Rettete ein Griff in die Hoden ihr Leben? Mord-Attacke auf Prostituierte in Regensburg

Von Philip Hell · 15. Januar 2026 um 16:58

Prozessauftakt vor dem Landgericht Regensburg: Einem Deutschen (45) wird vorgeworfen, versucht zu haben, eine Prostituierte zu erwürgen. Am ersten Verhandlungstag sprach die Chinesin von Todesangst.

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Die Tat soll sich in einem Haus in der Landshuter Straße abgespielt haben. Dort, nur einen Steinwurf vom Polizeipräsidium entfernt, gehen Prostituierte ihrer Arbeit nach. An einem Sonntag im November 2024 wollte der gebürtige Niederbayer eine der Damen aufsuchen. Laut Anklage streunte er durch das Haus, klingelte und klopfte. Eine damals 51-jährige Chinesin öffnete schließlich, so die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte fragte, ob er ihre Dienste für drei Stunden in Anspruch nehmen könne. Die Prostituierte willigte der Anklage zufolge ein und verlangte 450 Euro – allerdings nicht sofort. Das Geld soll der 45-Jährige nicht gehabt haben.

Mann drosselte Prostituierte in Regensburg

Der Niederbayer wollte der Staatsanwaltschaft zufolge zunächst duschen. Die Prostituierte soll ihn dann in die Dusche geführt haben. Sie beugte sich nach vorne – woraufhin der Mann eine Kordel um ihren Hals legte und sie würgte. Zwei Minuten soll der Mann die Frau gedrosselt haben, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Die Prostituierte habe versucht, sich zu wehren, so die Anklage. Von verzweifelter Gegenwehr ist die Rede. Mit letzter Kraft, so die Staatsanwaltschaft, bekam die Frau den Hoden des Angreifers zu packen. Sie griff zu, woraufhin der 45-Jährige von ihr abließ.

Der Mann flüchtete daraufhin aus dem Haus. Auf seinem Weg auf die Straße wurde er gefilmt. Wenige Stunden später stellte er sich bei der Polizei. Zum Prozessauftakt am Donnerstag zog es der Angeklagte vor, zu schweigen. Er werde sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern, sagte sein Rechtsanwalt Georg Karl. Die Staatsanwaltschaft wirft seinem Mandanten versuchten Mord vor.

Ich dachte, ich sterbe.Prostituierte

Die Prostituierte sagte am Donnerstag im Zeugenstand aus. Sie sei zunächst froh um den Kunden gewesen. Mit den versprochenen 450 Euro habe sie den größten Teil ihrer Miete schon wieder finanziert gesehen. Sie habe nicht mit einem Angriff gerechnet, als sie dem Mann das Bad zeigte. Sie habe sich stark gewehrt. „Er hat immer weitergemacht.“ Minuten habe ihr Todeskampf gedauert. „Ich dachte, ich sterbe.“ Sie habe versucht zu treten, irgendwann sei es ihr gelungen, einen Körperteil zu packen zu bekommen. Ob es die Hoden waren? Das könne sie nicht mehr sicher sagen, sagte die Chinesin. „Auf jeden Fall hatte er Schmerzen.“ Seit dem Vorfall sei sie ängstlicher, lasse sich nurmehr mit älteren Kunden, die sie schon kenne, ein.

Versuchter Mord in Regensburg? Urteil soll noch im Januar fallen

Der Hausmeister des Anwesens berichtete am Donnerstag davon, wie er die Prostituierte nach dem Vorfall vorgefunden habe. Sie habe geweint, geschrien und nach Luft geschnappt, sagte er. Er habe sich schließlich darum gekümmert, die Polizei zu rufen.

Eine andere Prostituierte, die zeitgleich in einem anderen Appartement arbeitete, berichtete im Zeugenstand, dass sie den Vorfall zwar nicht direkt gesehen habe, er sie aber immer noch beschäftige. „Seither lebe ich in Angst.“ Sie habe Probleme damit, ans Telefon zu gehen. Unter Tränen sagte sie an den Vorsitzenden Richter Polnik gerichtet: „Ich hoffe ich sterbe nicht wie die andere Frau. Sie wissen, dass in der Landshuter Straße schon eine Frau gestorben ist.“ Sie bezog sich dabei auf einen Fall 2017, bei dem eine Prostituierte in dem Haus ermordet wurde.

Der Prozess um den Vorfall im November 2024 wird fortgesetzt. Ein Urteil soll Ende Januar fallen. Dem Angeklagten droht im Fall einer Verurteilung eine hohe Haftstrafe.