Stadt Nittenau verlieh drei Bürgermedaillen – Elisabeth Stangl posthum geehrt

Von Cornelia Lorenz · 19. Januar 2026 um 15:00

Drei besonders engagierte Nittenauer standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der Stadt: Sie bekamen die Bürgermedaille in Gold verliehen. Rathauschef Benjamin Boml (FW) dankte ihnen und auch allen anderen in Nittenau ehrenamtlich Tätigen für ihr Engagement. „Ehrenamt ist Mut. Es ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Es ist Haltung, wo andere wegschauen“, sagte er.

Zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft sowie besonders engagierte Bürger hatten sich am Freitag im Rathaussaal versammelt. Einer verdienten Nittenauerin, die an diesem Abend eigentlich die Bürgermedaille entgegennehmen hätte sollen, war dies nicht mehr vergönnt – Elisabeth Stangl war im Dezember verstorben.

Ehrenamt ist Mut. Es ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Es ist Haltung, wo andere wegschauen.Benjamin Boml, Bürgermeister

In seiner Laudatio blickte Boml auf ihr Leben zurück. „Es gibt Menschen in einer Gemeinde, die man nicht ersetzen kann. Menschen, deren Engagement nicht nur Spuren hinterlässt, sondern Maßstäbe setzt“, sagte der Rathauschef. Stangl sei die Bürgermedaille in Gold noch zu Lebzeiten zugesprochen worden – als Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit für ein Lebenswerk, das Nittenau nachhaltig geprägt habe.

Eine starke Stimme in Nittenau

Seit 1983 hat sich Stangl als Gründerin und Vorsitzende der Nittenauer Bund-Naturschutz-Ortsgruppe laut Boml unermüdlich für den Schutz der Umwelt eingesetzt. „Was einst mit einem kleinen Kreis Engagierter begann, entwickelte sich durch ihre Beharrlichkeit und Überzeugungskraft zu einer starken Stimme“, sagte er.

Doch Stangls Engagement ging noch viel weiter: Sie war Mitbegründerin der Kleiderkammer und dort über viele Jahre hinweg aktiv. Seit 1979 organisierte sie die Jagdhorngruppe Nittenau und seit 1985 brachte sie sich in die Vorstandschaft der Jägervereinigung Nittenau ein.

Bei Protest gegen die WAA an vorderster Front

Zudem war Stangl 25 Jahre lang im Naturschutzbeirat des Landkreises Schwandorf tätig. „Ihre Stimme hatte Gewicht, weil sie sachlich, fundiert und immer dem Schutz unserer Heimat verpflichtet war“, sagte Boml. Mut habe Stangl auch bewiesen, wo Widerstand nötig gewesen sei: Bei den Protesten gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf stand sie an vorderster Front.

Wer Elisabeth Stangl kannte, wusste: Wenn sie etwas anpackte, dann mit ganzer Kraft und aus tiefer Überzeugung.Benjamin Boml, Bürgermeister

1994 sei sie außerdem maßgeblich an der Entstehung des Lehrpfads „Bunter Weg“ in Nittenau beteiligt gewesen. Auch dessen Pflege und Gestaltung habe Stangl persönlich übernommen. Die Verstorbene habe stets angepackt statt zu reden. Ihr Einsatz sei „keine Pflicht, sondern Herzenssache“ gewesen. Stangls Enkelkinder Anna und Valerie nahmen anschließend die Bürgermedaille für ihre verstorbene Oma entgegen.

Ein Leben für die Neuhauser Feuerwehr

Ebenfalls mit der Bürgermedaille in Gold ausgezeichnet wurde Walter Obermeier. 50 Jahre lang leistete er laut Boml aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Neuhaus und war in dieser Zeit auch 30 Jahre lang Kommandant – „eine Ära, die geprägt war von Verlässlichkeit, Verantwortungsgefühl und einer herausragenden Ruhe, wenn andere längst die Nerven verloren hätten“, sagte der Bürgermeister. Obermeier habe in seiner Amtszeit entscheidende Entwicklungen angestoßen und begleitet.

Ein Dank an besonders engagierte Bürger: Rathauschef Benjamin Boml (l.) übergab die Urkunden feierlich an Johann Seebauer (M.) und Walter Obermeier (r.). - Foto: Oppitz

Doch auch die Eustachiuskapelle trage die Handschrift Obermeiers. Zwischen 2000 und 2001 habe er gemeinsam mit Willi Sturm den Bau der Kapelle organisiert, begleitet und mitgestaltet. Umfangreiche Malerarbeiten außen und innen, zahlreiche Renovierungsmaßnahmen gehen laut Boml auf Obermeier zurück. Auch kulturell habe er als aktiver Musikant der Stadtkapelle 57 Jahre lang die Stadt mitgeprägt und dabei Generationen zusammengeführt. Obermeier stehe für etwas, was heute selten geworden sei: für Pflichtbewusstsein, Bescheidenheit, Ausdauer und Herz.

Tiefe Verbundenheit zur Heimat

Auch Johann Seebauer freute sich über die Bürgermedaille in Gold. Seit 1986 hat der das Amt des Feldgeschworenen inne, 2005 wurde er zum Obmann gewählt. „Es gibt Tätigkeiten, die oft im Verborgenen stattfinden, die nicht laut sind, die selten im Rampenlicht stehen und doch für ein geordnetes Miteinander unverzichtbar sind“, sagte der Bürgermeister. Die Arbeit eines Feldgeschworenen gehöre zweifellos dazu. Sie erfordere Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Integrität und nicht zuletzt eine tiefe Verbundenheit zur Heimat.

Seebauer habe Strukturen gepflegt, Wissen weitergegeben, Abläufe bewahrt und zugleich modern gehalten. Zudem sei er ein sehr bodenständiger Mensch. „Das ist vielleicht keine spektakuläre Tugend, aber eine, die tragfähig ist. Eine, die unsere Gemeinschaft stabil macht“, so Boml.

Respekt für Stadtratskandidaten

Der Rathauschef würdigte in seiner Ansprache auch die grundsätzliche Bedeutung des Ehrenamts. Wer sich auf diese Weise engagiere, warte nicht auf den perfekten Plan von oben, sondern komme selbst ins Tun, denke mit und widerspreche auch, wenn es nötig sei. „Ehrenamt ist Mut. Es ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Es ist Haltung, wo andere wegschauen“, so Boml.

Der Bürgermeister sprach auch allen, die bei der Kommunalwahl für den Stadtrat kandidieren, Respekt aus. Wer im Gremium mitarbeite, müsse schwierige Entscheidungen treffen, manchmal auch gegen den Applaus – und er tue es nicht für Ruhm, sondern aus Überzeugung. Doch Demokratie ende nicht im Sitzungssaal, betonte Boml. „Sie lebt zwischen den Wahlen, im Dialog, in der Kritik, im Mitdenken.“