Neuer Chatbot sorgte auf Internetseite der Stadt Nittenau für Fake News

Von Cornelia Lorenz · 6. Januar 2026 um 05:00

Die Nittenauer Stadtverwaltung soll digitaler werden – das ist eines der Ergebnisse der Bürgerumfrage vom Sommer 2025. Um diesen Wunsch vieler Einwohner zu erfüllen, hat die Homepage der Stadt im Landkreis Schwandorf nun einen KI-Chatbot in Gestalt des Maskottchens Nittibuh bekommen. Das kleine Gespenst beantwortet seit kurzem Bürgerfragen – und hat sich dabei schon einige Späße erlaubt.

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Wer im Internet die Seite www.nittenau.de aufruft, wird dort freundlich von dem Geist mit dem großen, blauen Hut begrüßt. „Hallo, ich bin Nittibuh, der virtuelle Assistent der Stadt Nittenau. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“, fragt er. Wer eine Frage eintippt, bekommt innerhalb von Sekunden eine Auskunft.

Fantasievolle Antworten

Doch aller Anfang ist schwer: Nittibuh zeigte sich in den ersten Tagen nach seinem Einstand auf der Stadthomepage stellenweise verwirrt. Auf die Frage, wer in Nittenau Rathauschef sei und wie man ihn telefonisch erreichen könne, war der Chatbot nicht auf der Höhe der Zeit. Es handle sich um einen gewissen Thomas Boml, der schon 25 Jahre im Amt sei, bekam der Fragesteller etwa zu lesen. Bei weiteren Anfragen verwies der kleine Geist auf Fantasienamen oder ließ gar Bodenwöhrs Rathauschef Georg Hoffmann in Nittenau arbeiten – das sich außerdem angeblich irgendwo im Landkreis Landshut befinden sollte.

Wer Fragen an die Stadtverwaltung hat, kann sie auf der Homepage stellen. Die Antwort kommt sofort. Anfangs gab es Falschmeldungen. - Foto: lc

Doch wie kam Nittibuh auf solche Ideen? „Die meisten fehlerhaften Antworten entstanden durch das implementierte Cookie-Banner. Dadurch wurden bestimmte Inhalte blockiert und Nittibuh konnte zeitweise nicht auf alle Informationen zugreifen. Deshalb wusste beispielsweise die KI zeitweise nicht, wo Nittenau liegt“, erklärte Rathaussprecherin Alexandra Oppitz auf Nachfrage der Mittelbayerischen.

Rathausmitarbeiter begleiteten die Einführung

Im Sommer 2025 hatte die Stadtverwaltung eine externe Firma mit der Programmierung des Chatbots beauftragt. Das Unternehmen habe eine Förderung erhalten und der Stadt Nittenau deshalb ein vergünstigtes Angebot machen können: Die Einrichtungskosten für den Chatbot lagen laut Oppitz bei 5000 Euro. Von Seiten des Rathauses sei das Projekt intensiv begleitet worden.

Ist das Thomas Boml? Knapp daneben. Mittlerweile hat der Chatbot den richtigen Vornamen des Bürgermeisters, Benjamin, gelernt. - Foto: lc, Archiv

Dazu gehörten laut Oppitz umfangreiche Testläufe, das Ausprobieren verschiedener Funktionen, das Einpflegen relevanter Informationen, die Aktualisierung der städtischen Homepage sowie Auswahl und Aufbereitung der wichtigsten Inhalte. Anschließend seien alle Abteilungen des Rathauses eingebunden worden, um typische Bürgeranliegen zu prüfen, und das System zu optimieren.

Chatbot ist weiterhin in der Testphase

„Anfang November sind wir ohne große Ankündigung online gegangen, um Nittibuh zunächst in Ruhe unter realen Bedingungen testen zu können“, sagt Oppitz. Der Chatbot befinde sich weiterhin in einer Testphase, weshalb gelegentlich noch unvollständige oder fehlerhafte Angaben auftreten könnten. Das sei bei der Einführung neuer technischer Lösungen üblich und werde sich in den kommenden Wochen weiter verbessern. In den nächsten Wochen werde die Stadt außerdem ein kostenloses Update erhalten, das Nittibuh schneller und effizienter machen und die Antwortgenauigkeit weiter verbessern soll.

Viele Standardfragen können bereits vorab beantwortet werden. Bis es zu einer spürbaren Entlastung kommt, wird sich Nittibuh jedoch erst weiter etablieren müssen.Alexandra Oppitz, Rathaussprecherin

Mit Anlaufschwierigkeiten in Sachen Chatbot steht die Stadt Nittenau keineswegs allein da. Die Stadt Ulm beispielsweise nutzt auf ihrer Homepage den „Ulmer Spatz“ als virtuellen Assistenten – und auch dieser verbreitete in der ersten Zeit Fake News: Den Ulmer Oberbürgermeister ließ er beispielsweise der CDU anstatt der SPD angehören. Außerdem erfand der virtuelle Spatz beispielsweise eine Straßenbahnlinie, die es in Ulm gar nicht gibt.

Nach Kirchenaustritt gefragt

Seit rund zwei Monaten ist Nittibuh nun offiziell für die Stadt Nittenau im Einsatz – und hat mittlerweile eine Reihe von virtuellen Gesprächen mit Bürgern geführt. Vom 11. November bis 11. Dezember beispielsweise waren es laut Oppitz rund 100 Chats mit 5,4 ausgetauschten Nachrichten pro Chat. Am meisten nachgefragt seien Themen wie Personalausweis, Wohnsitzanmeldung, Online-Terminbuchung, Kirchenaustritt oder Stellenangebote. Auch nach Veranstaltungen und Infrastruktur wie etwa Recyclinghof oder Wassergebühren wurde bereits gefragt.

Nittibuh ist natürlich nicht zum Spaß auf der städtischen Homepage unterwegs – er soll durch seine Antworten auf Bürgerfragen die Mitarbeiter im Rathaus entlasten. Erste Effekte seien durchaus spürbar, heißt es von Seiten der Stadt. „Im Standesamt sind beispielsweise die Anrufzahlen bereits zurückgegangen“, sagt Oppitz.

Nittibuh soll auch komplexe Fragen beantworten

Nun müsse Nittibuh erst einmal bekannter werden. „Viele Standardfragen können bereits vorab beantwortet werden. Bis es zu einer spürbaren Entlastung kommt, wird sich Nittibuh jedoch erst weiter etablieren müssen“, lautet das Fazit der Rathaussprecherin. Langfristig arbeite man darauf hin, dass der Chatbot nicht nur einfache, sondern auch komplexere Anliegen zuverlässig beantworten könne.