Vom Integrationstest zur Selbstständigkeit: Kamoran Jmo eröffnet Elegant Cut Hairstyle in Roding

Der Weg, den Kamoran Jmo in elf Jahren zurückgelegt hat, ist ein Paradebeispiel für Integration. Aus Syrien musste er fliehen, in der Türkei musste er irgendwie Geld verdienen. Sein Glück fand er in Deutschland, genauer gesagt in Roding (Landkreis Cham). Nach seiner Ausbildung und seinem Meister-Abschluss ist der 27-Jährige nun selbstständig und führt seit Anfang Januar seinen eigenen Friseursalon.
Das Elegant Cut Hairstyle ist Jmos kleines Reich. In zweieinhalb Monaten baute er die ehemalige Ladenfläche eines Heizungsbauers zu seinem eigenen Laden um. Modern, stylisch. Schwarz- und Grautöne prägen den Friseursalon. „Ich habe alles neu gemacht. Ich musste vieles entsorgen“, sagt der Friseurmeister. „Es war anstrengend. Aber es hat Spaß gemacht. Jetzt ist alles nach meinem Geschmack.“
Für die Renovierung investierte der Rodinger fast 12.000 Euro. Seine finanziellen Möglichkeiten lagen allerdings nicht immer in diesen Sphären. Jmo und seine Familie hatten in Aleppo gewohnt, ehe sie geflohen sind. Zunächst flüchtete Jmo mit 14 Jahren alleine nach Izmir in die Türkei. Dort arbeitete der Rodinger zeitweise in einem Friseurladen. „Ich habe nur geholfen und Kaffee zubereitet“, sagt der 27-Jährige.
Als Schneider in der Türkei gearbeitet
Doch sein Wissen nutzte Jmo. „Ich habe dann immer zuhause meinen Freunden und Cousins die Haare geschnitten und den Bart rasiert.“ Für eine feste Anstellung reichte es dennoch nicht. Stattdessen arbeitete der Kurde als Schneider – ein Beruf, der ihm mehr Geld einbrachte. Nach zwei Jahren in der Türkei kam Jmo mit 16 Jahren alleine nach Regensburg und machte dort seinen Integrationskurs.
Auf der Suche nach Arbeit landete der 27-Jährige 2018 im Metallbau in Roding. Mit seinem jetzigen Handwerk hatte die Arbeit wenig zu tun. Ein Moment im Familienurlaub änderte alles. Kurz vor Weihnachten wollte ein Cousin unbedingt noch einen Haarschnitt. Jmo griff zur Schere – und traf den Geschmack aller. „Danach haben mich alle gefragt, warum ich das nicht beruflich mache“, erzählt er und strahlt. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los.
Also begab sich der Rodinger auf die Suche. Nach sechs Monaten in einem Barbershop entschloss sich Jmo zu einer Ausbildung. Im Juli 2024 beendete er seine Ausbildung in Falkenstein. Jmo machte weiter, ging auf die Meisterschule in Weiden – immer mit dem Traum der Selbstständigkeit, den er sich mit der Eröffnung des Elegant Cut Hairstyle Anfang Januar erfüllte.
Schwester steigt im Sommer mit ein
Dort bietet er zwei Haarschneideplätze. Jmo will seinen Laden bewusst klein halten. Das große Geld reizt ihn nicht. „Ich möchte Spaß an meiner Arbeit haben. Wir verbringen mehr als ein Viertel unseres Lebens in der Arbeit. Da muss man sich schon wohlfühlen. Mein Ziel ist nicht, viel Geld oder einen Ferrari zu haben.“
Ab Sommer wird seine Schwester Eye mit in den Betrieb einsteigen. Sie kümmert sich um weibliche Kundinnen. Ihre Ausbildung schloss sie im Februar 2025 in einem Rodinger Friseursalon ab. Mehr Personal ist nicht geplant. „Ich will nur zu zweit arbeiten. Ich möchte, dass es klein bleibt und ich selbst arbeite“, sagt der Friseurmeister.

Außerdem will Jmo dann Hausbesuche anbieten. „Wenn wir zu zweit sind, möchte ich auch zu den Leuten fahren und dann beispielsweise für ältere Leute Hausbesuche anbieten. Das ist auch mein Ziel.“
In Roding hat sich das Geschwisterpaar schnell eingelebt. Sie fühlen sich wohl. Seit 2019 wohnt auch ihre Familie in Roding. „Das ist schon unsere zweite Heimat. Wenn wir irgendwo ein paar Tage hinfahren und dann wieder zurück nach Roding kommen, kommt das Heimatgefühl“, sagt Jmo.
Ein wahres Sprachtalent
Auch dank seines Sprachtalents. Denn neben seiner Begabung als Friseur spricht Jmo vier Sprachen. „Ich spreche meine Muttersprache Kurdisch, Arabisch, Türkisch und Deutsch“, sagt der Rodinger.
Wie es sich für einen Friseur gehört, achtet Jmo auch auf sein eigenes Aussehen. „Wenn meine Haare an der Seite nachwachsen, rasiere ich sie selber nach. Meinen Bart mache ich auch selbst – den hat noch nie jemand anderes gemacht“, sagt Jmo und lacht. Spätestens nach zwei Wochen greift der 27-Jährige wieder zum Rasierer. Auch bei seiner Schwester wird der Rodinger ab und zu tätig.
Auch ein Blick auf die Social-Media-Kanäle des jungen Friseurmeisters lohnt sich. Für ihn sind die sozialen Medien ein wichtiger Werbezweig. „Es macht fast drei Viertel der Werbung aus. Ich möchte auch jüngere Leute erreichen – und die erreicht man nur über Social Media.“ Auch wenn sein Laden erst seit einigen Tagen geöffnet ist, hat Jmo bereits sechs Beiträge gepostet – unter anderem mit Behandlungen seiner Kunden.
Jmo hat seinen Traum selbst in die Hand genommen. Der Weg führte ihn vom geflüchteten Jugendlichen zum Friseurmeister und Ladenbesitzer. Und aus Roding wurde längst mehr als nur ein Wohnort – seine zweite Heimat.