„Mir war komisch zumute“: Landwirt fotografiert Wolf bei Nittendorf – auch Jäger trifft auf Tier

Von Philip Hell, Benjamin Neumaier · 26. November 2025 um 09:00

Schleicht da ein Wolf über ein Feld? Ein Landwirt hat am Wochenende im Landkreis Regensburg ein Foto geschossen, das diesen Schluss zumindest sehr nahelegt.

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Der Landwirt möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. „Ich habe den Wolf über eines meiner Felder laufen sehen, dachte erst, es war ein Schäferhund. Als ich genauer hingeschaut habe, und den Schritt beobachtet habe, wie das Tier ging, war mir aber etwas komisch zumute“, erzählt er. Daraufhin habe er Fotos gemacht und sie einem Jäger gezeigt. „Es war schnell klar: Das ist ein Wolf. Ich habe es dann gemeldet und die Polizei wollte meine Fotos haben.“

Wolf im Landkreis Regensburg: Weitere Sichtung in Sinzing?

Nur Stunden zuvor hatte auch ein Jäger aus dem Gemeindegebiet Nittendorf eine Begegnung mit einem Wolf. Auch er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er sei dem Tier etwa 100 Meter gegenübergestanden. „Der Wolf hat mich angeschaut und ich habe den Wolf angeschaut.“ Er sei sich zu knapp 100 Prozent sicher, dass es sich um ein Raubtier gehandelt hat. Der Wolf sei schnell weggelaufen, er habe gerade noch ein Foto machen können. Nervös sei er nicht gewesen, sagt der Jäger. „Aber überrascht.“

Die Polizei bestätigte der MZ am Wochenende, dass am Samstag und Sonntag mehrere Bürger Wölfe im westlichen Landkreis meldeten. Zum einen der Landwirt, zum anderen ein Taxi-Fahrgast, der ein Tier im Gemeindegebiet von Sinzing gesehen haben will. Das Landesamt für Umwelt (LfU) kümmert sich nun um die Fälle. Ein Sprecher bestätigte der MZ, dass es im Landkreis Regensburg keinen Hinweis auf standorttreue Wölfe gebe. Auch der Regensburger Jäger-Chef Franz-Xaver Lindl hatte am Montag davon gesprochen, dass Tiere öfter von Wildkameras dokumentiert werden, diese seien aber gewissermaßen auf der Durchreise. Wölfe können bis zu 50 Kilometer an einem Tag zurücklegen.

Für den Landwirt aus Nittendorf sei die Sache mit dem Wolf eigentlich erledigt, sagt er. „Ich sehe aktuell kein großes Problem im Wolf. Zumindest für meinen Viehbestand. Das ist zudem ja aktuell im Stall. Aber für andere Landwirte, etwa mit Kleinvieh, Schafen oder Dammwildgehegen, kann es schon ein Problem sein.“ Irgendwann werde der Wolf jedoch doch zum Problem werden, mutmaßt der Landwirt. „Wenn die Population zunimmt und er Hunger hat. Soweit sind wir aber, denke ich, noch nicht.“

Im westlichen Landkreis sorgen die Wolfsichtungen an einem Wochenende indes für einiges an Aufregung. In den sozialen Medien wird viel debattiert. Auch der Landwirt, dem das Tier über den Weg gelaufen ist, hat das erlebt. „Die Fotos haben schnell Kreise gezogen, obwohl ich sie nicht gepostet habe.“ Es werde viel geredet. „Manche Bürger sind besorgt.“

Wolf im Landkreis Regensburg: Debatte um Abschuss

Wölfe sorgen seit geraumer Zeit für eine breite gesellschaftliche Debatte. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob man den Abschuss der Tiere erlauben sollte. Im Moment ist das nicht erlaubt. Der Landwirt, der das Tier bei Nittendorf gesehen hat, äußert sich zu dem Thema eher zurückhaltend: „Es gibt im Landwirtschaftsministerium ja Pläne, den Abschuss zu lockern. Dazu muss der Wolf wohl erst etwas anstellen. Ich persönlich bin weder für noch gegen Abschuss. Es wird aber erst richtig Fahrt in die Debatte kommen, wenn es direkt Betroffene gibt.“

Der Jäger aus Nittendorf sieht die Sache ein wenig anders. Der Wolf könne Menschen – und insbesondere den Tieren von Landwirten – durchaus gefährlich werden. Es sei durchaus damit zu rechnen, dass das Tier auch im Landkreis Regensburg heimisch wird. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Wolf hier eine Daseinsberechtigung hat.“