Fünf Landfrauen aus dem Landkreis Schwandorf erzählen ihre Geschichten

Von Heike Praschel · 16. Februar 2023 um 12:10

Landfrauen leiten Betriebe, sind innovativ, fördern die Gemeinschaft und sind aus dem dörflichen Alltag nicht wegzudenken. Fünf von ihnen haben wir im Vorgriff auf den Landfrauentag am Samstag in Nabburg besucht: Ihre Lebenswege unterscheiden sich, aber ihre Herzen schlagen für die Landwirtschaft.

Stefanie Rester-Schmid (31) betreibt in Grain bei Schwandorf einen Hofladen

Eigentlich habe sie nicht damit gerechnet, Landwirtin zu werden, erzählt die zweifache Mutter, die trotz des eigenen großen Hofes immer noch bei ihren Eltern in der Bäckerei arbeitet. Momentan nur aushilfsweise, denn ihre Tochter ist gerade mal acht Wochen, ihr Sohn Simon vier Jahre alt. Zuhause versorgt sie seit zwölf Jahren 45 Einstellpferde und betreibt einen eigenen Hofladen. Außerdem bewirtschaftet sie mit ihrem Mann und den Schwiegereltern 68 Hektar Grünland und Ackerfläche,sechs Hektar davon sind für Erdbeeren reserviert.

Auch einen land- und forstwirtschaftlichen Lohnbetrieb gibt es auf dem Hof, der von ihrem Mann und dessen Bruder betrieben wird. Mehrere Standbeine zu haben sei in der Landwirtschaft wichtig, um zu überleben. „Die Arbeit ist in der Familie klar aufgeteilt“, erklärt sie. Ihr Mann bestellt die Äcker, die Schwiegermutter ist mit den Frauen aus der Umgebung fürs Pflücken zuständig, der Opa liefert die Früchte an Supermärkte oder auf den Bauernmarkt.

Ihr Steckenpferd sei der Hofladen, dessen Sortiment sie ständig erweitere. „Zuerst habe ich nur selbst gebackene Obstböden zu den Erdbeeren angeboten“, erzählt die gelernte Bäckermeisterin, inzwischen sei das Angebot jedoch auf Torten, Desserts und regionale Produkte angewachsen. Sie träumt davon, ein Hofcafé zu eröffnen, wenn die Kinder größer sind.

Heike Klein (51) aus Pottenhof bei Dieterskirchen liebt Kuchen aus dem Dorfbackofen

Zweimal im Jahr raucht der Schlot des Backofens. Zusammen mit der Nachbarsfamilie backt Familie Klein unter anderem Schmierkuchen für die Osterfeier. „Warmer Zuckerkuchen ist der beste“, schwärmt Heike Klein. Auch für den Landfrauentag sind ihre Backkünste gefragt: 200 „Kaichla“ wird sie zum Kuchenbuffet beisteuern.

Neben dem Backen kümmert sich die 51-Jährige um Haus und Hof, versorgt 16 Milchkühe und deren Nachwuchs, füttert und melkt. Zumindest wenn sie nicht gesundheitlich ausfällt, wie im Moment. Dann bleibt mehr Arbeit für ihren Mann Werner, der Vollzeit arbeitet, und ihre Söhne Maximilian (16) und Sebastian (13). Ihr Ältester lernt Land- und Baumaschinen-Mechatroniker und will den Hof übernehmen.

Klein (Foto: Heike Praschel) hat Textilverkäuferin gelernt, als Bäckereifachverkäuferin, dann als Sprechstundenhilfe beim Kinderarzt gearbeitet. Zusammen mit ihrem Mann absolvierte sie eine Ausbildung zur Landwirtin. Auch ehrenamtlich ist sie eingespannt,als Vorsitzende des Frauenbundes, bei den Landfrauen oder im Pfarrgemeinderat. Damit trotzdem daheim alles rund läuft, packen die Schwiegereltern mit an. Vor allem die Stallarbeit am Morgen lassen sie sich nicht nehmen. Immerhin ist der Bauernhof schon seit 1936 in Familienbesitz und inzwischen der letzte in Pottenhof. Einiges soll daran in nächster Zeit erneuert werden, so dass er auch die nächsten Jahre übersteht.

Barbara Weiherer (37) aus Mossendorf bei Burglengenfeld bietet Urlaub auf einem Naturlandhof an

„Viele Kinder sehen hier zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kuh in live“, meint Barbara Weiherer, deren Simmernhof sich schon seit vielen Jahren auf Urlauber spezialisiert hat. Vor allem die Buben seien begeistert von den landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen, genau wie ihre drei Söhne (Foto: Oberpfälzer Wald). Schon ihre Oma habe den Hof als Frau übernommen, doch was damals sicher noch ungewöhnlich war, ist heute an der Tagesordnung. In dritter Generation wird der Betrieb nun an die Tochter weitergereicht.

„Allein in Frauenhand befindet er sich allerdings nicht“, betont die 37-Jährige, „denn nur gemeinsam kann ein Hof bewirtschaftet werden“ – und so kümmert sie sich mit ihrem Mann und den Eltern zusätzlich um eine Herde von 24 Angus Rindern in Mutterkuhhaltung. Aus Überzeugung habe sie zusammen mit ihrem Mann den Betrieb 2019 auf Bio umgestellt. Für Weiherer, die sich auch im Vorstand der Landfrauen engagiert, „steht das Wohl der Tiere an oberster Stelle“.

Von Kindheit an sei sie in das Hofleben hineingewachsen, zusätzlich habe sie den Meister für ländliche Hauswirtschaft gemacht undist inzwischen für ihre Kochkünste bekannt. Zuhause betreut sie die Urlauber, nimmt sich Zeit für ihre Kinder und erledigt die Büroarbeit. Neben all der Bürokratie bleibe weniger Zeit für die Arbeit auf dem Hof, sagt sie.

Monika Sieß (50) aus Klardorf vermarktet ihre Produkte direkt ab Hof

„Mit zehn Hühnern haben wir angefangen“, erzählt Monika Sieß. Inzwischen stehen hinter dem Hof in Klardorf zwei Hühnermobile mit jeweils 250 Hennen. Eier und Suppenhühner werden zusammen mit Nudeln und Kartoffeln direkt ab Hof vermarktet, erklärt die gelernte Bürokauffrau. Die Kunden könnten sich in einem Container ganztägig selbst bedienen, gezahlt wird in eine Vertrauenskasse und samstags wird zusätzlich auf dem Wochenmarkt in Amberg verkauft.

Bald soll eigenes Rindfleisch aus extensiver Bullenmast auf der Weide dazukommen, dazu ist Mutterkuhhaltung geplant mit 25 Kühen. Der momentan noch laufende Milchbetrieb soll in naher Zukunft eingestellt werden – damit sei dann auch die letzte Landwirtschaft mit Milchkühen aus Klardorf verschwunden.

Neben der Stall- und Büroarbeit kümmert sich die Landfrau (Foto. Johanna Sieß) zusammen mit ihren drei Töchtern (22, 20 und 17) um die Eltern, die noch mit im Bauernhaus leben. „Bauernhöfe sind im Regelfall Mehrgenerationenhäuser“, so die Familie. Auch in der Dorfgemeinschaft „helfe man zusammen“, zum Beispiel bei der Ernte und beim Silieren. Sieß engagiert sich unter anderembei der Feuerwehr, istVorstandsmitglied bei den Landfrauenund sorgt für die Blumenarrangements in der Kirche. Die Jüngste ihrer drei Töchter wird den Betrieb übernehmen und bewirtschaftet dann in 14.Generation den alten Bauernhof. Seit 1692 befindet sich dieser schon in Familienbesitz.

Christine Gschrey (46) führt bei Schmidgaden einen Milchviehbetrieb im Vollerwerb

Der Tag von Christine Gschrey beginnt schon vor sechs Uhr. Die Kühe warten auf ihr Futter – und aufs Melken. Heute steht dazu noch der Tierarzt vor der Tür: Eine Mutterkuh will nach einer schweren Geburt nicht aufstehen, doch die Bäuerin ist guter Dinge: „Das wird schon wieder“. Seit sie mit ihrem Mann 2015 den Hof in Gösselsdorf bei Schmidgaden von den Schwiegereltern übernommen habe, warten ständig neue Herausforderungen. Jedes Jahr steigen die Kosten, sagt sie, und trotz eines stattlichen Milchpreises komme zu wenig bei den Landwirten an.

Rentabel sei das nicht, meint die Landfrau (Foto: Heike Praschel), aber obwohl sie früher nie Bäuerin hatte werden wollen, könnte sie sich inzwischen nichts anderes mehr vorstellen. Viel zu sehr habe sie ihre Tiere und das selbstständige Leben ins Herz geschlossen. Sie kenne jede einzelne Kuh, erzählt sie lächelnd – „mindestens 95 Prozent alleine am Euter.“

Der Hof der Familie ist einer der zwei verbliebenen in Gösselsdorf, von den drei Höfen im Nachbarort wollen zwei in naher Zukunft den Betrieb aufgeben. Obwohl die Nachfolge bei ihnen noch nicht geklärt ist, hoffen die Gschreys darauf, dass eines ihrer drei Kinder später den Betrieb übernimmt. Die Landwirtin engagiert sich im Vorstand des BBV, übernimmt schon mal die Bühnendeko für den nächsten Landfrauentag oder organisiert am monatlichen Stammtisch mit den anderen „Dorffrauen“ unterhaltsame Abende.

Das ist beim Landfrauentag in Nabburg geboten

Termin:Am kommenden Samstag beginnt das Treffen um 13Uhr in der Nordgauhalle in Nabburg.

Programm:Nach der Begrüßung erwartet die Gäste ein Vortrag der Autorin Christine Wunsch zum Thema „Mit uns leben die Dörfer“. Als weiterer Höhepunkt sorgt die bekannte Gstanzlsängerin und Hochzeitsladerin Renate Maier für Unterhaltung.

Essen und Musik:Wie gewohnt bieten die Schwandorfer Landfrauen bereits ab 12.30Uhr ihr beliebtes Kuchen- und Tortenbuffet an. Für die Musik sorgt der Landfrauenchor Schwandorf. Im Eingangsbereich gibt es außerdem Stände von einheimischen Hobbykünstlern.

Gäste:Die Einladung von Kreisbäuerin Sabine Schindler (Foto: Peter Stöbich) richtet sich ausdrücklich an die gesamte Bevölkerung. Jeder, egal ob „Stadt- oder Landmensch“, sei willkommen.