Bangen um den Wirtschaftsstandort Regensburg – IHK und Unternehmen appellieren an Politik

Von Marion Koller · 16. Dezember 2025 um 19:05

„Wir werden lauter“: Vor der Wahl appellieren die IHK Regensburg und ihre Unternehmen an die Politik. Es geht um Verkehr, Altstadt, Wohnungsknappheit und Bürokratie.

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Das ist ein Weckruf: Die Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, die rund 88 700 Unternehmen vertritt, hat unter dem Motto „Wirtschaft mitdenken – Impulse für die Kommunalwahl 2026“ ihre Forderungen formuliert. Hintergrund ist die Sorge um den Standort. In Regensburg befinden sich beinahe 12.000 der Firmen.

„Um global wettbewerbsfähig und regional leistungsfähig zu bleiben, müssen Politik und Wirtschaft zusammen die richtigen Weichen stellen“, sagte Petra Betz am Dienstag. Die Vorsitzende des IHK-Gremiums sowie Geschäftsführer Dr. Martin Kammerer waren sich einig: „Wir werden lauter. Vielleicht waren wir zu still in den letzten Jahren.“ Sie wünschen sich mehr Wertschätzung. Die Wirtschaft sei existenziell für Stadt und Land.

Kommt die Nordspange vor der Tunnelsanierung?

Kammerer verwies auf die „sehr schlechten“ Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage vom Herbst. Zurzeit verdienen 133.030 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Regensburg ihr Geld. Doch die Unternehmen wollen in den kommenden Monaten deutlich weniger einstellen. Ein Instrument, um Betriebe zu halten und neue anzuziehen, sei die Stärkung der Mobilität in Regensburg und dem Umland. Kammerer erwähnte die 97.300 Einpendler an Wochentagen. Das von Stadt und Landkreis erarbeitete Mobilitätskonzept für den Großraum dürfe nicht in der Schublade verschwinden.

Gremiumsmitglied Christian Kronseder von der Makron GmbH betonte, die Nordspange – Sallerner Regenbrücke mit Erweiterung der Nordgaustraße – müsse gebaut werden. „Es gibt Fallstricke wie die Bürgerinitiative.“ Betz sprang ihm bei. Der Verkehr sei schon da. In der Nordgaustraße und Amberger Straße werde die geplante Verbindung zu einer deutlichen Verbesserung führen. „Es wäre wünschenswert, dass die Nordspange vor der Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels fertig wird.“

IHK pocht auf Regio-S-Bahn

Die IHK pocht auf die baldige Realisierung von Regio-S-Bahn und Haltepunkt Walhallastraße. Kronseder sagte: „Die Regio-S-Bahn kann eine Alternative zur abgelehnten Tram sein.“ Die Busse sollen schneller und tangential fahren. Der Ausbau von Radnetz und -schnellwegen wird favorisiert.

„Den TechCampus II sehen wir als sehr wichtig an“, betonte Martin Kammerer. Die IHK verlangt, dass das interkommunale Gewerbegebiet Regensburg – Wenzenbach angepackt wird. Das Kreativareal im Stadtlagerhaus müsse wirtschaftlich umgesetzt werden. „100 Prozent Glasfaser sollen schnell kommen.“

Damit die Altstadt anziehend und erreichbar bleibt

Nach Meinung der Fachleute braucht es eine ausreichende Zahl von günstigen Parkplätzen, damit das Zentrum für Kunden, Gäste, Beschäftigte und Lieferanten erreichbar bleibt. „In den Parkhäusern sollen keine Flächen für Anwohnerparken umgewandelt werden“, appellierte Martin Kammerer. Auch am Dultplatz und in Stadtamhof solle das nicht geschehen, meinte Betz. Aus Sicht der Wirtschaft ist das geplante Parkhaus am Unteren Wöhrd mit 580 Stellplätzen zu klein. Das Thema Parken müsse die neue Stadtregierung anpacken. Parkplätze und Parkhäuser seien umsatzrelevant. Für den Kaufhof wünscht man sich ein tragfähiges Konzept, das mit einem Investor erarbeitet wird. „Jetzt breiten Obdachlose dort ihren Hausstand aus“, kritisierte Kammerer.

Wünschen sich eine bessere Infrastruktur und mehr Wertschätzung: Christian Kronseder, Vorsitzende Petra Betz, Geschäftsführer Dr. Martin Kammerer und Mario Mirbach vom Vorstandsteam des IHK-Gremiums (v.l.) - Foto: Koller

Sonstige Leerstände sollen flexibel genutzt werden. Die IHK stellt sich eine ansprechende Mischung aus Handel, Gastro und Kultur vor – und weniger Einschränkungen durch die Stellplatzsatzung. Mehr Sicherheit und Sauberkeit verbesserten die Aufenthaltsqualität im Zentrum.

Wohnungsknappheit schreckt Arbeitskräfte ab

Es fehlen bezahlbare Wohnungen für Arbeitnehmer und Auszubildende. Kammerer erwähnte den Brandbrief der Bauträger, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Nach Meinung der IHK muss die Stadt von ihrem Baulandmodell abrücken und die 40-prozentige Sozialquote kippen. Architekt Mario Mirbach von der Pure Gruppe sprach sich für vereinfachte Gebäude aus. „Es gibt Pilotprojekte, bei denen kostengünstiger gearbeitet wird.“

Fühlen sich ausländische Fachkräfte willkommen?

„Wir brauchen ausländische Fachkräfte“, sagte Martin Kammerer und trat für Welcome-Center ein. Dass die Zahl der Schulabbrecher und der Migranten, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse keinen Job bekommen, so hoch ist, kritisiert die IHK scharf. Petra Betz argumentierte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einen höheren Anteil berufstätiger Frauen und flächendeckende Ganztagsbetreuung.

Firmen fühlen sich von der Bürokratie gebremst

Die Unternehmen wünschen sich digitale und effiziente Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Dafür müssten bürokratische Hürden abgebaut und Ermessensspielräume besser genutzt werden. Die IHK pocht auf beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, gerade für den Wohnungsbau.