Bürger in Angst: Protest gegen Mega-Projekt der Bahn in Burgweinting wächst

Der Bürgerprotest gegen den geplanten Umschlagbahnhof der Bahn in Burgweinting wird größer. Inzwischen gibt es eine „Bürgerinitiative Containerterminal Burgweinting“. Bei einer Versammlung am Donnerstagabend feilte sie an ihrem Einspruch.
Bis 28. Januar, da läuft die zweite „Auslegungsfrist“ ab in dem Genehmigungsverfahren, will sie ihn einlegen. „Wir lehnen nicht die Planung ab, die halten wir sogar für sinnvoll, wegen des Grundgedankens,von der Straße auf die Bahn‘, aber der Standort gefällt uns gar nicht“, betonte Herbert Haala (74), Initiator der Initiative. In dem Schreiben fordern die Bürger „weitere Alternativplanungen sowie einen anderen Standort für den Container-Umschlagbahnhof, abgewendet von der vorliegenden dichten Wohnbebauung“.
Elena Kling (54), Sprecherin der Initiative, sagte: „Wir haben alle Angst.“ Circa 500 Unterschriften gegen den Standort, auf Papier und mit einer Online-Petition, sammelten Kling und ihre Mitstreiter in den vergangenen zwei Wochen. Vor knapp 30 Zuhörern machte Kling deutlich: „Dieser Bau wird sehr groß sein.“ Eine Fläche von ungefähr zehn Fußballplätzen werde das Projekt einnehmen. Circa 700 Lkw würden den Umschlagplatz anfahren. „Das bedeutet nicht nur Lärm, Staub, Licht, Abgase, sondern auch eine reale Gefahr für unsere Kinder, die unterwegs sind, die mit dem Fahrrad oder Roller in die Schule kommen.“ Auch drohten Erschütterungen und damit Wertverlust sowie Bauschäden an Immobilien sowie negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima.
Bahn: Standort erfüllt „alle wesentlichen Kriterien“
Aus Sicht der Bahn allerdings erfüllt der Standort „alle wesentlichen Kriterien“: Sie hat dort Flächen, Anschlüsse an Straßen und an die Bahnstrecke München-Regensburg sowie die „unmittelbare Nähe zu wichtigen Unternehmenskunden“. Bedienen soll der Neubau nämlich die „deutlich ansteigende Nachfrage nach Umschlagleistungen, vor allem aus der Automobilindustrie“. Mit fünf Umschlaggleisen, vier Portalkranen, Lade-, Fahr- und Abstellspuren sowie einem Gate mit Lkw-Vorstauplätzen sei er ausgelegt auf eine Umschlagkapazität von circa 230 000 Ladeeinheiten pro Jahr.

Diese Dimension beunruhigt die Bürger. „Monster“ nennt Haala das Projekt. 15 Meter seien die geplanten Lärmschutzwände hoch, 35 Meter würden die Lichtmasten nach oben ragen. Anwohnerin Vera Kling (43) sagte, an den Gleisen gebe es „drei Spielplätze und einen Bolzplatz. Wo sollen die Kinder hin?“ Carmen Schirrmacher-Spathas (55) betonte: „Es betrifft jeden Burgweintinger“, das gelte auch für die Hartinger. Anliegende Hausbesitzer hätten Anspruch auf Lüftungsanlagen, weil sie Fenster nicht mehr öffnen könnten, was „nicht akzeptabel“ sei. Hoffnung schöpfen die Bürger, weil noch das Geld vom Bund für das Projekt fehlt.
Grüne: Dass kein Geld da ist für das Terminal, sei „verheerend“
In dieser Woche räumte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Grünen-Fraktion ein, für die 267 Millionen Euro für das Terminal für den Kombinierten Verkehr (KV) gebe es trotz des Sondervermögens keine Baufinanzierungsvereinbarung. Für den Regensburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt ist das allerdings eine „verheerende Nachricht für Klima und Wirtschaft“. Der neue Güterbahnhof würde rund 36 000 Tonnen CO2 einsparen, so Schmidt – das entspreche mehr als 48 Millionen Lkw-Kilometern pro Jahr. Schmidts CSU-Kollege, Peter Aumer, hatte zuletzt im November einen Infotermin mit der Bahn in Burgweinting organisiert, die Bürgerinitiative wandte sich auch jetzt an die CSU. Der MZ teilte Aumer am Freitag mit: „Entscheidend ist, dass Regensburg grundsätzlich einen leistungsfähigen Umschlagbahnhof benötigt.“ Von der Bahn werde er „Lösungen für die Sorgen der Anwohner anfordern“.
Für die Bahn gilt: „Im Raum Regensburg gibt es keine anderen für ein KV-Terminal geeigneten Standorte“, so eine Sprecherin. Alternativen seien eingehend geprüft worden. Es würden Maßnahmen ergriffen, „um die Belastungen für die Bewohner zu reduzieren und alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten“: etwa zielgerichtete LED-Beleuchtung, lärmarme Technologien bei Verladeprozessen und eine spezielle Einfahrt für Lkw, so dass es „keine zusätzliche Verkehrsbelastung im Wohngebiet“ gebe. Zu einem möglichen Baubeginn äußert sich die Sprecherin nicht. Es steht aber fest: Da die Bahn noch kein Baurecht hat, könnte sie frühestens ab 2028 bauen – sofern das Geld da ist.