Schwandorfs wohl älteste Wurstverkäuferin ist gestorben – Sohn kämpft für Metzgerei

Von Philipp Breu · 8. Januar 2026 um 19:00

Wer die kleine Metzgerei an der Wackersdorfer Straße in Schwandorf betrat, der wurde stets mit einem Lächeln bedient. Und eigentlich immer stand Therese Ziegler hinter der Theke, schnitt die Wurst sorgfältig auf und reichte sie freundlich entgegen. Das tat sie auch mit 90 Jahren noch. An Silvester ist die Senior-Chefin im Alter von 91 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Nun ist Sohn Gerhard (53) alleine im Betrieb. Weiter macht er trotzdem.

Video ansehen

Sie hatten immer fest zusammengehalten. Sohn Gerhard stellte die Wurst her, seine Mutter Therese war die gute Seele im Verkauf. Seit einigen Tagen erfüllt eine traurige Leere die Metzgerei Ziegler – eine der letzten verbliebenen kleinen Familienmetzgereien in der Großen Kreisstadt. Die Tür ist verschlossen, die Schaufenster sind blickdicht verhangen. Innen ist das Licht aus.

Der Tod von Therese Ziegler hat ein tiefes Loch in die Herzen der Familie und auch in den Betrieb gerissen. Schließlich haben Mutter und Sohn die Metzgerei 30 Jahre gemeinsam betrieben. Weitere Angestellte gab es nicht. „Der Betrieb war das Lebenswerk meiner Mutter“, sagt Gerhard Ziegler nun hörbar betroffen. Im Jahr 1958 hatten Karl und Therese Ziegler die Metzgerei in Schwandorf gegründet. Sohn Gerhard hat im elterlichen Betrieb gelernt. Er war es auch, der die Metzgerei übernahm, als sein Vater im Jahr 1995 starb.

Ein unzertrennliches Duo in der Metzgerei

Von einem Tag auf den anderen wurde der jüngste Sohn ins kalte Wasser geschmissen. Doch auf die Unterstützung seiner Mutter habe er sich immer verlassen können, erzählt Gerhard Ziegler. Auch mit 90 stand sie noch täglich hinter der Theke und bediente die Kunden. „Natürlich ist es manchmal anstrengend. Aber es gefällt mir. Mit den Kunden hin und wieder zu plaudern zum Beispiel ist schön“, sagte Therese Ziegler noch im März vergangenen Jahres, als die MZ sie in der Metzgerei besucht hatte.

Die Arbeit war es wohl auch, die die stets rüstige Seniorin so lange fit hielt. Doch dann wurde sie schwer krank. „Wir wussten, dass das unser letztes gemeinsames Weihnachten sein wird“, sagt Sohn Gerhard. Am 31. Dezember schloss Therese Ziegler die Augen für immer.

Trotz des Schicksalsschlags will Gerhard Ziegler die Metzgerei an der Wackersdorfer Straße am 20. Januar wieder öffnen. - Foto: Breu

Auch wenn ihr Tod abzusehen war, hat er die Familie hart getroffen. „Man meint immer, man ist vorbereitet. Aber wenn es dann soweit ist, ist die Geschichte ganz anders“, sagt Gerhard Ziegler, der auch auf Facebook eine emotionale Videobotschaft hochgeladen hat und sich in dieser auch für all die entgegengebrachte Anteilnahme bedankte. Denn der Tod der vielleicht ältesten aktiven Metzgereiverkäuferin Bayerns hat in Schwandorf längst die Runde gemacht. Und viele fragen sich, wie es denn nun mit der kleinen Metzgerei an der Wackersdorfer Straße weitergeht.

Metzgerei Ziegler soll ab 20. Januar wieder öffnen

Für den Sohn ist die Sache klar. Er wird auch ohne seine Mutter weitermachen. Eine Woche möchte er sich noch Zeit nehmen, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Ab 20. Januar soll die Metzgerei dann wieder öffnen. In welchem Umfang, das werde sich laut Gerhard Ziegler in den kommenden Wochen zeigen. Denn fest stehe auch: So wie vor dem Tod der Mutter könne es wohl nicht weitergehen. „Vielleicht werden die Öffnungszeiten etwas reduziert“, sagt der Chef.

Einen zusätzlichen Mitarbeiter einzustellen, sei dagegen keine Option. „Wir sind eine Kleinstmetzgerei, die schon immer in Familienhand war“, sagt Ziegler. Geeignetes Personal sei ohnehin schwer zu finden und wenn, dann müsse er den Betrieb umbauen. „Ich bräuchte dann eine Umkleide, einen Aufenthaltsraum und eine Küche.“

Und das sei finanziell einfach nicht stemmbar, zumal das Geschäft schon länger nicht mehr rund laufe. Viele Baustellen im Umfeld, verändertes Konsumverhalten und eine Innenstadt, die immer mehr an Attraktivität verliere, hätten ihren Tribut gefordert. „Wenn man nur nach dem Finanziellen geht, hätte ich schon längst zumachen müssen“, sagt Gerhard Ziegler.

Es geht um mehr als nur um Geld

Doch bisher hat er sich dagegen gewehrt. Denn es gehe immer noch um den elterlichen Betrieb, in dem er sein ganzes Leben verbracht habe und den er seit mittlerweile 30 Jahren selbst führt.

Was die Zukunft noch bringt, will Gerhard Ziegler nicht prognostizieren. „Ich bin kein Mensch, der weit vorausblickt“, sagt er. Man müsse nun von Woche zu Woche sehen, wie es weiterläuft. Eines versichert der 53-Jährige zum Ende noch: „Wir werden nicht von Knall auf Fall zumachen.“