Kelheimer Klinik-Chefin nach Turbo-Start zuversichtlich: „OP-Sanierung könnte 2027 starten“

Gestartet als Krisenmanagerin, ist die neue Geschäftsführerin des Kelheimer Caritas-Krankenhauses, Claudia Eder, jetzt unverkennbar angespornt von der Mission, St. Lukas zukunftssicher aufzustellen. Wie, das schildert sie im Gespräch im Interview.
Die Berliner Krankenhaus-Reform im Nacken; einen kurzfristig geschlossenen, weil reparaturbedürftigen OP-Bereich vor Augen, und ein zeitgleich überraschend frei gewordenes Chefbüro, in das nun sie berufen wurde: Es gibt wahrlich geruhsamere Starts in einen neuen Job als den von Claudia Eder am 9. April 2025. Aber seit die Prokuristin an jenem Tag zur neuen Geschäftsführerin des Kelheimer Caritas-Krankenhauses St. Lukas berufen wurde, weiß sie ihre Gestaltungsmöglichkeiten zu schätzen. Und ist froh über eine richtungsweisende Entscheidung der Politik, schildert sie im Interview.
Frau Eder, nach dem plötzlichen Abgang ihrer Vorgängerin wurden Sie im April Geschäftsführerin. Wie war dieser ,Kaltstart‘?
Claudia Eder: Ich würde es als echten ,Ad-hoc-Moment‘ bezeichnen: Wir mussten sofort handeln, mit Entschlossenheit und Teamgeist. Am schwierigsten war, zwei Aufgaben zeitgleich zu stemmen: einerseits mussten wir die OP-Säle so schnell wie möglich wieder voll funktionstüchtig bekommen. Und andererseits eine strategische Neuausrichtung einleiten.
Wie kam es im Frühjahr zur OP-Schließung?
Claudia Eder: Auslöser waren die technischen Probleme und Hygienemängel in der Steri [Zentrale Sterilgutversorgung, die Red.]. Die haben wir behoben und die Zeit auch genutzt, um die vier OP-Säle auf Vordermann zu bringen. Immerhin sind sie schon 40 Jahre alt. Zum Glück war allen Beteiligten – aus dem Haus, von externen Firmen und von Behörden – klar, wie dringlich diese Arbeiten waren. Deshalb konnten wir sie binnen vier Wochen abschließen.
Warum kam die Schließung so Knall auf Fall?
Claudia Eder: Ich bitte um Verständnis, dass ich dazu nicht mehr sagen kann. Aber mir ist wichtig zu betonen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran keine Schuld trifft!
Sind die OP-Säle wieder so „fit“, dass sie bis zur planmäßigen Generalsanierung nutzbar bleiben?
Claudia Eder: Ja, davon gehen wir aus. Der OP-Betrieb läuft seit der Revision wieder vollständig und stabil.
Wie geht es mit der Generalsanierung weiter?
Claudia Eder: Wir haben mit der Regierung in Landshut bereits abgeklärt, dass wir keine komplett neue Bedarfsplanung brauchen – dann wäre der Spatenstich irgendwann im nächsten Jahrzehnt. Wir konnten auf der fachlichen Billigung von 2012 aufbauen und die damaligen Planung aktualisieren: auf die aktuellen baulichen Standards; und wir werden statt vier OP-Sälen künftig drei haben, dazu einen ,Eingriffsraum‘ für niederschwelligere OPs. Seit August erarbeiten die Fachplaner die Pläne für die neuen und für die Interims-OPs, und für den Neubau der Steri. Im Januar sprechen wir die Pläne mit allen Nutzern nochmal ab und gehen dann damit in den Aufsichtsrat und zur Regierung – von der brauchen wir den aktualisierten Genehmigungsbescheid.
Passiert nächstes Jahr schon „Sichtbares“?
Claudia Eder: Wenn alles gut läuft, starten wir im Herbst mit dem Aufstellen der drei Interims-OPs, schräg hinter dem D-Bau. Ob als Modulbau oder in anderer Bauweise, klären wir gerade. Auch, ob die Säle hinterher ganz oder teilweise stehen bleiben, zum Beispiel fürs ambulante Operieren. Das ist eine Gratwanderung zwischen der gebotenen Sparsamkeit und unserem Ziel, uns für die Zukunft nichts zu verbauen. Im Idealfall startet dann 2027 die Generalsanierung der OPs.
Sie haben die „strategische Neuausrichtung“ von St. Lukas angesprochen: Was meinen Sie damit?
Claudia Eder: Unseren Weg, die Krankenhausreform des Bundes umzusetzen. Den haben wir zusammen mit Aufsichtsrat und Kreistag ausführlich analysiert und diskutiert. Am Ende stand der parteiübergreifende Konsens, St. Lukas klar als akutversorgendes Haus auszurichten. Der Kreistag hat das am 17. Juli einstimmig bestätigt: für uns ein echter Meilenstein! Der Beschluss gibt uns die nötige Rückendeckung, um strategische Entscheidungen zu treffen und sie zügig umzusetzen. Und er motiviert unsere Beschäftigten, weil er die Bedeutung unseres Hauses für den Landkreis beweist.
Wie kann man die Zukunft einer Klinik vor Ort überhaupt planen, wenn alle Augenblicke etwas Neues aus Berlin und München hereinschneit?
Claudia Eder: Naja, Reformen hat es schon immer gegeben – 2003 zum Beispiel die gravierende Umstellung auf Fallpauschalen. Wir können uns nur auf die aktuell bekannten und geltenden Vorgaben konzentrieren – derzeit das neue System der Leistungsgruppen. Die Anforderungen dafür müssen wir bis Anfang 2027 erfüllen. Stand heute gelingt uns das; in manchen Bereichen leichter, in manchen schwerer. [Siehe auch Info am Textende]
Wie sieht die Situation in der Pflege aus?
Claudia Eder: Man muss ständig dranbleiben – aber dass ganze Stationen längere Zeit schließen müssten weil Pflegekräfte fehlen, ist bei uns im Haus zum Glück nicht der Fall. Wir bekommen immer wieder gute Bewerbungen, und bilden vor allem selber aus – manche Krankenhäuser haben dazu gar nicht mehr die Möglichkeit. Aktuell lernen bei uns 13 Jugendliche Gesundheits- und Krankenpflege, neun sind in der einjährigen Pflegefachhelfer-Ausbildung, und je zwei werden Operation- beziehungsweise Anästhesietechnische Assistenten. Wir können auch praktisch alle Azubis übernehmen – damit sorgen wir vor, weil es im Personalbereich immer Fluktuation gibt.
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Und wie geht’s Ihnen in ihrer neuen Aufgabe als Geschäftsführerin?
Claudia Eder: Wissen Sie – ich bin ein ,Eigengewächs‘ dieses Hauses. Deshalb versuche ich wirklich nach Kräften, seine Entwicklung voranzutreiben, so weit ich das als Geschäftsführerin vorantreiben kann. Aber das ist ja schließlich mein Job.
Neues aus den Fachbereichen
Notaufnahme: Die Zentrale Notaufnahme ist eine eigenständige Fachabteilung geworden, mit Sören Preiß als neu ernanntem Chefarzt, mit mehr Personal und mit Weiterbildungsprogrammen. Damit sei die Notaufnahme für die Strukturvorgaben der Krankenhaus-Reform „bereits heute bestens gerüstet“, so Geschäftsführerin Eder.
Operationen: Ein Großprojekt laufe derzeit, um das OP-Management organisatorisch und strukturell zu modernisieren und es für die bevorstehende Sanierungs-Zeit zu wappnen, berichtet Claudia Eder.

Interventionelle Kardiologie: Um die Anforderungen dieser Leistungsgruppe (LG) zu erfüllen, will die Klinik die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Zuweisern sowie Rettungs- und Notarztdienst verstärken und die intensivmedizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten ausbauen. Die personellen Voraussetzungen seien mittlerweile erfüllt. Das Herzkatheterlabor soll ab Frühjahr 2026 rund um die Uhr in Betrieb sein.
Gynäkologie und Geburtshilfe: Die Geschäftsführerin hofft, dass St. Lukas wieder auf das frühere Niveau von 600 Geburten pro Jahr kommt. Und mit dem aktuellen Setting im Haus „erfüllen wir die Voraussetzungen für die LGs ,Frauenheilkunde‘ und ,Geburten‘“.
Unfallchirurgie: Hier steht ein Wechsel an: Chefarzt Dr. Bernd Schmidt verlässt Kelheim, um sich mit einer eigenen Praxis in Regensburg niederzulassen; die Nachfolger-Suche läuft bereits. Mit ihm geht Oberarzt Dr. Bajram Hoxhaj; für ihn startet ein Nachfolger im Februar.
Palliativmedizin: Sie soll künftig sektorenübergreifend den Patienten zur Verfügung stehen; außerdem ist geplant, „durch neue Kooperation die Versorgung weiter zu professionalisieren“.