Pläne für Mega-Projekt beunruhigen Anwohner in Burgweinting

Auch ein Ortstermin in Regensburg-Burgweinting nimmt vielen nicht die Angst vor dem geplanten Güterbahnhof. Sie befürchten mehr Krach und Lkw-Verkehr – Der Projektleiter findet, dass die Kritik zu spät kommt. Andere Anlieger haben sich abgefunden und hoffen, dass sich der Baustart hinzieht.
Zum Ortstermin in Burgweinting am Montagnachmittag hat Bahn-Projektleiter Andreas Witzel Animationen des geplanten Umschlagbahnhofs mitgebracht. Sie zeigen, wie breit Überführung und Zufahrt werden. Mit seinem Schirm deutet Anwohner Herbert Haala auf die Abbildung: „Was da entsteht, ist eine Riesenbauwerk.“ Der geplante Umschlagbahnhof entstehe „verdammt nah am Wohngebiet“. Es habe mehrere Alternativen gegeben. „Aber die wurde verfolgt – sicherlich wegen des Grundbesitzes.“ Haala, der in zweiter Reihe neben den Gleisen wohnt, sieht die Dimension des Güterumschlagplatzes kritisch und befürchtet eine hohe Lärmbelastung.
Unternehmen warten darauf
Die Deutsche Bahn (DB) hat vor, rund 230.000 Container im Jahr in Burgweinting umzuschlagen. Nutzer werden das BMW-Werk, Zulieferer, aber auch die DHL-Gruppe und weitere Unternehmen sein. Dafür plant die DB fünf Umschlaggleise, vier Portalkrane, Lade-, Fahr- und Abstellspuren und ein Gate mit „Lkw-Vorstauplätzen“. 225 Millionen Euro sollen in das Vorhaben fließen. Etwa 600 Lastwagen pro Tag werden das Terminal ansteuern. Das Wohngebiet ist aber tabu für sie.
„Der Neubau bedient die deutlich steigende Nachfrage nach Umschlagleistungen“, heißt es bei der Bahn. Witzel sagte: „Wir wollen mehr Güter auf die Schiene bringen.“ Der Standort Regensburg-Burgweinting verfügt über eine sehr gute Schienen-Anbindung zu deutschen und europäischen Logistik- und Verteilzentren. Doch viele Anwohner fürchten um ihre Gesundheit und ihre Häuser. Das hat die Bürgerbeteiligung im Planungsverfahren gezeigt.
Zum Ortstermin am Montag lud die Burgweintinger CSU-Vorsitzende Ute Frei zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Aumer. Sie hatten festgestellt, dass die Anwohner nicht auf demselben Informationsstand sind und sich viele Fragen stellen. Trotz der Kälte diskutierten etwa 40 Burgweintinger auf dem unwirtlichen Park-and-Ride-Platz an den Gleisen ausgiebig mit dem Bahn-Vertreter und den Politikern. Anwohnerinnen wollen wissen, warum der Umschlagbahnhof nicht einen Kilometer weiter in Richtung Neutraubling entstehen könne, wo ein Gewerbegebiet liegt.
„Wo bleibt der menschliche Umgang?“, fragte eine Frau den Projektleiter. Sie fühle sich übergangen. Andreas Witzel konterte: „Wir sind in einer Phase, wo das zu spät kommt. Es gab genug Möglichkeiten, um die Hinweise in die Planung aufzunehmen.“ Damit meinte er etwa die elektronische Auslegung der Unterlagen im Frühjahr 2024, bei der Betroffene ihre Einwände vorbringen konnten. Zuständig ist das Eisenbahn-Bundesamt. 45 Bürger nutzten die Gelegenheit, darunter auch Herbert Haala. Erst wenn die DB über alle Einwendungen entschieden hat, fällt der Planfeststellungsbeschluss. Haala sagte: „Das wird kommen, aber je später, desto besser.“ Schließlich sei der Güterbahnhof die größte Infrastrukturanlage, die Burgweinting je gesehen hat.

Eine 54-jährige Mutter von drei Kindern kritisierte beim Ortstermin, Infoveranstaltungen zum Projekt hätten am Vormittag stattgefunden. „Da arbeiten wir.“ Jetzt plagten sie viele Sorgen. Andreas Witzel wies darauf hin, dass die Bahn modernste Technik nutze und Lärmschutzwände errichte.
Ein Vater von vier Kindern klagte über extremen Lärm, wenn nachts an den Schienen gearbeitet wird. Nicht einmal die modernen Schallschutzfenster des Familienhauses hielten den Krach ab. Dem Anwohner geht es vor allem um den durchdringenden Signalton der Baumaschinen.
Sichere Überführung kommt
Den Bau des Umschlagbahnhofs auf 15 Hektar, was ungefähr 20 Fußballfeldern entspricht, finanziert der Bund. Der Antrag auf Planfeststellung ist eingereicht. Mit dem Baustart rechnet Projektleiter Andreas Witzel 2029. Die Kleingärtner können ihre gepachteten grünen Oasen bis Ende nächsten Jahres nutzen, danach benötigt die Bahn das Gelände.
Es gibt etliche Anwohner, die nichts gegen das Terminal haben. Theresia Weiß ist froh, dass mehr Güter auf die Schiene kommen. Sie lebt rund 200 Meter entfernt. Ähnlich sieht das Rudolf Schmitzer.
CSU-Ortsvorsitzende Ute Frei ist hin- und hergerissen. Sie fürchtet dass es zu laut und hell wird. Andererseits werde das Umfeld aufgewertet, etwa mit einer breiten, für Auto- und Radfahrer sicheren Bahnüberführung.