Mit Fakten gegen Impf-Mythen: Die Regensburger Gruppe von „Impf Dich“ klärt an Schulen auf

Welche Arten von Impfungen gibt es – und wie sind Impfungen überhaupt entstanden? Das sind nur einige der Fragen, die Selina Timea Vadász, Luisa Biller und David Hoffmann im Klassenzimmer beantworten. Die Mitglieder der Regensburger Lokalgruppe „Impf Dich“ klären vor allem an Schulen auf – und wissen, dass Impfungen gerade seit der Corona-Pandemie auch ein emotionales Thema sind.
Wenn Selina Timea Vadász, Luisa Biller und David Hoffmann eine Schulklasse besuchen, beginnen sie oft mit einem einfachen Spiel. Jeder Schüler bekommt einen Becher Wasser – nur in einem ist Salz aufgelöst. Dann gehen alle durch den Raum und schütten sich gegenseitig Wasser in die Becher. Am Ende probieren alle einen Schluck. Wer Salz schmeckt, meldet sich.
Mit diesem Experiment wird deutlich, wie Herdenimmunität funktioniert – und wie schnell sich Krankheiten in einer Population ausbreiten können, erklärt Biller. „So wird ein exponentieller Verlauf greifbar, den ein Infektionsausbruch haben kann – etwas, das sonst schwer zu vermitteln ist.“
Schüler können anonym Fragen stellen
Biller studiert im siebten Semester Medizin. Seit einigen Monaten leitet sie die Arbeitsgruppe (AG) „Impf Dich“, die mit wissenschaftsbasierten Fakten zum Thema Impfung und Immunisierung aufklären will – vor allem im Klassenzimmer, meist bei Neunt- oder Zehntklässlern. „Wir vermitteln Grundlagen: Wie sind Impfungen entstanden? Welche Arten von Impfungen gibt es, und wie funktioniert unser Immunsystem überhaupt?“, sagt sie. Außerdem gehe man auf Impfstoffe wie HPV ein, die für diese Altersgruppe relevant seien. Die Schüler können anonym Fragen stellen.
Zwischen zwölf und 20 ehrenamtliche Mitglieder engagieren sich in der Regensburger Lokalgruppe, die aus Studierenden und Doktoranden besteht. Die AG ist Teil der Initiative Impfaufklärung in Deutschland – ein Verein, der vor allem junge Menschen mit kostenlosen Angeboten über Impfungen informieren möchte. Wie Biller erklärt, habe sie das Thema schon immer spannend gefunden. Durch die Corona-Zeit habe sich ihr Interesse noch einmal verstärkt. „Ich werde eines Tages als Allgemeinärztin arbeiten“, sagt sie. „In diesem Berufsfeld sind Impfungen ein ganz wichtiger Punkt.“
Aufgeheizte Stimmung in der Corona-Zeit
Selina Timea Vadász hat die AG zuvor geleitet. „Ich bin quasi ein Impf-Dich-Urgestein“, sagt sie. Der Verein sei 2017 gegründet worden, 2018 habe sie die Leitung der Lokalgruppe in Ulm übernommen. Als sie für den Masterstudiengang Molekulare Medizin nach Regensburg gekommen sei, habe sie dort auch die Gruppe unterstützt. Mittlerweile ist sie im dritten Jahr ihrer Promotion am Leibniz-Institut für Immuntherapie. Bei „Impf Dich“ ist sie als Mitglied weiterhin dabei. „Es ist gar nicht unsere Intention, jemanden zu bekehren“, sagt sie. „Uns ist es wichtig, aufzuklären – und Wissenschaft so zu kommunizieren, dass sie auch für Menschen verständlich wird, die nichts mit Medizin zu tun haben.“
Es ist gar nicht unsere Intention, jemanden zu bekehren. Uns ist es wichtig, Wissenschaft so zu kommunizieren, dass sie auch für Menschen verständlich wird, die nichts mit Medizin zu tun haben.Selina Timea Vadász, Regensburger Gruppe von „Impf Dich“
Dass er sich gerade für das Thema Impfen engagiert, liege laut David Hoffmann auch daran, dass Prävention in der Medizin „gefühlt immer zu kurz“ komme. „In die Forschung und in kurative Therapien fließt viel Geld“, sagt der Student, der im dritten Mastersemester Molekulare Medizin studiert. „Doch Aufklärung wird finanziell nur wenig unterstützt.“ Obwohl sich die Arbeit der AG auf Fakten stützt, wissen die Mitglieder, dass das Thema Impfungen ein emotionales ist – vor allem seit der Corona-Zeit. „Während der Pandemie gab es viele sehr kritische Stimmen. Dass es eine gewisse Grundskepsis gab, lag auch an Impfungen, die es so zuvor noch nicht gab – etwa an dem Ansatz der mRNA-Impfstoffe“, sagt Vadász.
Mittlerweile, so ihr Eindruck, könne man jedoch wieder faktenbasiert diskutieren. Die Stimmung sei weniger aufgeheizt. „Wovon wir uns abgrenzen, sind die wirklich überzeugten Impfgegner“, so Vadász. „Das ist nicht die Zielgruppe, die wir ansprechen, denn diese Leute kann man mit rationalen Fakten meist gar nicht mehr erreichen.“ Tatsächlich handele es sich dabei aber nur um einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung „mit sehr lauten Stimmen“.
Pocken und Polio durch Impfungen erfolgreich bekämpft
Der Begriff „Impfskepsis“ sei dagegen zu Unrecht negativ konnotiert. „Letztendlich ist auch die STIKO als Expertengremium eine der größten Impfskeptikerinnen, die wir haben – sie erfüllt diese Funktion und nimmt der Bevölkerung die Aufgabe ab, impfskeptisch zu sein“, erklärt Hoffmann.
Deutlich machen die Mitglieder der Gruppe auch, welche Erfolge es durch Impfungen bereits gegeben habe: So seien etwa die Pocken ausgerottet, und Europa gelte seit 2002 als poliofrei. „In der Generation unserer Großeltern hat es bestimmt in jeder Klasse ein oder zwei Schüler gegeben, die von Kinderlähmung betroffen waren“, sagt Biller. „Wenn man heute in eine Schulklasse geht, kennen die Schüler die Krankheit gar nicht mehr und wissen nicht, was eine Eiserne Lunge ist. Das sind heutzutage unvorstellbare Erkrankungen, Gott sei Dank.“
Info: Verlorener Impfpass – Was tun?
• Infos: Mit Infoständen ist die „Impf Dich“-Lokalgruppe auch bei Veranstaltungen wie der Teddyklinik an der Klinik St. Hedwig oder beim Campusfest von Universität und OTH Regensburg vertreten. „Gerade dort sprechen uns viele Menschen an, die sich über Reiseimpfungen informieren wollen“, sagt Vadász.
• Impfpass: Eine weitere Frage, die häufig aufkommt, ist, was bei einem verlorenen Impfpass zu tun ist. „Das ist kein großes Problem – beim Hausarzt kann man sich einen neuen ausstellen lassen“, erklärt Biller. Oft lasse sich dort auch nachvollziehen, wann welche Impfung erfolgt ist. „Ansonsten lohnt sich die Nachfrage beim früheren Kinderarzt oder bei den Eltern.“ Generell sei es sinnvoll, rät Vadász, den Impfpass abzufotografieren und digital zu speichern.
• Kontakt: Unter regensburg@impf-dich.org kann man mit der Gruppe Kontakt aufnehmen. Neben Schulbesuchen ist perspektivisch auch geplant, mit Kindergärten, Hebammen oder Pflegeschulen zusammenzuarbeiten.