Damit die Speisekammer immer gefüllt ist: Ernährungssicherheit stand in Nabburg im Fokus

Wie krisenfest ist die Versorgung mit Lebensmitteln – und welche Rolle spielt dabei die heimische Landwirtschaft? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des „Tags des ländlichen Raums“, zu dem der Bayerische Bauernverband (BBV) am Samstag nach Nabburg eingeladen hatte. Zahlreiche Bäuerinnen und Bauern sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden diskutierten über Ernährungssicherheit, internationale Handelsbeziehungen und die Zukunft der Landwirtschaft.
Kreisobmann Josef Irlbacher machte in seiner Einführung deutlich, dass Ernährungssicherheit nicht erst bei Lieferketten oder Supermarktregalen beginne. Lebensmittel müssten produziert werden – unter zunehmend anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Klimawandel, geopolitische Krisen und politische Vorgaben führten aus seiner Sicht zu wachsenden Unsicherheiten für die Betriebe. Als Beispiele nannte er den Rückgang der Viehhaltung, das Schließen von Schlachthöfen und Metzgereien sowie den Wegfall bewährter Wirkstoffe im Pflanzenschutz.
Landrat Thomas Ebeling (CSU) ordnete das Thema in einen größeren gesellschaftlichen Kontext ein. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Versorgung keine Selbstverständlichkeit sei – weder bei Energie noch bei Lebensmitteln. Gerade in Krisenzeiten sei eine funktionierende heimische Landwirtschaft ein zentraler Pfeiler der Daseinsvorsorge. Der Landkreis sehe sich dabei als Partner der landwirtschaftlichen Betriebe.
Die Leistung anerkennen
Auch Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) unterstrich die Bedeutung der Landwirtschaft für die Region. Oft werde ihre Leistung erst dann wahrgenommen, wenn Strukturen ins Wanken gerieten. Eine stabile regionale Versorgung sei jedoch ein Standortfaktor, der langfristig gesichert werden müsse.

Deutliche Worte fand Ely Eibisch, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands in der Oberpfalz. Er sprach über strukturelle Herausforderungen für die Betriebe und kritisierte politische Entwicklungen, die aus Sicht vieler Landwirte zusätzliche Belastungen mit sich brächten. Auch internationale Handelsabkommen müssten genau bewertet werden, da sie unmittelbaren Einfluss auf Preise und Wettbewerbsbedingungen hätten.
Ein zentrales Thema des Tages war das derzeit hochaktuelle Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Ziel des Abkommens ist der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen in einem Wirtschaftsraum mit rund 780 Millionen Menschen. Befürworter sehen darin Chancen für Exportwirtschaft und internationale Zusammenarbeit.
Viele Landwirte sind skeptisch
In der Landwirtschaft stößt das Vorhaben jedoch vielfach auf Skepsis: Befürchtet werden Preisdruck durch günstigere Importe sowie Wettbewerbsnachteile aufgrund unterschiedlicher Produktions-, Umwelt- und Tierschutzstandards.
In ihrem Vortrag ging Martina Englhardt-Kopf (CSU), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, auf diese Spannungsfelder ein. Sie betonte die Bedeutung regionaler Wertschöpfung und einer leistungsfähigen heimischen Landwirtschaft, sprach sich zugleich aber für fairen Handel und internationale Vernetzung aus. Entscheidend sei, dass Schutzmechanismen greifen. Sollten etwa bei Rind- oder Geflügelfleisch Preise deutlich unter Druck geraten, müsse politisch gegengesteuert werden, um Schaden von den Betrieben abzuwenden.
Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Englhardt-Kopf in einem kurzen Gespräch noch klarer zu dieser Balance. Ein Scheitern der heimischen Landwirtschaft dürfe es nicht geben, betonte sie. Gleichzeitig sei Deutschland als global vernetztes Land auf Importe angewiesen – etwa bei Kaffee oder Zitrusfrüchten – und wolle selbst exportieren. Handel sei notwendig, dürfe aber nicht zulasten der regionalen Betriebe gehen. Wichtig seien daher wirksame Schutzklauseln, um im Bedarfsfall eingreifen zu können, falls einzelne Märkte unter Druck gerieten.
Eine Fülle interessanter Themen
Nach den Reden setzten die Teilnehmer den Austausch in kleineren Runden fort. Leitfragen des Bauernverbands bildeten dabei den Rahmen: Kann Ernährungssicherheit im Krisenfall durch Importe gewährleistet werden – oder steht die regionale Versorgung auf dem Spiel? Welche Folgen haben der Rückgang der Viehhaltung sowie das Schließen regionaler Schlacht- und Verarbeitungsstrukturen? Weitere Diskussionspunkte waren die Versorgung der Landwirtschaft mit Energie und Betriebsmitteln sowie die zunehmende Belastung in den Betrieben. Die Gesundheit von Bäuerinnen und Bauern wurde dabei als entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft hervorgehoben.
Der „Tag des ländlichen Raums“ machte deutlich, wie eng globale Entwicklungen und regionale Strukturen miteinander verknüpft sind – und dass Ernährungssicherheit sowohl politische Entscheidungen als auch stabile heimische Betriebe voraussetzt.