Tier auf der Durchreise: Wird der Wolf im Landkreis Regensburg heimisch?

Von Philip Hell · 2. Januar 2026 um 19:00

Es war eine Begegnung, die selbst ein erfahrener Jäger nicht so schnell vergisst: Ende November blickte ein Nittendorfer einem Wolf ins Gesicht – es war nicht die einzige Sichtung des Tieres. Eines ist klar: Die Stimmung gegen den Wolf heizt sich auf.

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100 Meter stand das Tier in der Gemeinde Nittendorf dem Jäger gegenüber. „Der Wolf hat mich angeschaut und ich habe den Wolf angeschaut“, sagt der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Wenige Stunden später lief der Wolf auch einem Nittendorfer Landwirt über den Weg. „Ich habe den Wolf über eines meiner Felder laufen sehen, dachte erst, es war ein Schäferhund. Als ich genauer hingeschaut habe und den Schritt beobachtet habe, wie das Tier ging, war mir aber etwas komisch zumute“, sagte er der MZ. Der Schluss liegt nahe, dass der Jäger und der Landwirt ein identisches Tier beobachtet haben.

Behörden registrieren offiziell nur eine Wolfssichtung im Landkreis Regensburg

Wolfssichtungen werden in Bayern beim Landesamt für Umwelt (LfU) registriert. Dort findet sich bislang noch kein Hinweis auf die beiden Sichtungen im westlichen Landkreis. Der Behörde zufolge gab es im zurückliegenden Jahr 2025 lediglich eine Wolfssichtung in und um Regensburg. Anfang Mai sei eines der Tiere fotografiert worden. Wo und von wem? Das geht aus dem Monitoring-Eintrag nicht hervor.

Fest steht: Sobald ein Wolf irgendwo auftaucht, sorgt er für kontroverse Diskussionen – beispielsweise in sozialen Netzwerken. In zahlreichen Kommentaren wurde die Sichtung im Gemeindegebiet Nittendorf gefeiert. Es gab allerdings auch Nutzer, die den Wolf eher kritisch sehen. Diese Position ist auch in der Politik zu finden. Kurz vor Weihnachten äußerte sich beispielsweise Wirtschafts- und Jagdminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern zu den Tieren. Er wolle den Wolf „jagdlich managen“, sagte er. Etwa zehn bis 20 Tiere solle man pro Jahr „entnehmen“ – also töten. Das soll dort passieren, wo der Wolf für Ärger sorgt.

Wolf im Landkreis Regensburg erschossen: Polizei ermittelt weiter

Ein Fall, in dem ein Wolf im Landkreis Regensburg ein Tier gerissen hat, ist im vergangenen Jahr und darüber hinaus nicht öffentlich bekannt. Allerdings gibt es entsprechende Berichte aus dem Nachbarlandkreis Cham. Dort hat in Bad Kötzting ein Wolf ein Reh gerissen. Im Landkreis Regensburg gehen die Behörden indes einem Fall nach, in dem ein Wolf getötet worden sein soll.

Das Tier wurde im Herbst 2024 auf einem Hof im Grenzgebiet zwischen den Gemeinden Pettendorf und Lappersdorf gefunden. Zunächst gingen die Behörden von einem Unfall aus – nach einer eingehenden Untersuchung nahm die Polizei allerdings Ermittlungen auf, da sich Experten sicher sind, dass das Tier erschossen wurde. Die Beamten haben die Akte nach wie vor noch nicht geschlossen, sagte ein Polizeisprecher der Mittelbayerischen am Freitag. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) hat ein Kopfgeld von 5000 Euro ausgesetzt, um den Täter zu finden.

Hat der Wolf im Landkreis Regensburg nach einem neuen Revier gesucht?

Nach den Vorfällen steht freilich die Frage im Raum, ob der Wolf im Landkreis Regensburg heimisch wird. Der Jäger, der einem der Tiere Auge in Auge gegenüberstand, sagt, dass er den Wolf seither nicht mehr wieder gesehen hat. „Er hat wohl sein Rudel verlassen und sucht nun nach einem neuen Revier.“ Es könne gut sein, dass der Wolf auf dieser Suche den Landkreis Regensburg lediglich passiert hat. Insbesondere in der nördlichen Oberpfalz gebe es Wölfe. Die Tiere können sehr weite Distanzen innerhalb eines Tages zurücklegen. „Wölfe sind immer dort, wo es größere Waldgebiete gibt“, sagt der Jäger. Die gebe es mitunter auch in Regensburg – aber zum Beispiel auch im Landkreis Kelheim.

Auch der oberste Jäger im Landkreis Regensburg, Franz Lindl, geht davon aus, dass die Tiere zumeist „auf der Durchreise sind“. Man merke allerdings durchaus, wenn ein Wolf durch das Revier streift, das Wild reagiere auf das Tier.

Das Landesamt für Umwelt hat indes mehrfach betont, dass es im Landkreis Regensburg keinerlei Hinweise auf standorttreue Wölfe gebe. Die Tiere sind also hier nicht heimisch. Ob sie das werden, wird sich wohl in den kommenden Jahren zeigen.