Marathon-Sitzung zu Amazon-Projekt in Rohr: Drei Abende im Zeichen von 400 Einwänden

Von Martin Rutrecht · 11. Januar 2026 um 13:00

Das geplante Amazon-Logistikzentrum in Rohr im Landkreis Kelheim wird ab Montag zum Inhalt einer Monstersitzung des Marktgemeinderats. An drei Abenden in Folge werden über 400 Einwände und Stellungnahmen behandelt. Die zentrale Frage: Nimmt das umstrittene Projekt die nächste Hürde?

Montag, Dienstag, Mittwoch, jeweils 18.30 Uhr: Die Gemeinde Rohr hat an drei Abenden am Stück das Sportheim in der Badstraße reserviert. Die Markgemeinderäte werden dort darüber befinden, wie es mit dem „Wirtschaftspark an der A93“ weitergeht. Wie berichtet gibt es vor allem aus umliegenden Kommunen massive Widerstände gegen das Projekt. Was auch an den 400 Eingaben bei einer ersten frühzeitigen Auslegung der Pläne zum Ausdruck kam.

Knapp zwei Jahre ist das her. Seither wird auf die Behandlung im Marktgemeinderat gewartet. „Am aktuellen Planungsstand wird man erkennen, warum es diese Zeit gedauert hat“, sagt Rohrs Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer. Sie rechnet mit etwa drei bis vier Stunden Sitzungsdauer an jedem Abend.

Allein 245 Seiten umfassen die Unterlagen zu den Einwänden und Stellungnahmen von Bürgern. Jede Eingabe ist untergliedert in Inhalt sowie Abwägungs- und Beschlussvorschlag. Jeder Punkt wird „einzeln behandelt“, erklärt Steinsdorfer. Weitere 92 Seiten zählen die Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange. Sie stehen am ersten Sitzungsabend auf der Agenda.

6500 Fahrzeuge pro Tag

Die Eingaben zielen auf verschiedenste Belange ab: Verkehr, Natur und Umwelt, Wasser- und Energieversorgung, soziale Strukturen (Arbeitskräfte, Einrichtungen). Der Online-Versandkonzern Amazon und Projektbetreiber Panattoni planen in Bachl bei Rohr ein Logistikzentrum (23 Hektar/60.000 m² Hallenfläche) und einen Firmen-Park (9,5 Hektar/50.000 m²). Über 1000 Arbeitsplätze, später bis zu 3000 sollen entstehen. Der tägliche (Güter-)Verkehr wird seitens der Betreiber mit knapp 6500 Fahrzeugen angegeben.

Der Marktgemeinderat, der vor zwei Jahren die vorläufigen Pläne mit 15:2 Stimmen billigte, soll die „Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Logistikpark Stocka mit integrierter Grünordnungsplanung und Änderung des Flächennutzungsplanes mit integrierter Landschaftsplanung“ auf den Weg bringen. Die Bürgermeisterin geht „von der Zustimmung des Marktgemeinderats zu allen Beschlussvorschlägen“ aus. Anwesend werden auch Vertreter des Projektentwicklers sein.

Das Logistikzentrum - hier eines in Hof-Gattendorf - würde über tausend Arbeitsplätze bringen. Die Auswirkungen auf Verkehr oder Natur sind laut Gegnern aber massiv. - Foto: Nurtsch

Steinsdorfer tritt Vorwürfen entgegen, sie hätte die Sitzungen auf eine Anfrage unserer Zeitung im Dezember zunächst verschwiegen. „Etwas rauszugeben, was nicht hundertprozentig fix ist, wird schnell als zurückhalten oder verheimlichen dargestellt.“ Erst mit der offiziellen Bekanntgabe am Mittwoch, 7. Januar 2026, habe der Schritt in die Öffentlichkeit erfolgen können. „Mir geht es darum, dieses Projekt rechtssicher und mit größtmöglichen Einvernehmen umzusetzen. Da helfen mir keine Vermutungen, Spekulationen oder auch Unterstellungen.“

Den Sitzungsunterlagen ist ein Konvolut an Gutachten beigefügt – rund 1000 Seiten. Sie behandeln die Auswirkungen des Vorhabens auf Verkehr, Arten- und Schallschutz, Lufthygiene, Lichtimmissionen und Boden. Zudem finden sich eine Hochwassermodellierung und eine Umweltverträglichkeitsprüfung in den Anhängen.

„Unser Vorstandsmitglied Hubert Hietl hat die Unterlagen in den vergangenen Tagen gesichtet“, sagt Vorsitzender Roland Weiß von der BIA („Bürgerinitiative Abensberg und benachbarte Gemeinden“), die sich vehement gegen das Projekt ausspricht. „Selbstverständlich werden wir bei allen drei Sitzungen vor Ort sein“, erklärt Weiß. Direkt Einfluss nehmen können Zuhörer nicht.

Polizeistreife schaut vorbei

Als der Marktgemeinderat vor knapp zwei Jahren zum Thema tagte, war am Rohrer Sportheim wegen möglicher Proteste auch die Polizei Mainburg vor Ort. Es blieb ruhig. „Ich habe damals die Polizeiinspektion nicht um Teilnahme gebeten und werde es diesmal auch nicht tun“, sagt die Bürgermeisterin. Sie habe die Polizei „informiert“ , erklärte sie am Rande der damaligen Sitzung. „Sie war aus eigenen Stücken vor Ort, da die BIA ihre Mitglieder aufgerufen hatte in großer Zahl teilzunehmen und sich erkennbar als Gegner zu zeigen.“

Diesmal werden die Sitzungen „im Rahmen der Streife betreut“, sagt Mainburgs PI-Leiter Martin Wuchterl, sprich: „Wenn es die Einsatzlage zulässt, schaut die Streife vorbei.“ Vonseiten der BI gebe es keine Aufrufe zur Teilnahme und „es sind auch keine Störungen zu erwarten“.