Internationales Jahr der Landwirtin – Schwandorfer Landfrauen werben für mehr Anerkennung

Von Philipp Breu · 6. Januar 2026 um 05:00

Egal ob Viehhaltung, Ackerbau, Direktvermarktung oder neue Betriebszweige: Bäuerinnen setzen neue Impulse im ländlichen Raum. Sie sind traditionsbewusst, aber auch kreativ. „Wir Landfrauen kümmern uns um weit mehr als Kinder, Küche und Kühe“, sagt Sabine Schindler. Das will die Kreisbäuerin für den Landkreis Schwandorf im neuen Jahr deutlich machen. Rückenwind gibt es von den Vereinten Nationen (UN).

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Die haben 2026 nämlich zum internationalen Jahr der Landwirtin erklärt. Ziel ist es, die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft weltweit ins Rampenlicht zu rücken, strukturelle Ungleichheiten anzugehen und auf die Bedeutung ihrer Arbeit für Ernährungssicherheit und die Bekämpfung von Armut aufmerksam zu machen.

Für Schindler ist das ein erfreuliches wie wichtiges Zeichen. Denn auch sie weiß: Nicht überall wird die Arbeit der Frauen in den landwirtschaftlichen Betrieben geschätzt. Auch in einzelnen Fällen im Landkreis Schwandorf sei das noch so, wie die Kreisbäuerin aus unzähligen Gesprächen mit Landwirtinnen erfahren hat. „Es gibt immer noch Fälle, da wird der Beitrag der Frau auf einem Hof als selbstverständlich erachtet“, sagt Schindler. Und gerade anfänglich gebe es immer wieder Schwierigkeiten mit der Akzeptanz.

Rund 2000 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Schwandorf

Auch die Kreisbäuerin hat Letzteres am eigenen Leib erfahren, als sie 2003 ihren Mann Martin kennenlernte, der in Nittenau einen Milchviehbetrieb hatte. „Ich habe mit meiner Schwiegermutter den einen oder anderen Kampf geführt und musste mich etablieren. Wir haben das aber mittlerweile hervorragend hinbekommen“, sagt Schindler.

Sie und ihr Mann seien ein absolutes „Dream-Team“. 2009 führte das Paar seinen Nebenerwerbsbetrieb mit einem Stallneubau in die Zukunft. Seither entwickeln die beiden den Hof nach eigener Aussage wirtschaftlich, ökologisch und familiär weiter. Schindler ist besonders stolz darauf, dass die 50-köpfige Milchviehherde samt Nachzucht seit drei Jahren im Sommer auf Vollweide gehalten wird.

Seit 2017 vertritt die gebürtige Bad Tölzerin als Kreisbäuerin im Landkreis Schwandorf die Interessen von rund 2000 landwirtschaftlichen Betrieben von Wernberg-Köblitz bis Nittenau, von Schönsee bis Fensterbach. Und die Erfahrung habe gezeigt: Landfrauen sind aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. „Landfrauen haben schon immer auf den Höfen mit angepackt und viele hatten und haben im Hintergrund das Ruder in der Hand“, sagt Schindler. Dabei meisterten viele den Spagat zwischen Betrieb, Familie und Gesellschaft.

Mit Herzblut und Weitsicht

Schindler nennt hier als Beispiel ihre Schwiegermutter. Sie habe den landwirtschaftlichen Betrieb immer fest in der Hand gehabt. „Sie hat viele Schicksalsschläge erlebt und ist trotzdem nie verbittert. Sie hat schon immer alles erledigt, was zu tun ist. Ohne zu jammern.“

Aber auch jüngere Beispiele seien inspirierend und würden zeigen, mit wie viel Herzblut und Weitsicht auch Frauen landwirtschaftliche Betriebe in die Zukunft führen. Schindler erzählt in diesem Atemzug von Kristina Graf aus Pirkensee bei Maxhütte-Haidhof, die ihren Milchviehbetrieb in der vierten Generation führt. „Bäuerinnen beeindrucken mich sehr, sie haben so viel Kraft.“

Eines von vielen Beispielen aus dem Landkreis: Vier Generationen leben auf dem Almenhof von Kristina Graf in Pirkensee bei Maxhütte-Haidhof. - Foto: Andreas Graf, Archiv

Umso schöner findet es die Kreisbäuerin, dass die Vereinten Nationen in diesem Jahr den Landwirtinnen eine große Bühne bieten. Und auch die Kreisvorstandschaft der Landfrauen in Schwandorf will dabei einen Beitrag leisten.

Unterstützung gibt es vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Denn im Gegensatz zu den Landfrauen einiger anderer Bundesländer sind die bayerischen Landfrauen nicht in eigenständigen Verbänden und Vereinen organisiert, sondern in den Bauernverband integriert. „Diese Einbindung in eine große Organisation bringt viele Vorteile für die tägliche ehrenamtliche Arbeit“, sagt Sabine Schindler. Zusammen organisiere man Spendenaktionen oder leiste Bildungsarbeit.

Ein voller Terminkalender

Für heuer haben sich Schindler und ihre Mitstreiterinnen einiges vorgenommen. Man werde beispielsweise das Projekt „Landfrauen machen Schule“ fortführen. Dabei geht es um erlebnisorientiertes Lernen in der Grundschule und auf dem Bauernhof: Kinder sollen den Weg der Lebensmittel von der Erzeugung bis zum Verzehr kennen lernen. Jedes Jahr kommt eine andere Grundschule im Landkreis in den Genuss dieses Bildungsangebots.

Auch die gelernte Bürokauffrau Monika Sieß hat ihren Weg in die Landwirtschaft gefunden. Zusammen mit ihrem Mann Hans sorgt sie für Hunderte Hühner. - Foto: Johanna Sieß, Archiv

Ausflüge und Lehrfahrten mit den Ortsbäuerinnen, Feiern wie der Bauernball, dazu viele Vorträge und andere Veranstaltungen runden das Jahr ab. Höhepunkte sind zweifelsohne der Landfrauentag in Nabburg am 21. Februar, die fünf Landfrauen-Lehrfahrten im Sommer sowie das Kreis-Erntedankfest mit Bauernmarkt in Schwarzenfeld. Dazu kommen mehrere Kreisbäuerinnen-Treffen sowie Seminare im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching.

Auch Martina Englhardt-Kopf (CSU), die Parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, begrüßt den Vorstoß. „Frauen leisten in den landwirtschaftlichen Betrieben auch bei uns im Wahlkreis vieles – von der Arbeit am Hof bis zur Pflege der Angehörigen und der Kinderbetreuung. Da ist es wichtig, dass diese Leistungen sichtbar gemacht werden. Das internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft bietet dazu die perfekte Möglichkeit.“