Verkehr der Zukunft: Wird die Stadtbahn in Regensburg zum Wahlkampfthema?

Von Philip Hell · 18. Januar 2026 um 05:00

Sie ist Geschichte – oder? Das Thema Stadtbahn in Regensburg geistert auch knapp zwei Jahre nach der Ablehnung durch die Bürger durch den Wahlkampf. Manche Parteien erteilen eine klare Absage, während andere offen dafür werben.

Video ansehen

Die CSU steht zum Stadtbahn-Nein. Das betonte OB-Kandidatin Astrid Freudenstein unlängst im Gespräch mit der MZ. Das Projekt spiele für ihre Partei keine Rolle mehr. „Wir respektieren das Votum der Bürger“, so Freudenstein. Die CSU-nahe Nachwuchsliste „Zukunft Regensburg“ spricht sich dagegen für eine Prüfung der Stadtbahn aus.

Helene Sigloch, OB-Kandidatin der Grünen, macht keinen Hehl daraus, noch immer enttäuscht vom Ausgang des Stadtbahn-Votums zu sein. „Das wird uns um Jahre zurückwerfen“, sagt sie. Prominent mit der Tram um Wählerstimmen zu werben, hält sie dennoch nicht für klug. „Der Ausgang des Bürgerentscheids hat geschmerzt, aber mir ist es wichtig, den Willen der Bürger zu respektieren. Das würde ich als Bürger auch erwarten.“ Der Tram-Traum ist für Sigloch allerdings noch lange nicht ausgeträumt.

Sie betont: „Wenn aus der Bevölkerung der starke Wunsch nach einer Straßenbahn kommt, bin ich dem gegenüber natürlich aufgeschlossen.“ Fest steht: „Wir müssen etwas für einen höherwertigen Verkehr tun.“ Ein erster Schritt sei ein leistungsfähigeres Bussystem, das man zukünftig auch auf eine Schiene ausbauen könne. Die Grüne Jugend plädiert dagegen klar für eine Stadtbahn.

SPD über Verkehr in Regensburg: Thema „ohne ideologische Scheuklappen anpacken“

Thomas Burger, SPD-Kandidat für den Oberbürgermeister-Posten, betont: „Ein höherwertiger ÖPNV ist für mich Chefsache und ein dringendes Schlüsselthema für die Zukunft des Standorts Regensburg.“ Er würde das Thema mit einem stringenten Projektmanagement ohne ideologische Scheuklappen anpacken. Seiner Ansicht nach habe ein schienengebundenes System viele Vorteile, wenn es aber eine bessere Lösung gebe, dürfe man sich dem nicht verschließen, betont Burger.

Die Brücke beschäftige sich nicht mit dem Thema Stadtbahn, betont Spitzenkandidat Thomas Thurow. In seinen Augen solle man nun das Pilotprojekt mit größeren Bussen abwarten.

Stadtbahn in Regensburg. Sorge um Förderung

Die ÖDP stehe nach wie vor hinter dem Projekt Stadtbahn, betont die Fraktionsvorsitzende Astrid Lamby. „Diese Stadt ist inzwischen so groß, dass das Bussystem schon jetzt an seine Grenzen stößt.“ In ihren Augen sei es wichtig, die Tram möglichst bald wieder ins Rollen zu bekommen, andernfalls müsse man das Projekt möglicherweise ohne Förderungen stemmen. „Das wäre wohl eine Hausnummer zu groß.“ Auch im Wahlkampf werde das Thema eine Rolle spielen, betont Lamby. Die Kernzielgruppe der ÖDP habe ja stets hinter dem Projekt gestanden. „Wie groß das Thema im Wahlkampf wird, wird sich in der Diskussion zeigen.“

Sebastian Wanner, OB-Kandidat der Linkspartei, sagt auf Anfrage, dass seine Partei für eine Stadtbahn mit einem ergänzenden Oberleitungssystem für Busse ist. Zudem solle der ÖPNV in Regensburg in seinen Augen kostenlos werden. Das Thema Stadtbahn spiele zwar durchaus eine Rolle im Wahlkampf – der Fokus liege allerdings deutlich auf sozialen Themen. Verbrannt sei die Thematik jedenfalls nicht. „Es war ja nur knapp die Hälfte gegen das Projekt, nicht 70 oder 80 Prozent.“ Bei seinen Haustürgesprächen im Stadtnorden habe er den Eindruck gewonnen, dass dort nur über die negativen Seiten der Stadtbahn informiert wurde. „Es gab keine positive Vision.“

Stadtbahn in Regensburg: Gegner und Befürworter nach wie vor uneins

Christian Pöschl von Gleisfrei Regensburg betonte unlängst im MZ-Gespräch, dass er nicht damit rechne, dass die Stadtbahn schnell wieder zum Thema wird. „Wer sich die Stadtfinanzen anschaut, wird feststellen, dass ein solches Projekt sehr weit in der Zukunft liegt.“ Zumal das Projekt ohnehin keine Verbesserung für den Verkehr bringen würde.

Bernd Edtmaier ist Vorsitzender vom Verein Mobilität in Regensburg. Noch sei der Verkehr in Regensburg im Rahmen. Durch verschiedene Baumaßnahmen, wie etwa die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels, könne es jedoch sein, dass es in der Stadt einen Verkehrskollaps gebe. „Dabei plädiert unser Verein dafür, den ÖPNV und den Radverkehr zu stärken.“ Das müsse nicht mit einer schienengebundenen Lösung geschehen, sagt Edtmaier.

Aber: „Wir sehen im Moment keine bessere Lösung als die Stadtbahn.“ In seinen Augen müsse im Wahlkampf nicht unbedingt mehr über eine Stadtbahn gesprochen werden, sondern über eine Lösung für das Verkehrsproblem im Allgemeinen. Edtmaier ist Listenkandidat der SPD. Die Sozialdemokraten werben nicht offensiv mit einer Stadtbahn. Edtmaier begrüßt das. „Man darf sich keine Türen zumachen.“ Es gehe nicht um Schienen, sondern um eine Lösung des Problems.