„Weiß, wie ein Wolf aussieht“: Mann aus Kreis Regensburg spricht über unheimliche Begegnung

Streifen Wölfe durch den Landkreis Regensburg? Am Wochenende gab es zumindest zwei verdächtige Sichtungen. Jäger betonen dennoch, dass es rund um die Domstadt keine Rudel gibt.
Ein Polizeisprecher teilte der MZ am Sonntagabend mit, dass ein Landwirt am Wochenende ein Tier, „das wolfsähnlich aussieht“, auf einem Feld im Gemeindegebiet von Nittendorf fotografiert habe. Das Tier streunte laut Polizei über das Feld. Noch sei nicht gesichert, dass es sich wirklich um einen Wolf und nicht um einen Hund handelt. Jedoch gehe die Tendenz zum Wolf.
Damit nicht genug: In der Nacht auf Sonntag wurde auch in der Nähe von Viehhausen ein Wolf gesehen. Petar Mrvic war gerade im Taxi auf dem Weg nach Hause, als das Tier plötzlich vor dem Fahrzeug stand. „Wir waren alle baff“, sagt Mrvic der MZ.
Wölfe im Landkreis Regensburg gesichtet: Umweltamt alarmiert
Ihm sei schnell klar gewesen, dass das ein Wolf sein muss, betont der Thumhausener im MZ-Gespräch. „Ich stamme aus Serbien, einer der Mitfahrer kommt aus Russland. Wir wissen, wie ein Wolf aussieht.“ Der Taxifahrer sei dem Tier dann ein wenig nachgefahren. „Er hat sich ganz geschmeidig bewegt“, sagt Mrvic. Das Tier sei deutlich größer gewesen als ein Schäferhund. „Das war auf jeden Fall ein Grauwolf“, ist sich der Thumhausener sicher.
Mrvic teilte einen Beitrag mit seiner Beobachtung auf Facebook. Ihm sei es darum gegangen, zu warnen, sagt er. „Wenn ein Wolf durch ein Wohngebiet streift, sollten die Leute das wissen.“
Der Thumhausener meldete seine Beobachtung auch der Polizei. Das bestätigte ein Sprecher der Beamten der MZ auf Anfrage. Für diese Sichtung gebe es keine Belege, sagte der Polizist. Die Informationen werden dem Beamten zufolge nun an das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) weitergegeben. Die Behörde sammelt alle Wolfssichtungen in Bayern. Zuständig ist dort die Abteilung „Große Beutegreifer.“ Gefahr für die Bevölkerung bestehe laut Polizei nicht.
Eine MZ-Anfrage an das LfU blieb am Montag unbeantwortet. Nach den beiden Wolfssichtungen am Wochenende bleiben zahlreiche Fragen offen. Beispielsweise, ob es sich um dasselbe Tier handelt und ob es in einem Rudel unterwegs war oder nicht. Die beiden Orte, an denen die Wölfe beobachtet worden sein sollen, liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Wölfe im Landkreis Regensburg tappen immer wieder in Foto-Fallen
Immer wieder tauchten in vergangener Zeit Wölfe auf Wildtierkameras auf, sagt Franz-Xaver Lindl, Leiter des Bezirksjagdverbands Regensburg. Zu den beiden Sichtungen im Landkreiswesten könne er sich nicht im Detail äußern, weil er diese nicht kenne. Immer wieder streiften Wölfe auch durch die Region, sie seien gewissermaßen auf Durchreise, so Lindl. Einzelne Tiere seien in Bewegung, zum Beispiel, wenn sie aus ihrem Rudel verstoßen werden. Dazu komme der große Bewegungsradius der Tiere. „Was für uns ein Marathon ist, ist für einen Wolf eine Tagesetappe.“ Experten sprechen davon, dass das Raubtier rund 50 Kilometer am Tag zurücklege.
Eine Gefahr bestehe durch die Tiere eher nicht, sagt Lindl. „Es gibt im Moment keine bestätigten Risse im Landkreis Regensburg“, betont der BJV-Vorsitzende. Allerdings merke man Wildtieren wie dem Reh durchaus an, wenn sie Begegnungen mit dem Wolf hatten. Dann seien sie ganz besonders scheu, so Lindl. „Da wird sofort ein Gefahren-Reflex ausgelöst.“
Der Jäger hat einen dringenden Appell an die Menschen. Wer einem Wolf begegnet, solle sich groß machen und sich langsam rückwärts entfernen. Wer zu laufen beginnt, löse beim Wolf einen Beuteinstinkt aus, dann könne es durchaus gefährlich werden. Normalerweise seien die Tiere allerdings scheu, betont Lindl. „Sehr scheu sogar.“
Totes Tier in Pettendorf: Wolf wurde erschossen
Im vergangenen Jahr sorgte schon einmal ein Wolf für Aufsehen im westlichen Landkreis Regensburg. Ein totes Tier wurde auf einem Bauernhof nahe Pettendorf gefunden. Zunächst gingen die Behörden davon aus, dass das Tier bei einem Verkehrsunfall getötet wurde. Inzwischen ermittelt allerdings die Polizei. Die Beamten haben den Verdacht, dass der Wolf erschossen wurde. Das stellte sich bei einer genaueren Untersuchung des Tieres durch Experten in Berlin heraus. Bislang gibt es allerdings noch keinen Verdächtigen, wie ein Polizeisprecher unlängst mitteilte.
Auch abgesehen davon wurden schon öfter Wölfe im Landkreis gesichtet. Anfang Juni 2024 tauchte laut LfU beispielsweise ein Foto eines Tieres auf. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, konnte allerdings nicht zweifelsfrei geklärt werden.