Bahnausbau in Regensburg: Anwohner fürchten den Lärm der Rangiergleise

Von Marion Koller · 19. Dezember 2025 um 05:00

Prüfeninger fordern für die geplanten Rangiergleise in Regensburg einen Ersatzstandort, der nicht mitten im Wohngebiet liegt. Anwohner Dr. Martin Schambeck sagt: „Bis zu 15.000 Menschen, die hier wohnen, werden betroffen sein.“

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Dr. Martin Schambeck und seine Frau wohnen in der Killermannstraße, zu Fuß nur wenige Minuten von den Bahnstrecken nach Nürnberg und Ingolstadt entfernt. Bei einem Ortstermin am Mittwoch führt der 60-Jährige zu den Gleisen. Die beiden Verbindungen sind äußerst wichtig und stark belastet, deshalb will die Bahn sie ausbauen.

Das finden das Ehepaar Schambeck, weitere Anwohner und der Bund Naturschutz selbstverständlich. Doch dort, wo jetzt eine Grünfläche und die Kleingartenanlage Prüfening Schloss liegen, sollen auch etliche Rangiergleise entstehen.

Aus für Erholungsgebiet?

Martin Schambeck zeigt die große Grünfläche und begleitet die Besucher von der MZ durch die Kleingartenanlage. „Wenn die Abstellgleise gebaut werden, gibt es kein Grün und keine Gärten mehr“, sagt er. „Stattdessen Schotterbeete.“ Das verschlechtere das Stadtklima in Regensburg, das sich im Sommer ohnehin stark aufheizt. Die Anwohner befürchten Rangierlärm und Lichtemissionen. „Bis zu 15.000 Menschen, die hier wohnen, werden vom Lärm betroffen sein“, sagt Schambeck. Abstellgleise hätten in einem Wohnviertel nichts verloren.

Der Anästhesist und Notfallmediziner fordert von den Bahn-Verantwortlichen der DB InfraGO in Nürnberg, die Rangiergleise im Industriegebiet zu errichten. Er möchte die Prüfeninger Bevölkerung auf die Bahn-Pläne aufmerksam machen und hat den Bund Naturschutz um Beistand gebeten.

Wir wären sehr unglücklich, wenn wir weichen müssten. Das wäre ein heftiger VerlustChristine Gietl, Landschaftsgärtnerin und Pächterin eines Kleingartens

Auch Christine Gietl wohnt in der Nähe. „Es stellt niemand infrage , dass die Bahn ertüchtigt werden muss. Das und auch der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Prüfening sind wichtige Maßnahmen“, betont sie. „Aber warum müssen die Abstellgleise ins Wohngebiet?“ Die 62-Jährige erwartet eine Wertminderung der Immobilien durch Krach und grelle Beleuchtung ab dem frühen Morgen. Das Prüfeninger Schloss mit Park auf der anderen Seite der Bahn besitze hohen Freizeitwert und werde ebenfalls beeinträchtigt. Die Landschaftsarchitektin und ihre Familie haben einen Kleingarten in der Anlage Prüfening Schloss von der Bahn gepachtet. „Wir wären sehr unglücklich, wenn wir weichen müssten. Das wäre ein heftiger Verlust.“

109 Gärten mit durchschnittlich 300 Quadratmetern liegen dort. Gietl ist überzeugt, dass bei einer Realisierung mit Abstellgleisen alle wegfallen würden. „Man zerstört Naturraum, den man nicht mehr herstellen kann.“ Die Anwohnerin baut ihr Gemüse selbst an. „Ich bin jeden Tag dort. Zu Fuß habe ich nur zwei Minuten. Natürlich ist es auch ein Familientreffpunkt.“ In ihren Augen wäre es die geschicktere Variante, statt der Abstellgleise einen Teil der wegfallenden Kleingärten auf der Grünfläche zwischen den Gleisen wieder anzulegen.

Zwei Häuser stehen im Weg

Es besteht Hoffnung, dass die Bahn eine Ersatzlösung findet. „Die Deutsche Bahn prüft derzeit mehrere Alternativstandorte für den Ersatz von Abstellgleisen, die beim mehrgleisigen Ausbau Regensburg – Obertraubling zu Streckengleisen umgebaut werden“, sagt Kathrin Kratzer, Leiterin Kommunikation Bayern der DB. Geprüft würden mehr als 20 Standorte im Stadtgebiet Regensburg und dessen Umgriff. „Die DB bewertet auch mehrere Vorschläge aus der Stadtverwaltung, zum Beispiel Standorte in der Nähe des Ostbahnhofs, und aus der Bevölkerung, etwa Altanlagen am ehemaligen Betriebswerk in der Kirchmeierstraße.“ Ergebnis dieser Prüfung werde eine Vorzugsvariante sein. „Bereits jetzt steht fest, dass diese die Realisierung der Abstellgleise an mehreren Standorten vorsehen wird“, betont die Sprecherin. 2026 werden verschiedene Optionen mit dem Bund als Auftraggeber abgestimmt. „Sobald eine Vorzugsvariante feststeht, informieren wir die Öffentlichkeit.“

Ein Video der Bahn auf YouTube zeigt, wie die ausgebaute Strecke bei Prüfening und die Abstellgleise verlaufen sollen. - Foto: Pfeifer

Günter Seidl, Vorsitzender der Kleingartenanlage Prüfening Schloss, sagt: „Wir sollten uns formieren und unseren Unmut kundtun.“ Ein Rangierbahnhof im Wohngebiet sei ein Unding. Wenn die Planung so realisiert werde, blieben vielleicht zehn Gärten übrig. Weichen müssten auch bewohnte Gebäude, das Bahnwärterhäuschen und ein Privathaus.

Ein Bahn-Verantwortlicher, der mit dem Projekt vertraut ist und anonym bleiben möchte, sagt: „Es bestehen Chancen, dass wir die Gleise woanders unterbringen.“

Mehr Kapazitäten

Bahnknoten: Regensburg ist der zentrale Bahnknoten Ostbayerns. Mit dem viergleisigen Ausbau Regensburg – Obertraubling schafft die DB mehr Kapazitäten, besonders im Nahverkehr, und macht Verbindungen zuverlässiger.

Weitere Gleise: Ein neues Gleis Richtung Ingolstadt kommt hinzu. . Am Hauptbahnhof entsteht ein zusätzlicher Bahnsteig, damit künftig mehr Verbindungen und bessere Taktungen angeboten werden können. Im Bahnhof Prüfening entstehen zwei neue Bahnsteiggleise.