175.000 Klicks auf Video: So macht Sabrina Mühlbauer „ihren“ Edeka in Eschlkam berühmt

Von Tanja Fenzl · 24. Dezember 2025 um 12:00

Das jüngste Video von Edeka Kreuziger in Eschlkam (Landkreis Cham) in den sozialen Medien wurde inzwischen rund 134.000 Mal geklickt. Seit über einem Jahr begeistert das Dorfgeschäft auf Instagram und Co. seine Kunden mit lustigen Clips.

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Der wilde Krampus mit Fell und Hörnern stapft grollend und grantelnd durch die Regale im Edeka-Supermarkt – doch die junge Verkäuferin lässt sich nicht einschüchtern. Sie gibt ihm einen Schoko-Nikolaus. Und, puff, der furchteinflößende Geselle verwandelt sich in einen normalen Kunden zurück.

Knapp 3000 Follower hat Edeka Kreuziger inzwischen auf Instagram. Was erst einmal nach gar nicht so viel klingt, ist für ein Einzelhandelsgeschäft, zumal bei uns in der Region, eine Hausnummer. Doch mit ihrem Social-Media-Konzept hat es eine Mitarbeiterin inzwischen geschafft, dass zwei Kurzfilme schon sechsstellige Aufrufzahlen haben. 175.000 Mal wurde allein der Aperol-Spot angeschaut. „Das war bisher unser Highlight“, sagt Sabrina Mühlbauer.

Witzige Kurzfilme erorbern das Netz

Die 38-Jährige hat sich des im Februar 2021 aus der Taufe gehobenen Instagram-Accounts ihres Arbeitgebers angenommen. Zunächst mit witzigen, mit passender Musik hinterlegten Kurzvideos, in denen sie Mitarbeiterausflüge und neu eingetroffene Ware zeigt. Nach und nach werden die Videos immer mutiger. So richtig abgehoben hat der Account aber erst seit etwas über einem Jahr, während der Bauarbeiten für die Markterweiterung. „Die Kunden dachten wegen der Baufahrzeuge auf unserem Parkplatz, dass wir geschlossen haben“, erinnert sich Sabrina Mühlbauer.

Kurzerhand zeigt sie in einem Video den Kunden den Weg zum Ersatz-Eingang. Weil dieser Film schon ziemlich gut ankommt, lässt Matthias Kreuziger seiner Mitarbeiterin künftig weitgehend freie Hand, was die Socials anbelangt. Auch eine Umfrage unter den damaligen Followern, ob ihnen weitere ähnliche Videos gefallen würden, ergibt ein klares Ergebnis: mehr davon. Und Sabrina Mühlbauer liefert ab.

Nur mit einem Handy und einem Stativ kreiert Sabrina Mühlbauer zwischen den Regalen neue Inhalte für Instagram und Co. Zuhause bearbeitet sie die Filme und stellt sie ins Netz. - Foto: Tanja Fenzl

Die nötigen Kenntnisse dafür eignet sich die zweifache Mutter in ihrer Freizeit selbst an. „Ich probiere halt immer ein bisschen herum“, sagt sie. In ihrem Schulfreund Christian Pfeffer hat sie einen willigen Co-Schauspieler gefunden. Den Pflegedienstleiter, der aus einem Wirtshaus herausstammt, kennt in und um Eschlkam fast jeder, spielt er doch auch regelmäßig bei der Waldschmidtbühne Theater. Und so ist er meist schnell zur Stelle, wenn Mühlbauer ihn wieder einmal für ein Video braucht. „Ein- bis zweimal im Monat veröffentlichen wir mindestens Neues“, sagt die Social-Media-Fee. „Immer, wenn mir was einfällt. Ich schaue viel online, da findet man immer wieder auch Anregungen.“

Die Kunden dachten wegen der Baufahrzeuge auf unserem Parkplatz, dass wir geschlossen haben.Sabrina Mühlbauer, Mitarbeiterin bei Edeka Kreuziger in Eschlkam

Inzwischen sprechen viele Kunden sie im Geschäft an, wenn sie die gelernte Einzelhandelsverkäuferin beim Kreuziger entdecken. „Die meisten finden gut, was wir machen“, ist Mühlbauer froh über die positive Resonanz.

Auch bei den Kollegen übrigens. „Dabei achte ich darauf, wer in den Videos erscheinen will und wer nicht. Das ist nicht jedermanns Sache, das muss man respektieren. Aber auch, wenn ein Kollege nicht im Video zu sehen sen will, ist die Unterstützung da“, sagt sie. Wichtig sei ihr, dass die Videos zwar lustig sind, dabei aber stets respektvoll bleiben und keinesfalls irgendwie beleidigend herüberkommen.

Regel: In den Videos gibt's kein Hochdeutsch

„Ich überlege mir, was ich gern selber sehen würde“, sagt sie. Auch eine klare Regel: „Ich werde nie hochdeutsch sprechen. Ich bin ich, auch in den Videos.“ Dass sie mit ihren roten Haaren auch äußerlich einen hohen Wiedererkennungswert hat, ist ihr bewusst. „So bin ich schon immer, wir sind auch in den Videos perfekt unperfekt, wie wir eben sind. Da ist nichts gestellt.“

Edeka Kreuziger schaut im realen Leben aus wie ein ganz normales Einzelhandelsgeschäft. In den Social-Media-Kanälen ragt das Geschäft inzwischen heraus. - Foto: Tanja Fenzl

Trotz des offensichtlichen Erfolgs der Videos: Als der Aperol-Spot viral ging, konnte es die Belegschaft kaum fassen. Weit über 100 000 Klicks – das seit schon ene Marke gewesen, sagt Mühlbauer. Auf diesen Erfolg hin hätten sich sogar andere Geschäfte bei ihrem Chef gemeldet und um Tipps gebeten. „Die wollten von ihm wissen, welche Werbeagentur für ihn das Marketing macht“, lacht sie. Einfach ausprobieren und machen, ist ihre Devise. Nachdem ihre Kamerafrau Katja in Mutterschutz ist, filmt Mühlbauer inzwischen mit Handy und Stativ. Zuhause bearbeitet sie die Videoschnipsel dann.

Zuhause – auch das ist wichtig: Dass ihre Familie mitzieht. „Wenn das meiner großen Tochter peinlich wäre, dann würde ich es nicht so machen“, sagt sie ganz klar. Doch selbst Freundinnen der Zehnjährigen, die schon ein Handy besitzen, fänden cool, was die Mama da macht. „Inzwischen hat sich auch mein Mann damit angefreundet“, grinst Mühlbauer.

Und die nächste Idee für einen Videodreh hat sie schon im Kopf. Und vielleicht geht der ja auch wieder viral...