Totgesagte tanzen länger: Kultdisko feiert in Neukirchen beim Heiligen Blut ihr Comeback

Nach 53 Jahren hatte es sich in der Taverne in Neukirchen beim Heiligen Blut im Landkreis Cham ausgetanzt. Am 28. Februar fand in der wohl ältesten Disko der Gegend die letzte Party statt. Doch im September feierte die Taverne bei Markus und Eva Pfeifer in der Ledererhalle ihre Wiedereröffnung. Eigentlich wollte das Paar nur die Lichttechnik übernehmen.
Zwei Einlassstopps mussten die neuen Inhaber verhängen, als die Taverne 2.0 am 12. September ihre erste Party feierte. Auch an den zwei folgenden Abenden konnten nicht sofort alle Gäste in die Disko. „Das war bombastisch“, sagt Pfeifer. Zuletzt fand die Après-Ski-Party am 19. Dezember statt.
Ex-Inhaber: Schließung war Schlag ins Gesicht
Schon vor der Corona-Pandemie hatten die früheren Inhaber Andrea und Marcus Weber überlegt, wie es mit der Taverne weitergehen sollte. Immer wieder hielten sich Gerüchte, dass sie schließen würden. Im Februar 2025 kam es dann tatsächlich so weit.
Weil die Gäste inzwischen immer später kamen oder gar ausbleiben und die Kosten weiter steigen, war die Schließung der Disko die einzige Lösung für das Paar – ein Schritt, der Andrea und Marcus Weber extrem schwer fiel. „Natürlich ist das ein Schlag ins Gesicht, wenn du nach 30 Jahren aufgeben musst, aber es hat sich wirtschaftlich einfach nicht mehr rentiert“, sagt Weber.
Markus Pfeifer, der mit Weber seit der Jugend befreundet ist, war von dieser Nachricht sehr betroffen: „Wir sind alle in der Taverne groß geworden. Für uns hat es nichts anderes gegeben. Als der Marcus gesagt hat, er macht zu, ist für Eva und mich eine Welt zusammengebrochen. Wir haben uns damals in der Taverne kennengelernt. Wir brauchen die Taverne.“ Bis zum letzten Tag hätte er nicht geglaubt, dass sein Freund diesen Schritt nun wirklich gehe. „Ich habe gesagt: ‚Du spinnst doch.‘“
Als es wirklich ernst war und ich das Licht angeschaut habe, habe ich gedacht: ,Warum nehmen wir eigentlich nicht gleich alles mit?‘Markus Pfeifer, Inhaber der Taverne 2.0
Doch das Vorhaben wurde Realität und wenige Zeit später begannen die Inhaber, das Equipment der Taverne herzugeben. Markus Pfeifer wollte damals die Lichttechnik übernehmen, weil er und seine Frau das Wirtshaus Ledererhalle nur wenige Meter entfernt betreiben. Pfeifer erzählt: „Als es wirklich ernst war und ich das Licht angeschaut habe, habe ich gedacht: ,Warum nehmen wir eigentlich nicht gleich alles mit?‘“ Gesagt, getan: In der kleinen Veranstaltungshalle hinter der Gaststätte zog so die Taverne 2.0 ein. Vorher seien dort etwa zwei Mal pro Jahr Live-Bands aufgetreten, sagt Pfeifer. Ansonsten stand die Halle leer – bis jetzt.
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Nun öffnen Markus und Eva Pfeifer die Taverne 2.0 einmal im Monat. Sie halten an dem bisherigen Konzept fest. Musik legen die gleichen DJs auf wie vorher und auch zwei Bedienungen blieben der Taverne treu. Nur vom Platz her seien sie deutlich kleiner geworden. Statt der vorherigen 600 Gäste können nun 150 Personen gleichzeitig in die Taverne 2.0.

Personal vom Party-Ansturm überrollt
Ein Problem sei das bisher noch nicht gewesen, sagt Pfeifer. Wenn es einen Einlassstopp gebe, könnten die Gäste im Wirtshaus warten und dort ein Bier trinken. Die unter 18-Jährigen gingen sowieso gegen 24 Uhr. Zu dieser Zeit kämen die Älteren meist erst.
Bei der ersten Party im September sei das Personal echt ins Schwitzen gekommen, erzählt Pfeifer. „Der erste Tag war schon hart. Da waren wir zu viert hinter der Theke. Uns sind dann die Getränke ausgegangen, die Eiswürfel und später auch die Gläser.“ Beim zweiten Mal seien sie schon besser vorbereitet gewesen.
Der erste Tag war schon hart. Da waren wir zu viert hinter der Theke. Uns sind dann die Getränke ausgegangen, die Eiswürfel und später auch die Gläser.Markus Pfeifer
Unter welchen Mottos die Partys im neuen Jahr stehen sollen, kann Pfeifer noch nicht sagen. „Wir leben von einer zur nächsten Party.“ Erst wenn ein Abend vorbei sei, planten sie den nächsten. „Für uns steht nicht im Vordergrund, das große Geld damit zu machen. Uns ist wichtig, dass sich für die Jungen in Neukirchen was rührt und die Taverne weiterlebt.“
Ihm bereite es große Freude, dabei hinter der Bar zu stehen, sagt der frühere Pflasterer. Es mache einfach Spaß, der Jugend etwas bieten zu können. Eine Schlägerei oder Schwierigkeiten habe es bisher noch nicht gegeben. „Es ist alles genau so, wie man es sich wünscht.“
Markus Pfeifer nutzt Sommerpause für tonnenweise Honig
Bis zum April 2026 werde die Taverne 2.0 nun regelmäßig öffnen. Dann ist Sommerpause bis zum September. „In den Sommerferien ist es eh schon stressig, wenn die ganzen Urlauber da sind. Da ist das Wirtshaus jeden Tag voll.“
Dennoch freue er sich schon auf diese Zeit. Wenn Pfeifer nämlich gerade nicht im Wirtshaus oder der Taverne eingespannt ist, kümmert er sich um seine Bienen – ein Hobby, das beinahe zu einem kleinen Nebenjob geworden ist.
Mit etwa 60 Bienenvölkern fahren er und seine Frau in den Sommermonaten nach Straubing auf Rapsfelder, nach Brandenburg zu Akazienbäumen und in den Schwarzwald für Waldhonig. Fünf Tonnen Honig produzieren ihre Bienen dabei pro Jahr. „Das ist mein Hobby, mein Ausgleich. Da freue ich mich den ganzen Sommer, wenn ich zu den Bienen darf. In der Natur draußen kann ich abschalten.“
Vom „Pferdestall“ zur Disko: So hat sich die Taverne gewandelt
■ Wirtshaus: Als gewöhnliches Wirtshaus eröffneten Marcus Webers Eltern in den 1960er-Jahren den „Pferdestall“. Die Kneipe hatte einen Plattenspieler – damals eine Besonderheit.
■ Disko: Schon bald wurde die Kneipe zur Disko, die später Marcus Weber weiterführte. 30 Jahre lang betrieb Weber die spätere Taverne – davon 25 Jahre mit seiner Frau Andrea. Schon bevor die Taverne nach 53 Jahren schloss, häuften sich die Gerüchte.
■ Pläne: Als Marcus und Eva Weber der Taverne den Rücken kehrten, schlossen sie nicht aus, nochmal eine Bar zu eröffnen – dann aber in Cham. Derzeit hat das Paar keine konkreten Pläne. „Es ist einfach keine gute Zeit für eine Eröffnung, aber sage niemals nie“, sagt Weber.