„Zukunft Regensburg“: CSU-nahe Nachwuchs-Liste spricht sich für Stadtbahn aus

Es ist ein heißes Eisen: Die Gruppe „Zukunft Regensburg“, die bei der Kommunalwahl in Regensburg antreten will, packt das Thema Stadtbahn wieder aufs Tableau. Pikant: Auf der Liste stehen zahlreiche CSU-Mitglieder.
Unter dem Punkt „Mobilität und Infrastruktur“ auf der Webseite fordert Zukunft Regensburg neben dem Bau von Fahrradstrecken und Nachtbussen an jedem Tag die „Prüfung einer Straßenbahn mit sinnvoller Linienführung, fahrradfreundlichen Schienen und ohne Mischverkehr“. Mit Blick auf den Bürgerentscheid im Mai 2024 ist das eine Forderung, die knapp die Hälfte der Regensburger durchaus unterschreiben würde.
„Wurden oft darauf angesprochen“: Spitzenkandidat erklärt das Ja zur Stadtbahn in Regensburg
Das Interessante an dem Vorhaben ist allerdings, dass auf der Liste von „Zukunft Regensburg“ zahlreiche Menschen stehen, die auch in der CSU engagiert sind – unter anderem Spitzenkandidat Alexander Ammelounx. Der ist Regensburg-Chef der Jungen Union. Die CSU sprach sich in der Debatte um die Stadtbahn allerdings immer gegen die Tram aus. Woher also der Sinneswandel?
„Wir wurden oft darauf angesprochen“, sagt Ammelounx auf MZ-Anfrage. Daher habe man beraten – und sei zu der Entscheidung gekommen, offen für eine Stadtbahn zu sein. „Wir wollen das Mobilitätskonzept auf neue Füße stellen.“ Dazu gehöre eben auch die erneute Prüfung einer Stadtbahn – mit einer Einschränkung allerdings. „Die damals geplante Streckenführung hat uns nicht zugesagt.“
Nicht immer auf CSU-Linie: „Zukunft Regensburg“ hat eigene Ideen
Freilich gebe es eine gewisse Nähe zur CSU – etwa die Hälfte der Liste von Zukunft Regensburg sei zugleich bei der Jungen Union engagiert, sagt Ammelounx. „Wir sind aber unabhängig“, unterstreicht der Spitzenkandidat. Bei dem Projekt gehe es darum, verschiedene Leute mit verschiedenen Ideen an einen Tisch zu bringen – ohne, dass es dafür ein Parteibuch braucht. Dabei könne auch durchaus mal ein Vorschlag erwachsen, der nicht auf CSU-Linie steht. „Die Stadtbahn ist da ein gutes Beispiel.“
CSU-Oberbürgermeisterin-Kandidatin Astrid Freudenstein sieht den Vorstoß von Zukunft Regensburg indes gelassen. „Das ist ein eigenständiger Verein mit einer eigenständigen Willensbildung.“ Eine Stadtbahn spielt in den Plänen der CSU für die Mobilität in der Domstadt keine Rolle mehr, betont Spitzenkandidatin Freudenstein. „Wir respektieren das Votum der Bürger“, betont sie.
Vorstoß im Regensburger Wahlkampf: Stadtbahn-Befürworter jubeln
Bei den Bahn-Befürwortern sorgt der Vorstoß von Zukunft Regensburg dagegen für Jubel. Jan Maschek ist Vereinsvorsitzender der Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn und sagt, er sei eher zufällig über die Forderung der Liste gestolpert. In seinen Augen führt kein Weg an einer Tram vorbei. „Es traut sich allerdings keiner so richtig an das Thema ran.“ Dabei hätten die Bürger im Mai 2024 nur die damaligen Pläne für das Projekt – nicht aber die Straßenbahn als solche abgewählt. Als Interessengemeinschaft stehe man in engem Austausch mit allen politischen Funktionären, betont Maschek. Mit wenigen Ausnahmen sei auch die CSU früher für eine Stadtbahn gewesen, betont er. Irgendwann habe sich der Wind gedreht.
Es traut sich keiner so richtig an das Thema ran.Jan Maschek, Stadtbahn-Befürworter
Dass der Vorstoß nun aus der Richtung der CSU komme, finde er nicht schlecht. „Vielleicht sind das ja die Leute, die in der CSU schon immer für eine Stadtbahn waren.“ Für Maschek steht jedenfalls fest, dass es mit einer Stadtbahn allein nicht getan ist. Er plädiert für eine Stadtumlandbahn, die vom Landkreis Schwandorf bis nach Regensburg und dann weiter nach Langquaid reicht. Ohne eine solche Lösung, da ist sich Maschek sicher, werde Regensburg spätestens mit der Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels ein riesiges Problem mit Pendlern bekommen.
Stadtbahn-Gegner bleiben gelassen
Christian Pöschl von Gleisfrei Regensburg sieht die Sache freilich anders. Er geht Stand jetzt davon aus, dass es in absehbarer Zeit keinen neuen Anlauf für eine Stadtbahn geben wird. „Wer sich die Stadtfinanzen anschaut, wird feststellen, dass ein solches Projekt sehr weit in der Zukunft liegt.“ Darüber hinaus bringe eine Tram ohnehin keine spürbare Entlastung für Regensburg. „Auch die Platzthematik wird sich nicht ändern“, betont Pöschl. Die Forderung von Zukunft Regensburg sei ihm bekannt, er habe auch schon mit Vertretern der Liste gesprochen. Er hoffe allerdings darauf, dass die künftige Stadtspitze Abstand nimmt von dem Projekt.
Wer sich die Stadtfinanzen anschaut, wird feststellen, dass ein solches Projekt sehr weit in der Zukunft liegt.Christian Pöschl, Gleisfrei Regensburg
Zurück zur Zukunft Regensburg: Mit einer absoluten Mehrheit kann die Liste nicht rechnen – vielmehr geht es gerade noch darum, Unterschriften zu sammeln. Wie viele kleinere Wahlvereinigungen muss auch die Ammelounx-Gruppe erst einmal genügend Unterstützer animieren. Der Kleinpartei Volt geht es da ähnlich. Zukunft Regensburg fehlen noch 430 Stimmen. „Es wird ein knappes Rennen“, sagt Ammelounx. „Wir müssen uns noch ordentlich ranhalten.“
Diese Parteien fordern eine Stadtbahn
• Grüne: Die Grünen setzen sich laut Wahlprogramm „für die entschlossene Wiederaufnahme der Arbeiten an einer Stadtbahn ein“. Diese soll durch den Anschluss an die Nachbargemeinden optimiert werden. Bis dahin will die Partei auf Busse setzen.
• ÖDP: Auch die ÖDP steht weiterhin hinter der Stadtbahn, betont OB-Kandidat Benedikt Suttner. Ziel der Partei sei es, die Öffentlichkeit im Kommunalwahlkampf über die Vorteile der Tram aufzuklären, betont der Spitzenkandidat.
• Volt: Die Europa-Partei Volt schreibt in ihrem Wahlprogramm für die Kommunalwahl: „Der Bau einer Stadtbahn ist dabei ein Schlüsselprojekt, um Menschen schnell, günstig und umweltfreundlich ans Ziel zu bringen“.