jonas Raab · 19. Januar 2026 um 16:05

„Erschreckend kurz“ findet Elisabeth Jarusel die Grünphase der Fußgängerampel an der Pestalozzi Grundschule. Jarusel fordert die Stadt dazu auf, die Ampelschaltung in der Landshuter Straße anzupassen. Es ist nicht die einzige Kreuzung, die Fußgänger umtreibt. Braucht Regensburg mehr Grün?

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Täglich mache sie sich Sorgen um ihr Kind, sagt Jarusel. Vor einer Woche hat sie eine Petition gestartet. „Gerade die Kleinsten unter den Schülern, die noch langsam und bedacht die Straße überqueren, haben oft nicht genügend Zeit, um sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen, bevor das Fußgängerlicht wieder auf Rot wechselt“, schreibt die Mutter auf der Plattform change.org. Reger Abbiegeverkehr verschärfe die Situation in der Landshuter Straße zudem. „Diese Autos sind oft gezwungen, mitten auf der Kreuzung zu stehen, was die Sicht für die Kinder beeinträchtigt und ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.“ Jeder Morgen sei für die Kinder „ein kleines Abenteuer“ – eines, das ihre Sicherheit gefährde.

Landshuter Straße in Regensburg: So lange bleibt die Fußgängerampel Grün

Die Stadt hält die Grünphase der Fußgängerampel an der Pestalozzi Grundschule für angemessen. Die Schaltzeiten – sie variieren je nach Verkehrslage leicht – lägen deutlich über den erforderlichen Mindestwerten und berücksichtigten explizit die Nutzung als Schulweg, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Sie hat eine Auswertung der Verkehrsrechnerprotokolle parat. Vergangenen Donnerstag waren die Grünphasen zwischen 7.30 und 8 Uhr demnach im Schnitt 24,6 Sekunden lang. Die kürzeste dauerte 21, die längste 29 Sekunden. Die vorgeschriebene Mindestgrünzeit liege bei 13 Sekunden. Sie garantiere das Queren der Straße bis zur Mitte der gegenüberliegenden Fußgängerfurt, sagt von Roenne-Styra. Um komplett über die Landshuter Straße zu gehen, seien 18 Sekunden erforderlich.

Beschwerden zur Schaltzeit der Ampel habe es in den vergangenen Jahren keine gegeben, sagt von Roenne-Styra. Dennoch werde die Stadt die Situation mit der Polizei und dem Schulbeauftragten besprechen. „Für einen Ortstermin steht das Ordnungsamt zur Verfügung“, kündigt die Sprecherin an.

Noch mal ansehen wollte sich die Stadt auch die Ampel an der Kumpfmühler Kreuzung. „Die ist so kurz geschaltet, dass es ein normaler Fußgänger gerade so über die Straße schafft“, sagt Klaus Steiner, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Menschen mit Einschränkungen schafften es gerade einmal bis zur Mitte der Kreuzung. Das habe man Sozialbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein (CSU) mit auf den Weg gegeben.

Von Roenne-Styra sagt, dass die Anlage daraufhin geprüft worden sei. Handlungsbedarf sieht die Stadt nicht. „Jede einzelne Fußgängerfurt wurde sicherheitstechnisch überprüft und entspricht vollumfänglich den geltenden Richtlinien.“

Die Kumpfmühler Kreuzung ist die größte in ganz Regensburg. - Foto: Jonas Raab

2024 ist die Kumpfmühler Kreuzung umgebaut und der Verkehr neu geregelt worden. Unter anderem wichen die Zebrastreifen am Übergang von der Friedenstraße zur Kumpfmühler Straße Fußgängerampeln. Von Roenne-Styra zufolge sei durch den Umbau insbesondere die Situation für Radfahrer und Blinde verbesser worden. Und was ist mit Gehbehinderten? Die Kreuzung sei die größte im gesamten Stadtgebiet, sagt von Roenne-Styra. Aufgrund der „extremen Länge der Überquerungswege“ lasse es sich nicht vermeiden, dass langsame Fußgänger einen „situationsbedingten Zwischenstopp auf der sicher gestalteten Mittelinsel“ einlegen müssten. Das sei bei Kreuzungen dieser Größenordnung technisch unumgänglich.

Bundesweite Standards bei Ampelschaltung

Laut von Roenne-Styra sind die Grün- und Schutzzeiten in Regensburg so gestaltet, dass Fußgänger bei normaler Gehgeschwindigkeit stets die nächste Bordsteinkante erreichen – selbst wenn sie in der letzten Sekunde der Grünphase losgehen. Dafür sorgen bundesweite Standards.

Grün zeigt nicht die Zeit an, in der die Straße überquert werden soll – sondern die Zeit, in der Fußgänger losgehen dürfen. Die anschließende Schutzzeit wird aus Kreuzungsbreite und Gehzeit errechnet. Dabei wird eine Gehgeschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde angenommen. Die schnellste zugelassene Geschwindigkeit (1,5 Meter pro Sekunde) werde in Regensburg nicht angewandt, sagt von Roenne-Styra.

Einen festen Turnus, in dem die Schaltung einer Ampel überprüft wird, gibt es in Regensburg nicht. Laut von Roenne-Styra werde die Stadt tätig, wenn es zu Unfallhäufungen, baulichen Veränderungen, sich ändernden Verkehrsströmen (auch beim Bus- und Radverkehr) oder Hinweisen aus der Bevölkerung komme. Das hat Mutter Jarusel erreicht. Ob die Ampelschaltung in der Landshuter Straße deswegen angepasst wird, bleibt abzuwarten.