Zwei Fotos und ein Video: Wie viele Wölfe sind im Landkreis Regensburg unterwegs?

Sieben Monate ist es her, dass der letzte Wolf im Landkreis gesehen wurde – es handelte sich um ein totes Tier, das eine Landwirtin auf ihrem Hof entdeckt hatte. Jetzt sind es innerhalb von gut zwei Wochen gleich drei Meldungen – bislang das Landesamt für Umwelt (LfU) allerdings nur eine davon bestätigt.
Das Landesamt sammelt, überprüft und bewertet Wolfssichtungen im Freistaat. Ein zentraler Punkt dieses Monitorings ist die Überprüfbarkeit der Meldungen. In die Kategorie C1 fallen dabei Sichtungen, die durch Fakten bestätigt sind. Dazu zählt auch Bildmaterial, das von den Experten am Landesamt auf seine Echtheit überprüft worden ist.
Ein solches Bild gibt es beim Landesamt aktuell auch aus dem Landkreis Regensburg. Mit Datum vom 4. Mai ist dort unter den Einzelnachweisen eine geprüfte Sichtung aufgeführt. Das Bild wurde von einer Fotofalle aufgenommen. Zu Geschlecht und Herkunft gibt es keine Angaben. Zum Ort der Sichtung teilte das LfU auf Anrfage mit: „Der Nachweis ist im südlichen Landkreis verortet.“
Untersuchung abgeschlossen: So ist der Wolf im Landkreis Regensburg gestorben
Ein Foto gibt es auch von einer weiteren Wolfssichtung durch den Jäger Christian Blüml. Aufgrund der vorliegenden Bildqualität werten die Experten am Landesamt die Aufnahme allerdings als unbestätigten Hinweis. Die Sichtung wird wird mit dem Zusatz „Wolf wahrscheinlich“ in die Datenbank aufgenommen.
Christian Blüml ist sich dagegen sicher, dass es sich um einen Wolf handelt. Das Foto hat eine Wildkamera am 14. April um 21.11 Uhr an einem Weiher beim Weiler Weiherhaus zwischen Altenthann und Forstmühle aufgenommen. Blüml hatte die Wildkamera dort installiert, weil es bei dem Weiher immer wieder Probleme mit einem Biber gibt. Am 14. April war es jedoch kein Biber, der die Kamera auslöste – das ist auf dem Schwarzweiß-Bild deutlich zu erkennen. „Das ist ein Wolf“, ist Christian Blüml überzeugt. Er ist seit 30 Jahren Jagdpächter in dem Gebiet und hatte dort bislang noch nie Hinweise auf einen Wolf entdeckt. Das berichtete Blüml jetzt auch in der Versammlung der Jagdgenossenschaft Altenthann.
Zuletzt erreichte die MZ zudem ein Hinweis auf einen Wolf zwischen Höhenhof und Oberhinkofen. Tatsächlich ist auf dem Video, ein Tier zu erkennen, bei dem es sich um einen Wolf handeln könnte. Das Video ist offensichtlich aus einem fahrenden Auto heraus gefilmt und zeigt ein grünes Feld, auf dem das Tier läuft. Im Hintergrund ist ein Waldgebiet zu erkennen.
Neutraublinger Polizeichef recherchiert vor Ort
Ob es sich bei dem Tier um einen Wolf handelt, wollte der Neutraublinger Polizeichef Thomas Kolb auf Anfrage nicht bestätigen. Das lasse sich auf dem Film nicht eindeutig erkennen. Zudem warnte Kolb vor Fake-Videos, die gerade zu Wolfssichtungen immer wieder im Netz kursieren. Kolb ist jedoch relativ sicher, dass das Video tatsächlich das Gebiet zwischen Höhenhof und Oberhinkofen zeigt. Dazu hat er sich selbst vor Ort umgesehen und macht seine Beobachtung an markanten Erdhaufen fest, die im Video zu erkennen sind. Kolb hat diese Haufen selbst von der Straße aus gesehen. Allerdings gibt es bei der Polizeiinspektion Netraubling abgesehen von dem Video keinerlei weitere Hinweise auf einen Wolf.
Obwohl das verifizierte Foto vom 4. Mai aus dem südlichen Landkreis stammt, geben sich auch die Experten am Landesamt skeptisch und sehr zurückhaltend. Nachdem es bislang nicht gelungen ist, zu der Person, von der das Video stammt, Kontakt aufzunehmen und so zu überprüfen, ob der Film tatsächlich echt ist, gibt es vonseiten des LfU keinerlei Bewertung dazu. Auch ein Sprecher des Landesamtes verweist auf sehr viele manipulierte oder KI-generierte Bilder und Videos gerade zu vermeintlichen Wolfssichtungen.
Landesamt für Umwelt hat strenge Kriterien
Das LfU hat deshalb sehr strenge Kriterien, die sich an Foto- oder Videoaufnahmen anlegt. Um sie bewerten zu können, müsse neben der Originalaufnahme auch der Urheber bekannt sein, damit eine Verifizierung der Aufnahme erfolgen könne. Dabei geht es vor allem darum, Standort und Zeitpunkt der Aufnahme einzuordnen. Ohne diese Verifizierung stuft das Landesamt solche Meldungen nur als „nicht bestätigte Hinweise“ ein, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des LfU.
Auch bei der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sind bisher keine Wolfsmeldungen aus dem Bereich Oberhinkofen bekannt. Das erklärte Pressesprecher Hans Fichtl auf Anfrage der MZ. Er verweist darauf, dass die Sichtung von Wölfen oder der Fund von Wolfsspuren der unteren Naturschutzbehörde gemeldet werden sollten. Von dort gehen diese Meldungen dann weiter an das Wolfsmonitoring am LfU.
Fünf Wolfssichtungen seit dem Jahr 2018
Fichtl berichtete von vier bestätigten Wolfsnachweisen im Landkreis Regensburg seit dem Jahr 2018. So wurde am 15. April 2018 durch eine Speichelprobe festgestellt, dass ein Schaf im Landkreis südlich des Truppenübungsplatzes Hohenfels von einem Wolf gerissen wurde. Am 7. Januar 2019 wurde ein toter Wolf neben einer Bahnstrecke im nördlichen Landkreis gefunden. Am 2. September 2022 gab es eine Wolfssichtung, die über ein Foto bestätigt wurde. Die letzte Meldung, von der das Landratsamt Kenntnis hat, stammt vom 1. Oktober vergangenen Jahres. Dabei handelte es sich um den toten Wolf, der auf einem landwirtschaftlichen Anwesen entdeckt wurde. Es ist der einzige Wolf, über den genaueres bekannt ist. Demnach handelte es sich um ein männliches Tier aus zentraleuropäischer Population. Nicht aufgeführt ist in der Liste des Landratsamtes eine Sichtung, die im Monitoring des Landesamtes auftaucht. Demnach gibt es vom 4. Juni letzten Jahres ein verifiziertes Foto, das einen Wolf im Landkreis zeigt.