Kritik am Personalstand im Rathaus Nittenau: So erklärt Bürgermeister Boml die steigenden Kosten

Von Cornelia Lorenz · 20. September 2025 um 11:00

Immer wieder wird Kritik an der Personalpolitik im Nittenauer Rathaus (Landkreis Schwandorf) laut – und zum Teil wird sie in massiver Form geäußert: Altbürgermeister Karl Bley (SPD) etwa attestierte seinem Nachfolger Benjamin Boml (FW), über einen immer größer werdenden „Hofstaat“ zu verfügen. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

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Boml nimmt solche Attacken einerseits relativ gelassen auf. „Es ist ok, wenn Herr Bley mich persönlich kritisiert“, sagt er. Andererseits: Die Rathausmitarbeiter pauschal als „Hofstaat“ zu bezeichnen, sei „derart abschätzig“ und deshalb nicht akzeptabel, so der Bürgermeister gegenüber der Mittelbayerischen.

Aktuell sind bei der Stadt Nittenau nach Angaben aus dem Rathaus 47 Vollzeitkräfte angestellt. Darüber hinaus gibt es 52 Teilzeitkräfte sowie zwei Auszubildende und vier Beamte. Im Jahr 2025 sind bislang rund 3,04 Millionen Euro an Personalkosten aufgelaufen. Bis Jahresende wird diese Zahl voraussichtlich noch um weitere 1,5 Millionen auf eine Gesamtsumme von rund 4,5 Millionen Euro klettern.

Dass die Ausgaben für das Personal in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt haben, ist eine Tatsache – und sie ist auch dem Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband (BKPV) aufgefallen. Anlass war die standardmäßige Prüfung der Jahresrechnungen der Stadt Nittenau für die Zeit von 2019 bis 2022.

Um 27 Prozent gewachsen

In diesen vier Jahren haben die Personalkosten 19,6 Prozent der Gesamteinnahmen im Verwaltungshaushalt ausgemacht. Zudem stellte der BKPV fest, dass die Ausgaben für die Mitarbeiter innerhalb des Prüfungszeitraums um 27 Prozent gestiegen seien - und damit um 603 000 Euro pro Jahr.

Laut Prüfungsverband liege die Stadt Nittenau mit diesem Plus über der allgemeinen Personalkostensteigerung, die infolge von Besoldungs- und Entgeltanpassungen 8,2 bzw. 7,1 Prozent betrage. Die deutlich höhere Steigerung in Nittenau führte der BKPV in seinem Prüfbericht auf Stellenhebungen, dienstaltersbedingte oder leistungsbedingte Steigerungen und auch auf die Erhöhung des Personalstands zurück.

Bürgermeister Boml ist überzeugt, dass diese Maßnahmen nötig waren und führt dafür einige Beispiele an. Bis 2019 habe der frühere Geschäftsleiter Jakob Rester parallel auch die Kämmerei geleitet. Wie dieser ein solch enormes Arbeitspensum überhaupt habe bewältigen können, nötigt Boml heute noch Respekt ab. Nach dem Weggang Resters allerdings habe man die Aufgaben getrennt und zusätzlich zum Geschäftsleiter auch einen Kämmerer eingestellt.

Ich bin ein Fan davon, dass Leute fair bezahlt werden.

Benjamin Boml, Bürgermeister

Außerdem verweist Boml auf die Ergebnisse einer Untersuchung, die im Jahr 2019 für das Nittenauer Rathaus vom Stadtrat beschlossen worden sei. Damals habe man unter anderem herausfinden wollen, ob Rathausmitarbeiter mit ihren Aufgaben überlastet seien. Dabei sei herausgekommen, dass „nicht wenige Mitarbeiter“ in Sachen Gehalt zu niedrig eingruppiert gewesen seien, was man infolgedessen behoben habe. „Ich bin ein Fan davon, dass Leute fair bezahlt werden“, sagt der Rathauschef.

Darüber hinaus sei bei der Untersuchung durch ein externes Büro herausgekommen, dass das Bauamt im Rathaus „deutlich unterbesetzt“ gewesen sei, erinnert Boml. Deshalb habe man hier eine neue Ingenieursstelle im Bereich Tiefbau geschaffen.

Nicht zuletzt habe eine angekündigte Gesetzesänderung zu Handlungsbedarf geführt: Gemeinden müssen künftig auf Leistungen, die auch private Unternehmen erbringen können, Umsatzsteuer abführen. Dafür benötige man eine Fachkraft, sagt Boml. Das gelte auch für das Jugendzentrum Junit. Leider habe sich hier kein ehrenamtlicher Betreuer gefunden, weshalb die Stadt eine neue Stelle habe schaffen müssen.

Neben solchen personellen Zuwächsen, die unabdingbar gewesen seien, gebe es auch Veränderungen, die ihm einfach persönlich sehr am Herzen gelegen seien, erklärt der Rathauschef. Der alte Empfangsbereich im Rathaus habe ihn immer gestört, weshalb er sich für den neuen Service-Point stark gemacht habe. Auch die neu geschaffene Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sei ihm ein persönliches Anliegen gewesen, betont Boml.

Dadurch könne die Stadt den Bürgern und Vereinen in vielen Bereichen umfassenden Service anbieten, zum Beispiel bei der Organisation von Veranstaltungen wie etwa dem Weihnachtsmarkt. „Natürlich sind das freiwillige Aufgaben“, betont Boml. Darauf verzichten wolle seiner Erfahrung nach aber auch niemand.

Kein Alleingang

Angriffe von Kritikern auf die Personalentwicklung im Nittenauer Rathaus nimmt der Bürgermeister insgesamt sportlich. „Das wurde alles vom Stadtrat so abgesegnet. Ich kann keine einzige Stelle im Alleingang schaffen“, sagt er. Jedes Ratsmitglied könne bei der Haushaltsplanung auch den Stellenplan unter die Lupe nehmen. „Wenn einer nachher sagt, er hat nichts gewusst, dann hat er nicht gescheit gelesen“, sagt der Bürgermeister. Doch solche Töne von Stadträten, egal welcher Fraktion, seien ihm bislang ohnehin kaum zu Ohren gekommen. „Gepolter“ komme eher von Seiten des SPD-Ortsvereins.

Die Hinweise des BKPV zum Wachstum der Personalkosten im Nittenauer Rathaus haben für die Stadt derweil keine Konsequenzen. Auf Nachfrage der Mittelbayerischen erklärte der stellvertretende geschäftsführende BKPV-Direktor Peter Latz, die gestiegenen Werte bei den Personalkosten der Stadt Nittenau seien im Prüfungszeitraum „im Vergleich zu anderen bayerischen Gemeinden unauffällig“ gewesen. „Daher haben wir hinsichtlich des Personalstands und der Personalkosten keine weitergehenden Empfehlungen ausgesprochen“, so Latz.

Das Freibadteam braucht nächstes Jahr Verstärkung: Bürgermeister Benjamin Boml (r.) und Schwimmmeister Andreas Hanka (l.) hoffen, eine zusätzliche Fachkraft zu finden. - Foto: Alexandra Oppitz

Dass es auch 2026 Zuwachs beim Personal geben wird, ist laut Boml unvermeidlich: Für das Freibad benötige man aufgrund des Wegfalls eines Teilzeitmitarbeiters eine zusätzliche Fachkraft. Auch darüber herrsche im Stadtrat bereits Einigkeit.