Bahn-Tochter DB Cargo verschiebt das geplante Container-Depot in Regensburgs Osten

Von Christian Eckl · 17. Juli 2025 um 05:00

Nach Klagen, Protesten und einem geharnischten Streit im Regensburger Stadtrat wegen eines geplanten Container-Depots am Ostbahnhof plant die DB Cargo um. Sie gibt ein geplantes Depot an der Osttangente auf und tauscht dafür Flächen der bisherigen Transa GmbH im Güterverkehrszentrum dagegen ein. Die Oberbürgermeisterin ist angetan – verfügt die Stadt jetzt schlagartig über 120.000 Quadratmeter an Gewerbefläche mit Baurecht.

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Die DB Cargo AG und die Stadt Regensburg haben sich auf eine neue Lösung zur Errichtung eines Container-Depots im Osten der Stadt verständigt. Statt auf dem ursprünglich vorgesehenen Gelände im Industriegebiet Ost entsteht das neue Depot nun auf dem bisherigen Standort der Transa Spedition GmbH, einer 100-prozentigen Tochter von DB Cargo, am Regensburger Ostbahnhof. Damit dürften auch zwei Klagen vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg beziehungsweise dem Verwaltungsgerichtshof in München hinfällig sein. Das Projekt hatte im Stadtosten für massive Proteste gestorgt. Anwohner befürchteten bis zu 60 Lastwagen-Bewegungen am Tag. Dabei soll das Infrastruktur-Projekt ja eigentlich für weniger Verkehr auf den Straßen in und um Regensburg sorgen – großer Kunde der DB Cargo ist etwa das Regensburger BMW-Werk.

„Die Entscheidung markiert einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung des Güterverkehrsstandorts Regensburg“, heißt es jetzt in einer Mitteilung der DB Cargo. Ziel sei es nach wie vor, mehrere Außenflächen in einem zentralen Depot zu bündeln und damit die Verkehrsbelastung in den umliegenden Stadtquartieren zu reduzieren. „Das künftige Depot wird für Lagerung, Wartung, Reparatur und Verwaltung von Containern genutzt – direkt angebunden an das von der DB-Tochter DUSS betriebene Umschlagterminal“, heißt es weiter.

DB Cargo verlagert die Transa

„Container-Depots sind entscheidend für den internationalen Schienengüterverkehr. Die Transa-Fläche bietet aufgrund ihrer Lage am Verkehrsknotenpunkt Ostbahnhof ideale Voraussetzungen für eine schnelle und wirtschaftliche Realisierung des Projekts“, sagt Dr. Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn AG und Vorstandsvorsitzende der DB Cargo AG. Darüber hinaus ermögliche die Transa-Fläche eine schnellere und kostengünstigere Umsetzung des Projekts. „Wir haben uns daher gemeinsam mit der Stadt Regensburg entschieden, diese Variante vorrangig weiter zu verfolgen. Mit dem neuen Container-Depot können wir unseren Kunden in der Region auch zukünftig eine verlässliche Schienenanbindung anbieten.“

Das Depot soll zur Reinigung und Reparatur von Leercontainern dienen und wurde in der bisherigen Planung am Ostbahnhof von Befürwortern als Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene gesehen. Gegner kritisieren unter anderem die Zerstörung von Biotopflächen, erhöhte Lärm- und Hitzebelastung sowie die fehlende Bahnanbindung des Depots. Jetzt also die Kehrtwende: Neuer Standort und damit auch ein Punktsieg für die Kritiker.

Transa stellt ihren Betrieb Ende September ein

Hintergrund für die Umplanung des umstrittenen Terminals ist auch ein Umbau der Güterverkehrsschiene in der Deutschen Bahn. Die Transa ging aus dem 1955 gegründeten Güterverkehrs-Unternehmen der Bahn zurück. 1992 wurde der Bahnverkehr liberalisiert. Manchem wird der Begriff Stinnes AG noch etwas sagen – oder auch die Schenker AG. Die Dachfirma ist heute die DB Cargo.

Doch nun heißt es: Die Transa stellt ihren Betrieb am Ostbahnhof zum 30. September 2025 ein. DB Cargo wird das Areal anschließend als neues Container-Depot weiterentwickeln. Teile des Geländes werden bereits heute zur Lagerung von Leercontainern genutzt. Die unmittelbare Nähe zum Terminal und zur öffentlichen Eisenbahninfrastruktur erlaubt eine zügige Inbetriebnahme nach Abschluss der erforderlichen Genehmigungen.

Das nun angedachte Areal liegt mitten im Güterverkehrszentrum der Stadt. Bisher sind 7000 Quadratmeter auf dem Areal der Transa überdacht. Die Halle wird abgerissen, das Areal, über das die DB Cargo insgesamt verfügen wird, ist sogar 30.000 Quadratmeter groß. Durch den neuen Standort entsteht allerdings noch eine bemerkenswerte Situation: Direkt neben der Osttangente wird auf dem ursprünglich vorgesehenen Areal nun eine Fläche von 120.000 Quadratmetern frei, die bereits als Gewerbefläche ausgewiesen ist – ein Standortvorteil möglicherweise für Regensburg in naher Zukunft.

Einigten sich auf einen neuen Standort für das Container-Depot der Bahn-Logistiktochter DB Cargo: Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD, rechts) und Cargo-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta, hier beim Interview-Besuch bei der Mittelbayerischen Zeitung am Mittwoch. - Foto: Tino Lex

Neuer Spielraum für die Stadt

Dementsprechend zufrieden war auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Mittwoch, als sie auf die DB-Cargo-Vorstandsvorsitzende traf. „Die Einigung zeigt erneut, dass Stadt und Wirtschaft auch in herausfordernden Zeiten unter sich dynamisch entwickelnden Rahmenbedingungen verlässliche Partner sind und bleiben“, sagte das Stadtoberhaupt. Man werde die DB Cargo auch bei den Planungen auf dem nun vorgesehenen Areal unterstützen. Und die SPD-Politikerin verwies auch darauf, dass die nun freigewordenen Gewerbeflächen sofort für Investoren zur Verfügung stehen könnten.

„Der Bebauungsplan und das Baurecht bleiben somit bestehen, was kürzlich vom Verwaltungsgerichtshof in München in der abgewiesenen Normenkontrollklage bestätigt wurde“, sagte Maltz-Schwarzfischer. Zwei Klagen hatte es gegen das Depot an dem bisher vorgesehenen Standort gegeben. Eine vor dem VGH hatten die Kläger eh verloren.

Debatte verursachte damals tiefe Risse in der Rathaus-Koalition

Als der Stadtrat schon 2023 über die Maßnahme zu entscheiden hatte, war die damalige Rathaus-Koalition zwischen SPD und CSU, Freien Wählern und FDP noch intakt. Doch schon damals sorgte das Projekt für einen Spaltpilz, der die Koalition schon fast zum Platzen gebracht hätte. Teile der CSU um Stadträtin Bernadette Dechant, die selbst Mitglied der Bürgerbewegung „Innerer Stadtosten – Hohes Kreuz“ ist, hatten gegen das Vorhaben der Bahn gestimmt. Schon damals äußerte sich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) nicht amüsiert über die Weigerung von Teilen der CSU, mitzustimmen. Geplatzt ist die Koalition dann aber an der Stadtbahn beziehungsweise deren Scheitern durch ein Bürgerbegehren.